Feuerwehr-Simulation spielt in Mülheimer Feuerwache

Carsten Widera-Trombach ist Geschäftsführer des Spieleentwicklers Crenetic. Das Mülheimer Unternehmen brachte bereits eine THW-Simulation auf den Markt und gewann einen Preis für ein Zombie-Game.
Carsten Widera-Trombach ist Geschäftsführer des Spieleentwicklers Crenetic. Das Mülheimer Unternehmen brachte bereits eine THW-Simulation auf den Markt und gewann einen Preis für ein Zombie-Game.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Mülheimer Unternehmen Crenetic lässt Wirklichkeit und Spiel aufeinandertreffen. Ihre Simulation „Notruf 112“ will den Alltag von Feuerwehrleuten möglichst realistisch abbilden.

Mülheim.. Wenn Spiel auf Wirklichkeit trifft, heißt das in der Computerspiel-Branche „Simulation“. Landleben wird da etwa vorgetäuscht und der Spieler sitzt vorm Monitor und pflügt mit detailgetreuen Maschinen das Feld. Oder er nimmt im virtuellen Cockpit Platz, um stundenlang ein Flugzeug zu steuern. Am Ziel erwartet ihn der Flughafen der jeweiligen Stadt – in allen Einzelheiten dreidimensional nachgebaut. Ab nächstem Jahr können Spieler virtuell Feuerwehrmann werden. Das Mülheimer Unternehmen Crenetic entwickelt eine Feuerwehr-Simulation – mit voll ausgestatteten Feuerwehrwagen, aufwendiger Brand-Simulation und der eins zu eins nachgebauten Mülheimer Hauptfeuerwache.

Sie können auch Zombies. „Trapped Dead“ heißt das Crenetic-Spiel, das 2010 den Deutschen Entwicklerpreis erhielt. Mit der Kettensäge schlurfenden Gehirnfressern zu Leibe rücken – das ist ein bestes Beispiel für das, was Crenetic-Geschäftsführer Carsten Widera-Trombach als Game definiert, als ein vom Entwickler erfundenes Spiel. „In der Welt, die man sich ausdenkt, hat man alle Freiheiten. Das Ziel dabei ist ,Immersion’, dass der Spieler sich auf das einlässt, was man vorgibt.“ Bei Simulationen hingegen muss man die Welt so nehmen wie sie ist – also ohne Zombies, aber mit DLK, MTF, RTW und allem, was sonst so bei der Feuerwehr ausrückt.

Der Realität gerecht werden

Carsten Widera-Trombach benutzt diese Abkürzungen ganz automatisch. „Mir wurde gesagt, die Grundausbildung würde ich mit einer schlechten Vier bestehen“, scherzt er und will damit zeigen: wenigstens die Theorie sitzt. Seit Anfang des Jahres haben er und sein Team sie sich aufgeschafft, haben recherchiert, unzählige Fotos und Filme ausgewertet, Blaupausen für die diversen Fahrzeuge und Gerätschaften organisiert – und vor allem haben sie mit den Fachleuten gesprochen. Crenetic kooperiert für das Projekt mit der Mülheimer Feuerwehr. Einen 24-Stunden-Dienst hat Carsten Widera-Trombach dort etwa als Praktikant absolviert.

Der Realität gerecht werden wollen die Mülheimer Spieleentwickler und legten Wert darauf, dass es ordentlich brennt. Eine Fluidsimulation erstellen sie deshalb, die sicherstellt, dass sich das Feuer realistisch ausbreitet. „Wir berechnen die Raumtemperatur und entstehende Gase. Der Rauch verteilt sich realitätsgetreu“, erläutert Widera-Trombach. „Für das Spiel war das nicht unbedingt wichtig“, räumt er ein, doch könne die Fluidsimulation weiterverwendet werden. Der Crenetic-Chef sieht Anwendungsmöglichkeiten in der Forschung oder für die Ausbildung von Feuerwehrleuten.

Das Spiel, das erst im zweiten Quartal 2016 auf den Markt kommt, wird laut Widera-Trombach bereits kräftig vorbestellt. Die Feuerwehr hat viele Fans. Die Entwickler haben einige kennengelernt: Blaulichtsammler, Hobbyfotografen, die Einsatzwagen beim Ausrücken ablichten. „Das sind Leute, die merken, wenn das Blaulicht nicht richtig positioniert ist“, weiß Carsten Widera-Trombach, der Kontakt zu den Fans hält, ihre Vorfreude spürt – aber auch Druck. „Die Erwartungen sind sehr hoch.“ Dem wollen die Mülheimer gerecht werden – sie werden sich an der Realität messen lassen müssen.

 
 

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