Fetzige Zeitreise in die sechziger Jahre auf der Ruhrbühne

Gerade haben die Rattles ihr 50. Bühnenjubiläum gefeiert, am Samstag rockten sie live in Mülheim, vor rund 2000 Fans.
Gerade haben die Rattles ihr 50. Bühnenjubiläum gefeiert, am Samstag rockten sie live in Mülheim, vor rund 2000 Fans.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim an der Ruhr.. Ü 60 und Ü50 - zwei Generationen trafen sich am Sonnabend vor der Ruhrbühne im illuminierten Innenhof von Schloß Broich zu einer musikalischen Zeitreise, schwoften, sangen begeistert mit.

Zum Auftakt versetzten die Rattles die Fans Ü60 mit heißen Beats und harten Riffs in die Zeit des Aufbruchs, in die sechziger Jahre, als die Hamburger Band ihren Siegeszug im Star-Club an der Reeperbahn antrat. Zwei Stunden später, bei Sonnenuntergang, brachte die Hit-Maschine Hot Chocolate aus London die Ü50 in Wallung, verwandelte den prall gefüllten Schlosshof in einen lebendigen Tanzboden, in eine Disco, ganz im Stil der siebziger Jahre.

Für beide Bands, so unterschiedlich sie auch sind, wurde die „Ruhrbühne“ rasch zum Heimspiel. Zumal die Rattles und Hot Chocolate von Anfang an auf Nummer sicher gingen, konsequent auf ihre fast endlose Kette eingängiger Hits setzten, die sie in den 60er und 70er Jahren wie am Fließband produzierten.

Rattles mischten Publikum auf

Die Rattles um die beiden Originalmitglieder Dickie Tarrach (Drums) und Herbert Hildebrandt (Gesang, Gitarre) stiegen gleich zu Beginn mit „Let’s Rock“, „Come on and sing“ und „Sha-La-La-La-Lee“ ein: Gut gelaunt, sonnengebräunt, sonnenbebrillt standen sie auf der Bühne vor der untergehenden Sonne, grinsten lässig in die Runde, mischten das dicht gedrängte Publikum auf, reproduzierten mühelos das leichte Lebensgefühl ihrer Generation. Es ging Schlag auf Schlag, mit Rock’n’Roll, Gassenhauern wie „La La La“, „Mashed Potatoes oder dem „Hippie-Hippie-Shake“. Da feierte der legendäre „Beat-Club“.

Gerade haben die Rattles ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum begangen, wie ihre Zeitgenossen, die Beatles und die Stones. Doch man hätte den Urvätern des deutsches Rocks ihr Alter kaum angemerkt, wenn Hermann Hildebrandt, Gitarrist und Sänger, nicht ein paar Anekdoten aus der Blütezeit der Band eingestreut hätte: wie das damals so war im Hamburger Star-Club. Was damals so abging, auf der ersten Englandtournee einer deutschen Band, gemeinsam mit Jerry Lee Lewis, den Everly Brothers u.v.a. Dieser erfolgsverwöhnten Epoche zollten die Rattles Tribut, mit Klassikern wie „Twist and Shout“, „Bully Wully“, „Peggy Sue“, „Runaway“, „Great Balls of Fire“. Dickie Tarrach lieferte dazu ein fulminantes Drum-Solo ab, wie um zu zeigen, wie viel Kraft noch in ihm und der Band steckt. Zum Schluss kam es dann, wie es kommen musste: Energiegeladen präsentierten die Rattles „The Witch“, ihren größten Hit, mit dem sie 1979 sogar in den Top-Ten der US-Billboard-Charts landeten. Erst danach kam der Hit-Express aus Hamburg dampfend zum Stehen.

Hot Chocolate machtenden Schlosshof zum Tanzboden

Mit Hot Chocolate nahm die Show dann wieder volle Fahrt auf, aber unter veränderten musikalischen Vorzeichen. Zwar spulten auch die sechs Briten vor der romantischen Kulisse des Schlosshofes 90 Minuten professionell und gut in Form ihre lange Liste an Hits herunter. Doch der Schwerpunkt lag eindeutig auf Pop, gewürzt mit kräftigen Prisen aus Soul, Funk und Disco.

Das Strickmuster vieler Songs ist ähnlich: Ob „Everyone’s a winner“ oder „Heaven’s in the backseat of my Cadillac“ , „Brother Louie“ oder „Emma“ - stets weben Tony Connor (Drums) und Patrick Olive (Bass), Gründungsmitglieder von Hot Chocolate, einen eingängigen, stampfenden Rhythmus-Teppich, unterstützt von gleich zwei Keyboardern im Hintergrund. Die Songs singt heute der schwarze Frontmann Kennie Simon, Nachfolger des legendären Errol Brown, der sich 1985, nach 15 extrem erfolgreichen Jahren mit 16 Top-Ten-Hits verabschiedete, um eine Solokarriere zu starten. Mit seinem Soul-Schmelz in der Stimme stehtSimon seinem Vorgänger nicht nach. Auch Gitarrist Harvey Hinsley ist noch aus der guten alten Zeit übrig geblieben: Wie eh und je steuert der britische Gentleman am rechten Bühnenrand funkige Riffs bei.

Genau dieses Rezept machte den großen Erfolg der Band in den 70ern, frühen 80ern ausmachte: ein unglaublich kompakter, eingängiger Sound, dem man sich auch beim Auftritt auf der Ruhrbühne kaum entziehen konnte. Bei „So you win again“ oder „It started with a kiss“ kamen die dichten Reihen im Publikum erneut mächtig in Bewegung.

Aber das war erst das Vorspiel zum grandiosen Höhepunkt Denn das Konzert mündete im größten Hit von Hot Chocolate „You Sexy Thing“: Da gab es bei den Fans wirklich kein Halten mehr. Viele tanzten, die meisten Frauen allemal. „Saturday night fever“ pur.

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