Feine Leute und fiese Taten

Margitta Ulbricht
Foto: Thomas Emons

Die Leser der beiden vorhergehenden Bände haben Kriminalinspektor Alfred Poggel und seine handfeste Vermieterin Anna Puff schon liebgewonnen, wobei ihr „Bratkartoffelverhältnis“ wörtlich zu nehmen ist. Das Autoren-Duo Monika Detering und Horst-Dieter Radke schickt seine Leser erneut auf Spurensuche in Mülheims Vergangenheit: Der dritte Mülheim-Krimi „Chrom, Koks und feine Leute“ spielt wieder in den 50er Jahren und diesmal mitten in Styrum. Damit schließt der Roman an den Vorgänger „Endstation Heißen“ an, in dem die Prostituierte Thekla ums Leben kam. 1956 ist ihr Mord noch immer nicht aufgeklärt. Zudem muss Alfred Poggel den Fall eines Autohändlers lösen, der in seiner Villa tot aufgefunden wird. Währenddessen sorgt sich seine Vermieterin Anna Puff um ein Mädchen, das in einem Essener Kinderheim misshandelt wird. Es gibt also wieder viel zu tun für den smarten Kommissar und seine Freunde.

Damit spiegelt die Geschichte den Zeitgeist und die moralischen Vorstellungen in den 50ern, „die auch sehr spießig waren“, weiß Monika Detering. Kinderheime habe es damals rund um Mülheim gegeben, habe sie herausgefunden. Die Erziehung dort sei sehr autoritär, die Regeln mehr als streng gewesen. „Es gab unheimlich viele Kinder, die Schläge und Gewalt in diesen Heimen erdulden mussten.“ Wie immer sei es zwar ein fiktiver Fall, „der aber stellvertretend für Realität in den Kinderheimen die ungute Seite dieser Zeit zeigt“.

Eine andere Seite zeigt das Autoren-Duo mit ihrem warmherzigen Blick auf die 50er Jahre mit Lokalkolorit. „Ich habe ein Faible dafür, weil sich in dieser Zeit so wahnsinnig viel verändert hat“, sagt Detering. Obwohl sie in Bielefeld wohnt und Horst-Dieter Radke in der Nähe von Würzburg lebt, hat es ihnen die Stadt an der Ruhr angetan. „Ich habe fast meine gesamte Familie in Mülheim und habe als Kind in den Ferien viel Zeit dort verbracht“, sagt Detering. Deshalb seien auch viele stadttypische Begriffe für sie jederzeit abrufbar. Wie „Spinnewipp“, was Sperenzchen bedeute, oder „Ströppken“, das für kleines Mädchen stehe.

Recherchiert hat das Autoren-Duo vor Ort, sich von älteren Mülheimern Geschichten erzählen lassen, die Historie und einen Kommissar in Ruhestand zu Rate gezogen. Als Gast-Autor hat der Mülheimer Wolf-Peter Schneiderheinze auch im neuen Krimi wieder einen Beitrag über den legendären Kartoffelhändler beigesteuert. Monika Detering freut sich schon auf Lesungen in Mülheim, denn die „sind alle immer sehr toll – sowohl vom Publikum als auch von den Veranstaltern her“.