Fehlalarm bei Brandmeldern wird in Mülheim bald richtig teuer

Philipp Ortmann

Mülheim. 

Soviel ist sicher: Retten ist kostenlos. Bleibt es auch. Nur da, wo nichts zu retten ist, die Feuerwehr also umsonst anrückt, da ist es teuer. Wird es auch in Zukunft sein. Nur mit dem Unterschied, dass die Feuerwehr für die Fehlalarme keinen pauschalen Betrag mehr erheben, sondern gemessen am Aufwand abrechnen will. Wenn der Rat kommende Woche zustimmen sollte.

Zum Hintergrund: In der Stadt stehen 224 Gebäude, die mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet und somit direkt mit der Feuerwehr verbunden sind. Private wie öffentliche. Brennt es, sendet die Anlage ein automatisches Signal an die Leitstelle. Manchmal aber ging der Alarm auch ohne Grund los. Durch Unachtsamkeit oder Bauarbeiten zum Beispiel. 219 Fehlalarme zählte die Feuerwehr im Jahr 2010, für die sie auch eine entsprechende Rechnung schrieb.

Auch in diesem Jahr, sagt Feuerwehrleiter Burkhard Klein, werde sich die Zahl „in diesem Rahmen bewegen“. Und bisher stellten seine Kollegen für jeden unnötigen Einsatz, zu dem sie ausrückten, insgesamt 383,47 Euro in Rechnung – egal, ob es sich um einen Kindergarten oder das Evangelische Krankenhaus handelte. Das soll sich ändern: Neun Kategorien hat die Feuerwehr dazu aufgestellt und sie griffig „Löschzugkombination“ genannt (siehe Box).

In Kombination 1 sind zum Beispiel Gebäude ohne besondere Risiken zusammengefasst, darunter auch, um beim Beispiel zu bleiben: Kindergärten. Ertönt in solchen Gebäuden ein Fehlalarm, soll das in Zukunft mit 445 Euro zu Buche schlagen. Das Evangelische Krankenhaus (EKM) fände sich dann in Kategorie 8 wieder und müsste 873 Euro zahlen. Mehr als das Doppelte. Ein ordentlicher Sprung. Der aber auch für mehr Gerechtigkeit sorge, sagt Burkhard Klein. Schließlich sei der Aufwand bei einem Kindergarten kleiner als bei Krankenhäusern.

Neue Verteilung um Kosten zu sparen

Die neue Kostenverteilung ist ein weiteres Stellschräubchen im Kostensenkungsmodus der Stadt. Am kommenden Dienstag berät der Finanzausschuss über die Vorlage. Die Entscheidung trifft der Rat am darauffolgenden Donnerstag. Und der Kommentar von EKM-Geschäftsführer Nils B. Krog zu diesem Vorhaben fällt denkbar knapp aus: „Dann hätten wir auf jeden Fall Gesprächsbedarf mit der Stadt“, sagte Krog im Gespräch mit NRZ. Die neue „Ausfall-Tabelle“ war ihm da gänzlich unbekannt. Dafür kannte er ein anderes Detail.

In Zukunft wird die Übertragung dieser Brandmeldeanlagen zur Leitstelle nämlich nicht von der Feuerwehr selbst, sondern von der Firma Bosch sichergestellt. Kosten und Umfang der Leistungen seien noch unbekannt. „Nächste Woche haben wir einen Termin. Da wird uns dann alles erklärt.“ Eines aber scheint schon klar: Auch hier lauern Umstellungen.

Bislang überwiesen die Eigentümer der 224 Häuser für diese Übertragungseinheiten eine Grundgebühr von 562,42 Euro pro Jahr. Eine Gebühr gibt es auch bei Bosch. Über die Höhe hüllt sich das Unternehmen allerdings noch in Schweigen. Sie sei nicht befugt, darüber Auskunft zu geben, sagte eine Sprecherin gestern und verwies ihrerseits auf die Feuerwehr Mülheim. Burkhard Klein dagegen schätzt die neuen Gebühren auf „70 bis 80 Euro“ – im Monat. Festlegen wollte er sich allerdings auch nicht.