Fast 1000 Gräber verwildern jährlich

Björn Bowinkelmann
Urnengemeinschaftsgräber, wie auf dem Styrumer Friedhof, soll es bald auch in Broich, Dümpten und Speldorf geben.
Urnengemeinschaftsgräber, wie auf dem Styrumer Friedhof, soll es bald auch in Broich, Dümpten und Speldorf geben.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Mülheim. Die Bereitschaft von Angehörigen zur Grabpflege sinkt. Dies stellen nicht nur die Friedhofsgärtner mit Blick auf sinkende Auftragszahlen fest, sondern auch die Stadt. Zwischen 800 und 1000 Gräber muss das Friedhofsamt inzwischen jährlich beanstanden, weil diese verkümmern und von Angehörigen nicht ausreichend gepflegt werden.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach günstigen Bestattungsarten mit geringem Pflegeaufwand. Bereits 2006 waren mehr als die Hälfte aller Beerdigungen auf den städtischen Friedhöfen Urnenbestattungen. Im vergangenen Jahr machten die Sargbestattungen nur noch ein knappes Drittel aller Beisetzungen aus. Die günstigeren Urnengräber mit weniger Platz für Beete und Blumen bedeuten für Friedhofsgärtner weniger Einnahmen, aufgrund des geringeren Pflegebedarfs. „Wir können den Prozess nicht aufhalten, aber verlangsamen“, sagt Bernd Buchholz, Sprecher der Mülheimer Friedhofsgärtner.

Vorsorgevertrag zum Festpreis

Verlangsamen wollen die Friedhofsgärtner den Trend zu pflegearmen und kostengünstigen Bestattungsarten mit alternativen Bestattungsangeboten. Seit 2007 bieten sie auf dem Hauptfriedhof und in Styrum Urnengemeinschaftsgräber an. „Eine preiswerte Alternative zur anonymen Bestattung“, so bewerben die Friedhofsgärtner ihr Erfolgsprodukt.

Gemeinschaft bedeutet, dass bis zu 16 Urnen auf einem zwölf Quadratmeter großen Feld beigesetzt werden. Das Feld ist komplett mit Blumen bepflanzt und in der Mitte steht ein Grabstein mit den Namen der Verstorbenen. Das besondere: Nutzung und Pflege über 25 Jahre gibt es in Form eines Vorsorgevertrags zum Festpreis.

Fehlende Einigung mit der Stadt

Seit der neuen Satzung für die Friedhofsgebühren vom Juni 2011 war das Fortbestehen der Urnengemeinschaftsgräber ungewiss. Ein Vertrag über zusätzliche Felder scheiterte aus Sicht der Friedhofsgärtner bislang nicht zuletzt an einer unzureichenden Bestandssicherung für die neue Grabform. „Die gibt es jetzt“, sagt Buchholz erfreut. Kurz vor Allerheiligen habe man sich in einem gemeinsamen Gespräch mit der Stadt geeinigt. Zukünftig seien auch Urnen-Gemeinschaftsgrabflächen auf den Außenfriedhöfen in Broich, Speldorf und Dümpten vorgesehen.

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