Fallwerk-Betreiber verneint Gefahr für Anwohner

„Wir sind ein korrekt genehmigter Betrieb“, so Paul Jost, Besitzer der Schrottverwertung. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
„Wir sind ein korrekt genehmigter Betrieb“, so Paul Jost, Besitzer der Schrottverwertung. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
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Mülheim. Täglich werden an der Weseler Straße große Mengen Metallschrott verarbeitet, Schadstoffgrenzwerte an nahen Messstellen um ein Vielfaches überschritten. Anwohner fühlen sich bedroht - doch der Fallwerk-Chef bezeichnet die Proteste als "Hobby".

Die Mülheimer Bürgerinitiativen machen „eine Umweltsünde höchsten Grades“ aus, die Anwohner sprechen von einer bedrohlichen Belastung, die ihnen Angst bereite.

Und der Unternehmer der in der Kritik stehenden Schrottverwertung an der Weseler Straße sucht seit Jahren vergeblich Kontakt mit der Stadt, um eine Verlagerung der Anlage zu erreichen. Verärgert, besorgt sind alle, und der Druck wächst auf Stadt und Land tätig zu werden, so wie die Werte der Staubniederschläge an den Messstellen in die Höhe steigen. Beispiel Nickel: Der durchschnittlich gemessene Wert liegt bei 900 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag, bei 15 liegt der Grenzwert. Auch hohe Bleiwerte werden beklagt.

Im Visier der Kritik steht immer wieder das Fallwerk an der Weseler Straße, wo täglich in großen Mengen Metallschrott entladen, umgelagert, sortiert, zerkleinert und gestapelt wird. An manchen Tagen stehen nach Beobachtungen der Anwohner mehrere Lastzüge vor den Toren, die Kennzeichen verraten: „Der Schrott kommt aus ganz Europa“, sagt Anwohner Horst Buchmüller, der seit 50 Jahren dort lebt und seit vielen Jahren gegen die Belastungen kämpft.

Als unfassbar bezeichnen die Anwohner die Tatsache, dass die Stadt auch noch wenige Meter von der Anlage entfernt einen Kinderspielplatz errichtet hat, der sogar ausgezeichnet worden sei.

Der Rat hatte schon 1992 beschlossen, das Fallwerk zu verlagern

Die SPD-Fraktion fordert jetzt von der Verwaltung Aufklärung: Unter anderem geht es um die Frage, warum es seit 1992 nicht gelungen ist, das Fallwerk zu verlagern, obwohl der Rat dies damals einstimmig beschlossen hatte. Und: Die Verwaltung soll einen Vertreter der Wasser- und Bodenschutzbehörde bei der Bezirksregierung um Stellungnahme bitten: Wie gefährlich können die Staubniederschläge sein?

Die MBI haben den Landesumweltminister Johannes Remmel eingeschaltet und bitten dringend um Hilfe. Ihr Vorwurf: Die Stadt schiebe Zuständigkeiten weit von sich und ignoriere die Probleme. „Weder die Schrottschere noch die Falltürme haben in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung etwas zu suchen“, so die MBI an den Minister.

Dabei ist keineswegs gesichert, dass die Staubbelastungen auch von dem Fallwerk stammen? „Es gibt im Hafengebiet mehrere Unternehmen, die mit Schrott arbeiten“, sagt Konrad Jost, Eigentümer der Anlage, die aber auch von Rohstoff-Recycling Dortmund genutzt wird. „Wir sind ein korrekt genehmigter Betrieb“, sagt Jost und betont vor allem: „Wir betreiben hier keine gefährlichen oder illegalen Dinge.“

Protest sei "Hobby der Bürgerinitiativen", kontert der Fallwerk-Chef

Als völlig abwegig bezeichnet er den Verdacht, es würden gar radioaktive Materialien verarbeitet. Es sei seit vielen Jahren „das Hobby der Mülheimer Bürgerinitiativen“, kontert Jost, gegen das Fallwerk zu wettern. Die Belastungen durch Lärm hält er für subjektiv.

Was der Unternehmer vor allem kritisiert, ist, dass die Stadt seit Jahren mit ihm nicht in Kontakt trete, um über alternative Standorte zu verhandeln. Dabei gab es eine Lösung, sogar einen Vertrag, den die Stadt in letzter Minute mit dem „Vorkaufrecht“ wieder kippte. Das Gelände befand sich im Gewerbegebiet Hafen, aber entfernt von einer Wohnbebauung.

Dieses Areal bietet die Stadt nun wieder an für ein umschlagintensives Gewerbe, schließt aber Schrottverladung ausdrücklich aus. Für Jost ist das „reine Willkür“.

Anwohner füchten, der Wind trage Schwermetall-Staub vor die Tür

Unterdessen äußert das Umweltamt der Stadt gegenüber der WAZ, dass die Gefahr durch Nickel keineswegs brisant sei. „Die Staubpartikel sind nicht Lungen zugänglich“, sagt Amtsleiter Jürgen Zentgraf. Das Problem liege darin, dass die Metalle ausgeschwemmt und in den Boden gelangen könnten. Es komme jetzt darauf an, genau den Verursacher festzustellen und dann vor Ort Maßnahmen zu ergreifen, damit die Staubniederschläge nicht weitergetragen werden.

Die Bewohner denken an ein ganz anderes Schreckensszenario: Der hoch belastete Schwermetall-Staub wird durch Wind quasi vor die Haustür geweht, dass dies unschädlich sein soll, glaubt keiner.

 
 

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