Fahrrad-Club hegt Zweifel an der Unfallstatistik für Mülheim

An der Ecke Melinghofer Straße / Zinkhüttenstraße kam im August 2011 ein Radfahrer ums Leben. Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool
An der Ecke Melinghofer Straße / Zinkhüttenstraße kam im August 2011 ein Radfahrer ums Leben. Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim.. Fünfzig Mal haben Radfahrer im vergangenen Jahr Unfälle selbst verschuldet, 109 Mal zählten sie zu den Verunglückten, so stellt es die Polizei in der neuesten Unfallstatistik für Mülheim vor. Klarer Fall?

Nein. Denn gerade an solchen Statistiken übt der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) eifrig Kritik. Sogar von Statistik-Tricks der Polizei ist die Rede, um „die Öffentlichkeit in Sachen Fahrradunfälle wachzurütteln“, wie es in der ADFC-Zeitschrift „Rad im Pott“ heißt.

Dabei streitet der Fahrrad Club gar nicht ab, dass Radler an Verkehrsunfällen Hauptschuld oder Mitschuld haben können. Ein BMX-Fahrer, der etwa den falschen Radweg benutzt, und deshalb von einem Auto übersehen wird, habe durch sein fehlerhaftes Verhalten den Unfall herbeigeführt, auch wenn dem Autofahrer juristisch womöglich die Hauptschuld zugesprochen werde.

Die Polizei unterscheide in ihrer Statistik jedoch häufig nicht zwischen Haupt- und Mitschuld, kritisiert der ADFC, sondern spräche allgemein von Schuld und verzerre damit die Statistik.

„Wohl ungewollt zur glatten Lüge“

Der ADFC führt als Beispiel eine Aussage in der WAZ Mülheim an. „Nach unseren Erkenntnissen liegt in 80 bis 90 Prozent der Fälle eine Schuld bei Radfahrern“, äußerte dort Polizeihauptkommissar Peter Degener. Genaue Unfall-Analysen und Gutachten hätten ergeben, dass in den meisten Fällen dem Unfall ein Fehlverhalten des Radfahrers vorausgegangen sei, behauptet Degner.

Dem widerspricht aber der ADFC, denn der Polizeihauptkommissar lässt damit nach Meinung des Clubs unter den Tisch fallen, welche Art „Schuld“ den Radfahrer trifft. Er suggeriere sogar, dass der Radler der alleinige Verursacher von Unfällen sei, der Autofahrer hingegen das Opfer. Damit kratze die Aussage nicht nur „haarscharf an der Wahrheit“, kritisiert der ADFC, sie gerate „(wohl ungewollt) zur glatten Lüge“.

Gegen restriktive Kontrollen hat der ADFC keine Einwände – manche Radler ließen sich nur noch so erreichen. Doch mit statistischen Tricks vergraule die Polizei diejenigen, die sie eigentlich für mehr Sicherheit sensibilisieren will.

 
 

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