Ewige Suche nach Antworten

Jahresempfang der Wolfsburg Bild: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Jahresempfang der Wolfsburg Bild: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Mülheim.. Wie kann Kirche morgen aussehen? Wer kümmert sich in den Gemeinden um die Menschen? Wer gibt Glauben weiter? Wer tröstet und traut? „So wie bisher kann es in Vielem nicht weitergehen“, sagte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck beim Jahresempfang in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ vor mehreren hundert Gästen.

Er wisse, dass dies mit Schmerz, Enttäuschung, und auch Ärger verbunden sei, wenn Kirche immer kleiner werde. Und dennoch übernehme sie als eine „Kirche im Volk“ Verantwortung an den Schnittstellen von Religion, Gesellschaft und Politik. Glauben im Heute zu leben und Kirche neu zu gestalten müsse das Ziel der nächsten Jahre sein. Dazu führt das Bistum einen bisher nie dagewesenen Dialog durch, unter anderem mit sechs großen Bistumsforen unter dem Titel „Zukunft auf katholisch“. Der Bischof sucht Antworten.

„Bildung macht stark“

Sein gesellschaftliches Engagement zeigt das Bistum seit Beginn in der Bildungsarbeit, das gilt für die Arbeit in Kindergärten wie in Schulen. „Bildung macht stark“ – unter dieses Motto stellt der Bischof eine Familienkampagne, die dazu beitragen soll, Familienleben zu stärken. „Wir gehen auf die Menschen zu und dorthin, wo die Menschen ihr Leben gestalten.“

Das Zugehen auf Menschen, vor allem das Zuhören hat seit Jahrzehnten Tradition in der „Wolfsburg“. Dort versucht die Kirche, mit allen gesellschaftlichen Gruppen die großen Fragen der Zeit zu diskutieren. „Viele Menschen erfahren heute Leben als ohne Gott verstehbar und gestaltbar. Dies ist auch für die katholische Akademiearbeit eine große Herausforderung“, sagte Akademiedirektor Michael Schlagheck. Für ihn und sein Team geht es daher darum: Wie kann das Beziehungsverhältnis einer Suche nach Sinn, der Gottesfrage und der Lebensgestaltung immer neu in den Blick gerückt werden?

Suche nach Antworten

Die „Wolfsburg“ 2012 – das werden Dialoge sein zu Fragen wie: Wie viel Beteiligung braucht die katholische Kirche? Wie viel Verschiedenheit verträgt die Gesellschaft? Wie kann Kirche über Sexualität reden? Oder: Wie sieht der Umgang mit Macht aus? In der „Wolfsburg“ sucht man nach Antworten.

Wissenschaftler, Unternehmer, Journalisten, Politiker – stets hat die „Wolfsburg“ zum Jahresbeginn einen prominenten Gast, diesmal war es mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert, der zweite Mann in Staat. In einer von vielen als exzellent eingestuften Rede mit humorvollen Spitzen gewürzt ging er auf das Verhältnis von Staat und Kirche, von Politik und Religion ein. Werte und Orientierungen, die über individuelle Interessen hinausgingen, entstünden im Wesentlichen aus religiösen Überzeugungen. „Die Religion ist nicht die einzige, aber wohl unverzichtbare Quelle von Werten in einer Gesellschaft“, so Lammert.

Fundament von Überzeugungen und Werten pflegen

Er ist überzeugt, dass die große Zeit der Religionen keineswegs vorbei sei. Lammert rief dazu auf, das Fundament von Überzeugungen und Werten zu pflegen. Das bedeute für die Kirche, sich nicht ins Spirituelle zurückzuziehen, sondern ihre Botschaft ins Volk zu tragen. Und Politik? Da zitierte Lammert den Papst vor dem Bundestag: „Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen.“

Wie wird 2012? Besser, turbulenter? Der Bundestagspräsident hat keine Antwort: „Auf das, was kommt, können wir nur begrenzt vorbereitet sein.“

 

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