Eselsohren 2.0 - Online-Leihe startet in Mülheimer Stadtbibliothek

Steffen Tost
Bücher und andere Medien können Bibliothekskunden ab Donnerstag auch per Internet herunterladen.
Bücher und andere Medien können Bibliothekskunden ab Donnerstag auch per Internet herunterladen.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Ab Donnerstag bietet die Stadtbücherei die Medienausleihe auch über das Internet an. Da die Datei nach 14 Tagen automatisch auf dem Rechner und allen Hilfsmitteln wie E-Book-Reader oder I-Phone erlischt, gibt es auch keinen Ärger mit Leihfristüberziehung und Mahnungen.

Mülheim. 

Gestern wurden die Mitarbeiter im Medienhaus noch geschult, morgen beginnt für die Stadtbücherei ein neues, virtuelles Zeitalter. Denn dann können via Internet elektronische Medien ausgeliehen werden. Für die Büchereimitarbeiter bedeutet die neue Onleihe zwar überhaupt keinen Aufwand, „Aber sie sollen wenigstens erklären können, wie es funktioniert, oder es notfalls demonstrieren können“, sagt die Leiterin Claudia vom Felde. Das Personal muss nur noch den Ausweis ausstellen, der Rest geht von alleine.

Automatische Löschung

Da die Datei nach 14 Tagen automatisch auf dem Rechner und allen Hilfsmitteln wie E-Book-Reader oder I-Phone erlischt, gibt es auch keinen Ärger mit Leihfristüberziehung und Mahnungen. Das macht die Onleihe auch zu einem attraktiven Medium für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder einfach nicht die Zeit haben, um sich ein Buch im Medienhaus auszuleihen. Es ist aber auch besonders attraktiv für den Sommer, dann kann man sich statt schwerer Bücher den schmalen E-Book-Reader in die Tasche stecken.

Vom Felde sieht in der Onleihe auch einen gute Alternative in den entfernten Stadtteilen zum weggefallenen Bücherbus. „Ein vollwertiger Ersatz kann es aber nicht sein“, sagt sie, denn der Bus sei vor allem von Schulklassen genutzt worden. Schüler, allerdings ältere, sind auch eine wichtige Zielgruppe der Onleihe. 3500 Dateien umfasst ein Paket, das vor allem in Geschichte und Deutsch Schwerpunkte setzt. Aber auch der Spiegel samt Archiv kann ausgeliehen werden, was für Referate eine gute Fundgrube sein kann. An Zeitschriften sind außerdem der Kinder-Spiegel und das Manager-Magazin verfügbar. Für Tageszeitungen seien dagegen die Lizenzen zu hoch, so dass vom Felde davon abgesehen hat, sie zu ordern.

Aktuell bleiben

Virtuelle Ausleihen in Büchereien gibt es erst seit 2007. In NRW wird es in 65 Städten angeboten, in den Nachbarstädten Essen und Oberhausen gibt es diese moderne Ausleihe allerdings noch nicht. Auch nur ein Drittel der Verlage mache mit und das auch nicht immer mit dem Komplettprogramm. Die Erfahrungen, wie die Onleihe genutzt werde, seien sehr unterschiedlich. Generell seien Hörbücher beliebt, sagt vom Felde. Um zu testen, wie Kunden reagieren, bietet die Bücherei ein breit gefächertes Angebot mit rund 6000 Titeln an. Reiseführer sind ebenso enthalten wie Sachbücher, Romane, Lyrik und Thriller. Auch Klassiker wie Goethes Werther, Heines Winterreise und Schillers Maria Stuart finden sich neben dem neuesten Mankell.

Abgesehen vom Schülerpaket muss man pro Titel 15 Euro für die Lizenzen zahlen. Der Titel kann aber auch immer nur von einem Nutzer ausgeliehen werden. Für 40.000 Euro hat die Stadtbücherei zunächst Lizenzen erworben. Weitere 10.000 Euro sind für die Technik und für die Bewerbung des neuen Angebotes erforderlich. Im Laufe des Jahres sollen für 10.000 Euro weitere Lizenzen erworben werden. Gerade bei diesem Medium sei es wichtig, aktuell zu bleiben, weiß vom Felde.

Neue Leser gewinnen

Bei den Neuanschaffungen werde man dann besser das Nutzerverhalten berücksichtigen. „Vielleicht können wir ganz neue Leser gewinnen“, hofft die Büchereileiterin, deren Einrichtung bislang 17.000 registrierte Leser hat. Ermöglicht hat das neue Angebot das Land mit 30.000 Euro, der Freundeskreis mit 10.000 Euro und weitere 10.000 Euro stammen aus eigenen Mitteln.

Den E-Book-Reader muss man sich selbst kaufen, wenn man nicht am Bildschirm oder auf dem Handy-Display lesen will. Er ist im Buchhandel für etwa 100 Euro, bei Sonderangeboten sogar deutlich günstiger zu erwerben.