Es gibt Wichtigeres als die Vertreibung aus dem Paradies

Der Aufreger der Woche kommt aus Düsseldorf: Die Siedlung am Entenfang mit immerhin 500 Wohnhäusern muss weg! 500 Familien sollen zum Teil nach Jahrzehnten das Areal verlassen, sich ein anderes Zuhause suchen, wo auch immer.


Nicht wenige haben am Entenfang sechsstellige Summen investiert. Das ist ein kleines Vermögen für Menschen, die nicht zu den Großverdienern gehören. Angesichts dieser Entscheidung im Bauministerium ist man geneigt zu fragen: Haben die in Düsseldorf keine anderen Sorgen?


Zumal Städte wie Mülheim derzeit an allen Fronten zu kämpfen haben, das Land auch. Täglich wird der Stadt mit der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge mehr abverlangt, als auf Dauer zu schaffen ist. Inzwischen müssen wichtige kommunale Aufgaben auf spätere Jahre verschoben werden, weil das Personal nicht reicht, vom Geld ganz zu schweigen. Die Sanierung der Infrastruktur stockt, die Kriminalität und Verrohung in der Gesellschaft bereiten große Sorgen. Es gibt genug zu tun, was wichtiger ist als die Vertreibung aus dem grünen Paradies.


Man kann sich ausmalen, mit welchen Konflikten, Widerständen und Härtefällen die Stadt konfrontiert wird, wenn sie die Anordnung aus Düsseldorf umsetzen muss. Wo sollen die Leute hin? Die CDU hat recht, wenn sie von einer ministeriellen Verantwortungslosigkeit spricht. Doch richtig ist auch: In Düsseldorf dürfte das keiner zum Spaß machen. Gerade jetzt nicht, wo Land und Stadt an anderen Stellen im Grünen – mit Sondergenehmigung – Dörfer für Flüchtlinge aufbauen müssen, weil nirgends sonst Platz ist.


Die Behörde muss jedoch am Entenfang reagieren, weil sie wohl auch von Bürgern dazu animiert worden ist. So wie sich das Leben am Entenfang entwickelt hat, ist es schön, aber es fußt nun mal nicht auf einem rechtlichen Fundament. Geduldet ist nicht genehmigt. Alle wussten das. Man hat es einfach laufen lassen.


Dennoch: Vertreibung ist keine Lösung, der Abriss wäre eine brutale Enteignung, die weiter Unmut über Politik und Verwaltung schüren würde. Und: Nicht nur der Wald, auch der Mensch ist ein Stück Ökologie. Eine Begrenzung des „Dorfes“ allerdings macht Sinn, eine deutliche Verkleinerung auch, nicht alles ist hohe Baukunst. Politik und Verwaltung werden eine Lösung finden müssen – gemeinsam mit dem Land. Sie werden auch eine Lösung finden müssen, um derartige Konflikte in Zukunft nicht mehr entstehen zu lassen.

 
 

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