Es gärt im Ledermuseum

Das Leder- und Gerbermuseum wird im September zehn Jahre alt. Ein kleines, aber feines Museum, das Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Kurtludwig Lindgens und Werner Bungert waren von Anfang an wichtige Motoren. Neben ideellen Werten haben die beiden Unternehmer, die beruflich dem Leder verbunden sind, privates Geld in das Museum gesteckt. Nun kehren sie dem Förder- und Trägerverein des Museums den Rücken. Lindgens steht nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung und Bungert tritt nicht mehr als Geschäftsführer an.

Wie im Gerbfass gärt’s in der Stiftung, aus deren Erträgen das Museum unterhalten wird. Als Vorstandsvorsitzender hatte Lindgens schon 2012 das Handtuch geworden. Und jetzt im Verein. Der Grund: „Einzelne Mitglieder werfen uns vor, das Museum nach Gutsherrenart zu führen, bei der Finanzierung Risiken einzugehen und das Kuratorium nicht richtig informiert zu haben“, erläutert Lindgens. Diese Vorwürfe wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Bei seinem Rücktritt hatte er zugesagt, bei eventuellen Schäden die volle Verantwortung zu übernehmen, „und zwar mit einem finanziellen Ausgleich aus meiner privaten Tasche“. Zahlen musste er nicht. „Es ist nie ein Schaden entstanden und ich bin voll entlastet worden.“

In die Stiftung wurde eine Million Euro eingebracht: 750 000 € vom Landschaftverband Rheinland, die übrigen 250 000 € kamen aus der Mülheimer Wirtschaft und von Privatleuten. Das Geld wurde angelegt. „In Anleihen“, sagt Bungert, „wobei das Kapital voll erhalten geblieben ist und nie ernsthaft in Gefahr war.“ Während zig Stiftungen in der Wirtschaftskrise Pleite gemacht hätten, sei das Kapital in diesen Zeiten zwar „zwischendurch mal unter eine Mio. Euro gerutscht, aber dann wieder auf über eine Mio. gestiegen: „Wir haben gute Geschäfte gemacht.“ Pikantes Detail: Bei Verhandlungen mit Banken zog man das Depot ausgerechnet bei dem Geldinstitut ab, das auch Zustifter ist und einen Sitz im Kuratorium hat, und verlagerte es zu einer anderen Bank.

Wie schwierig es ist, heute Geld gewinnbringend anzulegen, weiß jeder. Dennoch gibt es in der Stiftung offenbar unterschiedliche Einschätzungen über Anlageform und Risiko. „Man muss sehen, welche anderen Möglichkeiten der Geldbeschaffung es noch gibt“, sagt Helga Künzel vom Stiftungs-Vorstand. Um das Stiftungskapital zu erhöhen, könne man sich auch um neue Zustifter bemühen.

Doch heute Abend steht erst mal die Wahl des kompletten Vorstandes des Förder- und Trägervereins an, der 1983 gegründet wurde, und dem Werner Bungert 30 Jahre lang angehörte: „Es fällt mir schwer.“

 
 

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