Erste Kinderberufsmesse

Kinderberufsmesse: Aras al Jundi (9. Klasse) im Gespräch mit Wolfgang Becker (KFZ Mechaniker Meister). Foto
Kinderberufsmesse: Aras al Jundi (9. Klasse) im Gespräch mit Wolfgang Becker (KFZ Mechaniker Meister). Foto
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim..  Der Begriff „Kinderberufsmesse“ hat im ersten Moment etwas Irritierendes. Nein, der Kinderschutzbund und die Behörden in Mülheim müssen nicht wegen der Förderung der Kinderarbeit einschreiten. Andererseits ist so ein Angebot auch nicht für Erwachsene gedacht, die beruflich mit den Kleinsten zu tun haben.

Die Max-Kölges-Schule, städtische Hauptschule in Eppinghofen, hat jetzt erstmals eine solche Messe angeboten – für ihre Schüler. Als Teil der Berufsorientierung will man schon Fünftklässler an die Arbeitswelt heranführen. Verschiedene Berufe stellten Branchen-Vertreter vor. „Es ist wichtig, dass die Kinder sich so früh ausprobieren können“, findet Jutta Kroch. Die Krankenschwester der Firma Behmburg zeigte mit einer Kollegin, wie Verbände angelegt werden, Kanülen gesetzt oder Spritzen gegeben werden – an einer Apfelsine und mit Wasser.

Ein Lob spricht auch Sven Meyer von der Dachdecker- und Zimmerer-Innung aus: „Diese Schüler waren sehr interessiert – und sie haben auch uns und unsere Arbeit hinterfragt“, sagt er und entkräftet damit auch ein Vorurteil gegenüber Hauptschülern. Zehn bis 15 Ausbildungsplätze böten die Mitgliedsfirmen der Innung laut Obermeister Kurt Essers jedes Jahr an.

Schön und gut, mag mancher denken, es heißt zwar „früh übt sich“, aber müssen Kinder bereits im so jungen Alter mit dem Ernst des Lebens konfrontiert werden?

„Ja, aber betont spielerisch“, sagt Schulleiterin Gabriele Klar. In den Räumen ihres Hauses herrschte da schon reges Treiben: In der Schulküche buken und verzierten Mädchen Amerikaner; im Treppenhaus wurde geschreinert oder mit der Laubsäge hantiert; und in der Aula zeigte die Dachdecker- und Zimmerer-Innung wie man aus Schieferplatten mit dem Hammer Herzen schlägt. Und das war nur eine kleine Auswahl der rund 25 Stationen, die die Mädchen und Jungen abarbeiten konnten. „Wir wollen die Kinder neugierig machen und fördern“, betont Klar. Bereits früh mit der Berufsorientierung anzufangen, sieht sie als Vorteil: „Die Mädchen und Jungen sind noch nicht in der Pubertät und lassen sich noch für solche Angebote begeistern.“ Kinder sollen dabei eigene Talente und Fähigkeiten entdecken. Erfolge mit dem schuleigenen Konzept der Berufsorientierung kann Klar vorweisen: Viele Schüler, nach eigenen Angaben 64 Prozent, erhalten eine Lehrstelle.

Als Werbung in eigener Sache geht daher der zweite Teil der Kinderberufsmesse am heutigen Montag über die Bühne. Dazu hat Klar auch vierte Klassen der Grundschulen eingeladen.

 
 

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