Erste Anzeige erstattet im Mülheimer Schulstreit

Deike Frey
Die Gustav-Heinemann-Schule in Mülheim.
Die Gustav-Heinemann-Schule in Mülheim.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
  • Frustrierter Dümptener liefert sich Schlacht mit Behörden und Gerichten
  • Sein Sohn soll auf keinen Fall Schüler der Gesamtschule Saarn werden
  • Der Kommunale Soziale Dienst ist mittlerweile eingeschaltet

Mülheim. Eine erbitterte Schlacht mit Behörden und Gerichten liefert sich seit Monaten Ihsan Kersikoglu, der frustrierte Dümptener, der um jeden Preis erreichen möchte, dass sein Sohn auf die nahegelegene Gustav-Heinemann-Schule gehen darf und nicht zur Gesamtschule Saarn fahren muss. Zu seinem verbissenen Kampf gehört es, Medien aller Art einzuschalten.

Mehrfach haben TV-Sender die Story aufgegriffen. Und dadurch für Unruhe an der Dümptener Gesamtschule gesorgt: „Durch die ständige Belagerung von ihm, dem Sohn und den Kamerateams“, so Stadtsprecher Volker Wiebels, „fühlt sich die Schulgemeinde mittlerweile belästigt bis bedroht.“ Es habe bereits eine Anzeige gegen Unbekannt gegeben; die nicht identifizierbaren Fernsehleute hätten „den Schulbetrieb beeinflusst“.

Der erste Schultag nach den großen Ferien war Mittwoch, der 24. August. Der Sohn von Kersikoglu hat mit dem heutigen Tag bereits sechs Wochen Unterricht verpasst. Und es steht zu befürchten, dass weitere Tage ins Land gehen, bevor der Zehnjährige ein normaler Schüler sein wird. Der Vater gibt nicht nach, die zuständige Bezirksregierung greift (noch) nicht ein. Da man „kurzfristig“ die Entscheidung des Gerichts erwarte, werde man diese abwarten, teilte Pressesprecherin Dagmar Groß am Dienstag mit. Ob das Verwaltungsgericht Düsseldorf, das in mehrfacher Hinsicht mit dem Fall befasst ist, allerdings tatsächlich bald entscheidet, ist indes unsicher. Sprecher Dr. Christoph Schulte-Bunert geht von „rund vier Wochen“ aus, die es wohl dauert, bis Entscheidungen fallen. Es gebe auch andere Verfahren mit Dringlichkeit.

Vier Verfahren am Gericht anhängig

Mit der ersten Klage, die Kersikoglu vor Wochen eingereicht hat, wehrt er sich gegen die Nichtaufnahme an der von ihm begehrten Schule. Mit dem entsprechenden Eilverfahren ist er allerdings bereits gescheitert. Mit der zweiten Klage, die Ende September eingegangen ist, geht er gegen den Bescheid der Bezirksregierung vor, die seinen Sohn der Gesamtschule Saarn zugewiesen hat – und zwar ab sofort. Auch hier ist ein Eilverfahren anhängig, mit dem er sich „gegen die unmittelbare Vollziehung des Bescheides“ wehrt, so Schulte-Bunert. Der Gerichtssprecher ist übrigens der Auffassung, dass der Junge aktuell zur Schule gehen muss, „so lange, bis das Eilverfahren geklärt ist“. Die Bezirksregierung aber will, wie gesagt, erst einmal weiter warten, bis sie Maßnahmen ergreift.

An der Gustav-Heinemann-Schule sieht man die Sache unterdessen von Tag zu Tag kritischer, berichtet Volker Wiebels. Der Medienrummel und Kersikoglus häufige Präsenz nerven: „Es wird teilweise überhaupt keine Rücksicht genommen auf Persönlichkeitsrechte von Lehrern und Schülern.“ Und so behalte man sich vor, „im Einzelfall Anzeige gegen ihn zu erstatten und die Polizei zu rufen“.

Kommunaler Sozialer Dienst ist auch eingeschaltet

Beim Kommunalen Sozialen Dienst denke man derweil intensiv darüber nach, ob Kersikoglus Verhalten möglicherweise das Wohl des Kindes gefährdet. „Wir prüfen das derzeit, in enger Absprache mit der Bezirksregierung“, so Wiebels.