Enver Sen hat den Integrationsrat verlassen

Lange war er die dominante Figur im Mülheimer Integrationsrat. Das Foto vom 17. Mai 2014 zeigt Enver Sen (Mitte) bei einer Podiumsdiskussion mit Staatssekretär Thorsten Kuhle (re.) und Sozialdezernent Ulrich Ernst.
Lange war er die dominante Figur im Mülheimer Integrationsrat. Das Foto vom 17. Mai 2014 zeigt Enver Sen (Mitte) bei einer Podiumsdiskussion mit Staatssekretär Thorsten Kuhle (re.) und Sozialdezernent Ulrich Ernst.
Foto: WAZ FotoPool
Fast zwei Jahrzehnte lang war er Vorsitzender, zuletzt nur noch einfaches Mitglied. Nach der enttäuschenden Wahl 2014 habe er nur noch „ausgeharrt“.

Mülheim. Wer mag, kann es als Ende einer Ära bezeichnen: Enver Sen, langjähriger Vorsitzender, zuletzt nur noch einfaches Mitglied des Mülheimer Integrationsrates, hat bereits am 15. Dezember mit sofortiger Wirkung auf sein Mandat verzichtet. Nach dem Vorschlag für die Reserveliste wird Mevlüt Bildik für ihn nachrücken.

Öffentlich breiter bekannt wurde der Ausstieg des 64-jährigen SPD-Mannes nun durch eine Mitteilung von Lothar Reinhard, der dem Integrationsrat als Vertreter der MBI ebenfalls angehört, und Enver Sen als „schmollenden vormaligen Vorsitzenden“ bezeichnet. Reinhard interpretiert dessen Rückzug als Reaktion auf die gescheiterten Versuche der SPD, die jetzige Vorsitzende Emine Arslan abzuwählen. Ein entsprechender Antrag, begründet vor allem mit einer vermuteten Nähe Arslans zur rechtsgerichteten Organisation UETD, war in der Sitzung am 6. November mit elf von 18 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt worden.

Wahlbeteiligung "enttäuschend"

Dem Integrationsrat gehören insgesamt 24 Mitglieder an, darunter 16 gewählte Vertreter mit Migrationshintergrund. Bei der letzten Wahl am 25. Mai 2014 hatte die Liste von Enver Sen nur noch zwei Sitze erhalten, so dass er nach beinahe zwei Jahrzehnten als Vorsitzender nicht wiedergewählt wurde. Die Wahlbeteiligung war auf 17,1 Prozent gesunken. Gefragt nach den Gründen für seinen Rückzug, erklärte Sen am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung, er sei beim letzten Mal „von den Wählern nicht mehr bestätigt worden“ und habe sich sofort zum Verzicht auf sein Mandat entschlossen, zunächst aber „ausgeharrt“, weil ihm signalisiert worden sei: „Wenn ich austrete, würden einige andere mir folgen.“

Er sei jedoch den Sitzungen fern geblieben, damit „Dinge, die nicht liefen, nicht mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden“. Die Wahlbeteiligung fand er „enttäuschend“, sie werde sich aber auch künftig nicht mehr verbessern. Grundsätzlich betont Sen aber, dass der Integrationsrat ein wichtiges Gremium sein. Er persönlich, der als Ratsherr für die SPD im Stadtparlament sitzt, wolle nun seinen Schwerpunkt auf die Parteipolitik legen.