Entwurf für Mülheims Nahverkehrsplan liegt vor

Der Entwurf für das künftige ÖPNV-Netz steht. Nun sind die Politik und noch mal die Bürger gefragt.
Der Entwurf für das künftige ÖPNV-Netz steht. Nun sind die Politik und noch mal die Bürger gefragt.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA

162 Seiten sind es geworden: Der Gutachter-Entwurf für den Mülheimer Nahverkehrsplan liegt vor – und wird kommenden Donnerstag in einer öffentlichen Sondersitzung des Mobilitätsausschusses in die politische Diskussion eingebracht. Hier die wesentlichen Änderungen, die den Gutachtern und der Stadt als MVG-Mutter vorschweben.


Straßenbahn: Im Juli 2014 soll das Netz umstrukturiert werden. Die Linie 110 (Friesenstraße in Styrum bis Hauptfriedhof) steht auf der Streichliste, soll aber durch einen Bus ersetzt werden, der Raadt über das Rumbachtal und die Innenstadt mit Styrum verbindet. Die 112 soll künftig über den Kaiserplatz hinaus bis zum Hauptfriedhof rollen. Die 104 soll ab Stadtmitte einen neuen Weg über die Wertgasse (Ev. Krankenhaus) zum Hauptfriedhof nehmen. Zum Flughafen soll keine Bahn mehr fahren, bekannt ist aber das Veto der Bezirksregierung in dieser Frage. Ausgang offen.

Insgesamt will die Stadt pro Jahr knapp 400 000 Straßenbahn-Kilometer weniger fahren (-18,3 %). Dazu beitragen soll auch eine Fahrplan-Ausdünnung auf den Linien 102 (Uhlenhorst-Oberdümpten) und 104 (Grenze Borbeck - Hauptfriedhof). Die Linie 102 soll nur noch zwischen 6 und 9 Uhr im Zehn-Minuten-Takt rollen, ansonsten alle 15 Minuten.

Ganz frisch diese Überlegung: Die 104 soll ab Juli 2015 zwischen Wertgasse und Hauptfriedhof nur auf jeder zweiten Fahrt verkehren. Um dies zu ermöglichen, soll südlich der Wertgasse ein Kehrgleis gebaut werden. Mit diesem Plan geht die Stadt womöglich erneut auf Konfrontationskurs mit der Bezirksregierung. Diese hatte beim ursprünglichen Plan der Stadt, die 104 komplett an der Wertgasse enden zu lassen, angedroht, Fördermittel in Millionenhöhe zurückzufordern, die vor nicht allzu langer Zeit in der Innenstadt verbaut worden sind.


Bus: Bei den Buskilometern will die Stadt draufsatteln, knapp 3,1 Millionen sollen es künftig sein (+6,5 %).

Kritik bei Bürgern erfährt insbesondere der Plan, die Direktverbindung zwischen Innenstadt und Menden bzw. Kettwig über die Linie 151 künftig nicht mehr anzubieten. Widerstand wird laut an etlichen Punkten entlang der Strecke, von Schulen, Senioreneinrichtungen und Mendener Bürgern, die sich abgeschnitten fühlen. Die nördliche Route der 151 nach Winkhausen (Gustav-Heinemann-Schule) soll indes weiter bedient werden, sie soll an die Linie 131 (Saarn – Hbf.) angedockt werden. Auch Mintard soll seine Direktverbindung zur Innenstadt einbüßen, ein Umstieg in Saarn oder ­Broich (Bahn 102) soll nötig werden. Die Mintarder Linie soll über Saarn, Broich und Speldorf zum Hafen geführt werden.

In ihrer Arbeit für den Nahverkehrsplan haben die Gutachter wesentliche Zielsetzungen verfolgt und Vorgaben berücksichtigt, hier ein Überblick:

Betriebszeiten: Klare und einheitliche Betriebszeiten, so die Gutachter, sorgen für Klarheit im ÖPNV-Angebot. Das haben sie sich zur Maxime gemacht. An sämtlichen Tagen sollen künftig alle Busse und Bahnen in einem einheitlichen Zeitrahmen verkehren.
Weniger Parallelverkehr: An zu vielen Stellen, so haben die Gutachter festgestellt, nimmt parallel fahrender Busverkehr heute den Mülheimer Straßenbahnen Fahrgäste weg. Das wird sich in Zukunft nicht wesentlich ändern. Die neue Buslinie 130 wird aber aus genau diesem Grund nicht parallel zur Straßenbahn 112 die Kaiserstraße hinuntergeführt, sondern über die Holthauser Höfe und das Rumbachtal.
Sparziel: Politische Vorgabe für die Gutachter war eine strukturelle Einsparung bei der hoch defizitären MVG (-29 Mio. Euro) um dauerhaft 2 Mio. Euro. Mit ihrem Linienkonzept glauben die Gutachter eine Einsparung von 1,42 bis 1,84 Mio. Euro erzielen zu können.
Barrierefreiheit: Bis 2022, so schreibt es das Gesetz vor, müssen alle ÖPNV-Haltestellen barrierefrei sein – eine Mammutaufgabe für die Stadt. nach Prioritätenliste soll der Umbau zunächst an Umsteigepunkten realisiert werden. Eine diesbezügliche Planung soll Ende 2014 stehen. Bis 2017, so heißt es im Entwurf, soll der Zentrale Omnibusbahnhof am Hauptbahnhof an die Erdoberfläche geholt werden.
Auch oben auf der Prioritätenliste: die Haltestellen am Hauptfriedhof, am Heuweg/Waldschlösschen und an der Nordstraße.

 
 

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