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Engagement mit Vollgas

Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool
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Daniel Rauh und Christiane Welzel suchen Sponsoren, um Geld für die Aktion Herzenswünsche einfahren zu können
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Mülheim.. Manchmal kann man die Dinge nicht ändern. Aber man kann sie erträglicher machen. Das weiß Christiane Welzel genau. Die 37-Jährige sitzt in dem Laden ihres Freundes Daniel Rauh in Saarn und ihr Blick zeigt die tiefe Entschlossenheit eines Menschen, der immer mehr kämpfen musste als viele andere.

Hinter Christiane Welzel steht ein Rennmotorrad. Ein rund 130 PS starker Bolide auf zwei Reifen, der gerade mal etwas mehr als 160 Kilogramm wiegt. Auf sattem Rot sind Teddybären gemalt, die einen gelben Papierdrachen hinter sich her ziehen und Fußball spielen. Auf der Schnauze des Motorrades steht gut sichtbar der geschwungene Schriftzug „Herzenswünsche“. So heißt ein Verein aus Münster, der schwer kranken Kindern und Jugendlichen ihre sehnlichsten Träume erfüllt. Das liebevoll bemalte Kraftpaket soll bald Siege einfahren. Und damit einen Verein unterstützen, von dem Welzel sagt, dass er Lichtblicke schafft. Sie muss es wissen.

Seit ihrer Geburt leidet sie unter Mukoviszidose, einer schweren Stoffwechselerkrankung, die besonders die Lunge angreift. Zeit ihres Lebens muss die Mülheimerin Medikamente nehmen, damit ihr die Krankheit nicht die Kraft, die Luft zum Atmen nimmt. Vor neuneinhalb Jahren wurde ihr eine neue Lunge transplantiert. Besiegen kann sie diese Krankheit nicht. Ein Kampf, der den Alltag bestimmt. Ein steter Kreislauf aus Medikamenten, Therapien, Operationen. Den „Herzenswünsche“ durchbricht. Ob durch ein Treffen mit Schlagerstars, Sportgrößen oder Schauspielern, ob Urlaube oder Konzertbesuche.

Daniel Rauh ist Motorradmechaniker. Den Laden an der Kölner Straße hat er vor rund zwei Jahren übernommen. Er repariert dort Privatmaschinen. Außerdem ist er als Mechaniker in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) unterwegs. Im vergangenen Jahr begleitete Christiane Welzel ihren Freund zu einem Rennen im niederländischen Assen. Und was sie dort sah, machte sie neugierig: „Dort fuhr ein Team für krebskranke Kinder.“

Es war eine Art Initialzündung für die 37-Jährige, die sich sofort erinnerte. An die Momente, in denen sie ihre Krankheit hinter sich ließ. Und es ihr so vorkam, als könne Sie sie einfach ausziehen wie eine abgetragene Jacke.

Eine schwere Krankheit ist wie in ein durchsichtiger Tunnel. Man läuft allein durch ihn hindurch, während Freunde und Familie zusehen und nebenher laufen. Sie sind immer bereit zu helfen. Doch durch den Tunnel muss man allein gehen. „In der Familie sind alle gesund“, sagt Welzel. Es ist kein Vorwurf, nur eine Verdeutlichung dessen, was gesunde Menschen kaum verstehen können. Dass neben der faktischen Krankheit die einfache Erkenntnis auf der Seele lastet, dass eben nie irgendetwas normal laufen wird. Zweimal konnte Christiane Welzel durch Herzenswünsche mit einer Freundin in Urlaub fahren. Einmal nach Teneriffa und einmal auf die Aida.

Sie beschreibt die Reisen wie einen Schleier, der sich für kurze Zeit auf die Gedanken legt. „Man vergisst dann einfach, dass man krank ist“, sagt sie nur. Eine Arznei, die kein Arzt verschreiben und keine Apotheke vertreiben kann. Auf die aber viele junge Menschen angewiesen sind. „Und ich wollte irgendwie etwas zurückgeben.“

Zunächst sollte das Motorrad nur auf Messen ausgestellt werden und die Besucher auf den Verein aufmerksam machen. Dann wuchs der Wunsch, ein ganzes Rennteam zu formen. In der IDM-Klasse Supersport soll die Maschine starten, pro Rennsieg winken dort etwa 750 Euro. Der Meistersieg ist sogar 3000 Euro wert. Das Geld soll dem Verein zugute kommen. Das Problem: Für den Start in der Serie muss das „Rennteam Herzenswünsche e.V.“ einen hohen Preis zahlen: „Für eine Saison brauchen wir mindestens 70 000 Euro“, sagt Christiane Welzel. Einzig, um mitfahren zu können. 16 Rennen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden stehen auf dem Programm. Unterkünfte, Verpflegung und Material für sechs Monate muss das Team dann bezahlen. Und bis Februar muss die Finanzierung abgeschlossen sein.

Sie wussten von Anfang an, dass es schwierig werden würde. Gleichzeitig konnten sie sich aber auch nicht richtig vorstellen, dass man ihnen ihren Wunsch verwehren würde. Mit einem fertigen Konzept machten sich Christiane Welzel und Daniel Rauh deshalb auf den Weg in Richtung Osten, um einem Zulieferer für Ersatzteile ihre Idee vorzustellen. Als sie wieder in Mülheim waren, kam der Anruf. Aus dem Sponsoring wurde nichts. „Als Autorennteam wäre es deutlich einfacher“, sagt Daniel Rauh nur zu dieser Sequenz.

Mittlerweile aber bekommt das Programm doch zaghaften Schwung. Allerdings fehlt immer noch der Großteil des Geldes, um die Saison zu finanzieren. Die Siegprämien stehen zwar in keinem Verhältnis zu dem finanziellen Aufwand, den das Team im Vorfeld betreiben muss, um überhaupt mitfahren zu können. Das weiß auch Welzel. Aber: „Solange es hilft, den Verein bekannt zu machen, ist es das wert“.

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Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.