Endstation Baustelle

Steffen Tost
Wo bitte geht’s zum Ruhrtalradweg? Seit gestern ist die Umleitung ausgeschildert.
Wo bitte geht’s zum Ruhrtalradweg? Seit gestern ist die Umleitung ausgeschildert.
Foto: NRZ
  • Radlergruppe strandet auf dem Ruhrtalradweg vor einem geschlossenen Tor in Styrum
  • Baustellenmanagement für Radler schon seit langem ein Manko
  • Heute beginnt bundesweit der Fahrradklimatest

Mülheim. Der Ruhrtalradweg ist einer der beliebtesten Fernradwege in der Bundesrepublik, der hunderttausende Radler für Tagesausflüge und mehrtägige Touren anlockt. Die meisten dürften ortsunkundig sein und daher bei Sperrungen auf Umleitungen angewiesen sein. Fehlt ein Schild, ist das für die Einheimischen kein Problem, für Touristen dagegen ein großes Ärgernis.

Seit einigen Tagen ist der Verbindungsweg zwischen Blauer Brücke und Aquarius wegen Kanalbauarbeiten für den Erweiterungsbau von Aldi-Süd gesperrt. Dort wusste an vergangenen Wochenende eine elfköpfige Gruppe nicht weiter, die sich direkt beim Oberbürgermeister beschwerte, aber vermutlich auch zahlreiche andere Orientierungslose.

Denn die mit der Stadtverwaltung abgesprochene Umleitungsbeschilderung fehlte ganz oder war – aus welchem Grund auch immer – lückenhaft. Eigentlich ist es nur ein kleiner Bogen um das Medl-Gelände, „aber die Stelle haben wir nicht gefunden“, erzählt Jörg Brinkmann, Sprecher des Essener ADFC, der die Gruppe führte.

Was die Teilnehmer besonders ärgert, war der Hinweis auf die Beendigung der Bautätigkeit am 26. August. Das wäre tags zuvor gewesen. Kann natürlich sein, dass die Arbeiten länger dauern als gedacht, kann aber auch eine Ignoranz zum Ausdruck bringen: Sind ja nur Radfahrer!

Diese Haltung hat der ADFC in der Vergangenheit schon öfter beklagt, auch in Mülheim. Häufiger machen es sich die Bauunternehmen einfach und man stößt an Baustellen auf die Aufforderung: „Radfahrer absteigen!“ Die „Führung an Baustellen“ war beim Fahrrad-Klimatest vor zwei Jahren auch ein großes Manko.

Noch Luft nach oben

Nach Schulnoten bewertet schnitt Mülheim bei diesem Punkt mit 4,9 ab, bei einem Durchschnitt von 3,9. Jetzt können alle beim neuen Fahrrad-Klimatest des ADFC mitmachen, der heute bundesweit startet: www.fahrradklima-test.de. Bis zum 30. November können Interessierte einen Fragebogen ausfüllen und Politik und Verwaltung damit Hinweise auf Probleme geben sowie auf Besserung drängen. Bei den Fragen geht es um Sicherheit, Komfort und die Qualität der Infrastruktur, aber auch um klimatische Faktoren, etwa dem Miteinander zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern. Werden Radwege zugeparkt, ahndet das die Verwaltung, wie gut sind die Ampelschaltungen und die Radwege, gibt es ausreichend viele und gute Ständer? Das wird gefragt.

2014 haben 150 Mülheimer mitgemacht, so viele wie zwei Jahre zuvor. Mit dem 20. Platz von 37 bundesweit und dem 7. von 13 landesweit in der Größenklasse gibt es noch Luft nach oben. Ändert der Radschnellweg schon etwas an der Einschätzung?

Und der Ruhrtalradweg? Helmut Voß, Fahrradbeauftragter der Stadt, hat Kontakt mit der Baufirma aufgenommen. Die fehlenden Schilder wurden aufgestellt. Wer die Strecke abfährt, stellt fest, dass auf dem Weg wirklich Betrieb ist.