Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Steffen Tost

Der Aufruf über Facebook, Flüchtlinge in Mülheim zu unterstützten, stößt auf eine Welle der Hilfsbereitschaft, die selbst den Initiator Reinhard Jehles überrascht. Inzwischen haben sich gut 150 Personen bei der Initiative Willkommen in Mülheim gemeldet. „Und kontinuierlich werden es mehr.“ Wie viele Sachspenden er angeboten bekam, kann der 62-Jährige schon gar nicht mehr überblicken. „Ich muss schon bremsen“, sagt er, „die erste entscheidende Hürde haben wir aber schon dank der NRZ geschafft.“ Auf unsere Berichterstattung hin hatte sich Ileane Bichler bei ihm gemeldet und ihm angeboten, die Spenden bei ihr in der leerstehenden Gastronomie an der Boverstraße in Dümpten zu lagern. Jahrelang hat sich Ileane Bichler für die Tschernobyl-Initiative engagiert, jetzt möchte sie die „Wim“ unterstützen, da auch hier Kinder in Not Hilfe brauchen, was ihr eine besonderes Anliegen ist.

In der Gaststätte will Jehles nun eine Art Kaufhaus einrichten. Die Idee: Jeder Flüchtling erhält von der Initiative ein Begrüßungsgeld in Form von Wertmarken. Dafür kann er sich im Kaufhaus das aussuchen, was er braucht, vor allem Kleidung, Haushaltsgeräte und Spielsachen. Wer Möbel zu vergeben hat, wird dagegen an das Diakoniewerk Arbeit & Kultur in der Georgstraße verwiesen. Das Ziel ist es, dieses Warenhaus an drei Tagen in der Woche und an einem Tag am Wochenende zu betreiben. Wie der Betrieb genau funktioniert, hängt auch an der Zahl der Unterstützer.

Noch weitere Dinge haben innerhalb weniger Tage großen Schwung bekommen. In Kürze soll unter der Adresse wim.ruhr eine Seite an den Start gehen. Die Motive auf der Seite stammen von Klaus D. Schiemann. Sie soll als Plattform all jenen dienen, die ihre Hilfe anbieten wollen oder Informationen benötigen.

Auf der Startseite sind alle Gruppen und Initiativen aufgelistet, die sich für die Flüchtlinge engagieren, von den karitativen Organisationen über das Centrum für bürgerschaftliches Engagement bis hin zu den Ansprechpartnern der Stadt. Erarbeitet hat die Seite recall new media zum Nulltarif. Da voraussichtlich zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien kommen, gibt es die Informationen zusätzlich auf Arabisch. Inzwischen gibt es auch eine arabische Tastatur, einen Übersetzer und das nötige Wissen. Auf Facebook ist die Wim derzeit eine geschlossene Gruppe, um sich vor unangemessenen Kommentaren zu schützen. Zugang erhält man nur nach Anmeldung bei Reinhard Jehles.

Um die Initiative bekannter zu machen und etwas Geld in die Kassen zu bekommen, werden voraussichtlich ab Mitte der Woche in der Galerie 17 an der Wallstraße Tassen und T-Shirts verkauft, die mit dem Logo bedruckt sind, das Peter-Torsten Schulz zur Verfügung gestellt hat. Die 150 Folien die auf die Tassen gedruckt werden, kommen zum Nulltarif von einem Geschäftspartner Jehles’ aus Oberfranken. 100 T-Shirts bedruckt die Firma Blueprint.

Ansonsten gibt es schon eine ganze Liste von Ideen, was den Flüchtlingen angeboten werden kann, von der Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen bis hin zu sportlichen Aktivitäten.