Eine Reise zu sich selbst

„Abgefahren“ heißt das Buch, das Susanne Storck über ihre Reise geschrieben hat.
„Abgefahren“ heißt das Buch, das Susanne Storck über ihre Reise geschrieben hat.
Foto: NRZ
Susanne Storck war neun Wochen lang mit dem Fahrrad unterwegs und legte über 2716 Kilometer zurück. Sie war mit nur 400 Euro gestartet. Zwischendurch arbeitete sie für Kost und Logis. Sie hat daraus ein Buch gemacht, aus dem sie in der Buchhandlung Fehst liest: Dienstag, 5. Juni, 19.30 Uhr.

Mülheim.. Mal ein paar Wochen lang einfach so in den Tag hinein leben, ganz ohne Zeitdruck und Termine sein – in Susanne Storck reift dieser Wunsch über eine längere Zeit. Schließlich fasst sie einen Entschluss: Ich nehme eine Auszeit. Für neun Wochen verabschiedet sich die NRZ-Redakteurin von ihrem Job, den Kollegen, von Freunden und Verwandten und macht sich auf den Weg. Wohin? An den Bodensee und wieder zurück. Wie? Mit dem Fahrrad. Womit? Mit Schlafsack, Isomatte, Kleidung und 400 Euro Bargeld in der Tasche. Die EC-Karte bleibt zu Hause in Mülheim. „Es war kein Aussteigertrip. Ich wollte wissen, wie weit ich komme.“ 2716 Kilometer liegen vor ihr, als sie an einem Vormittag im Juni 2007 losradelt.

Bis Düsseldorf begleitet sie ein Freund, der dort auch wohnt. Die erste Übernachtung ist also geregelt. Dann endet das betreute Radfahren, es geht allein weiter und ohne Schlafplatzgarantie. Also, Adieu Thomas, das Abenteuer kann beginnen.

Angstmoment im Regen

Was folgt, sind viele Begegnungen mit freundlichen Menschen, aber auch die Erfahrung schroffer Abweisung, sind neue Eindrücke, neue Einsichten. Auch Befürchtungen: Finde ich heute einen Schlafplatz? Gibt mir jemand Arbeit gegen freie Kost und Logis? Schaffe ich die nächste Etappe? Wie wird das Wetter? Halte ich überhaupt durch?

Angst hatte sie eigentlich nur einmal. „Es war bei Bingen am Rhein. Es war schon spät. Ich hatte keine Unterkunft. Und dann regnete es plötzlich wie aus Kübeln. Es hörte gar nicht mehr auf.“ Ihr fällt ein, dass sie an einem Unterstand vorbeikommen war. Also, ab aufs Rad und zehn Kilometer zurück. Im Unterstand trifft sie auf zwei Männer. Sie sprechen russisch miteinander. Bleiben? Weiterfahren? Sie bleibt, macht in der Nacht kaum ein Auge zu. Am Ende stellt sich heraus: Die beiden Männer sind friedliche Angler.

An der Klosterpforte schroff zurückgewiesen

Es wird nicht die letzte Nacht im Freien bleiben. Doch immer wieder findet sie auch Arbeit und Logis: zum Beispiel bei einem Zucchini-Bauern. „Die Ernte war körperlich knallharte Arbeit. Da hab ich am Ende des Tages gewusst, was ich getan habe.“ Abgewiesen wird sie eigentlich nur einmal. In Speyer.

„Ich fragte bei den Kirchen, ob ich was arbeiten kann, für eine Übernachtung mit Frühstück.“ Ohne Erfolg. Auch an eine Klosterpforte hat sie geklopft. Und? „Es hieß, die zuständige Nonne sei nicht da. Und dann war die Tür auch schon wieder zu. Da war ich echt perplex.“ Sie schimpft los, was wiederum zwei Speyerinnen hören. „Die luden mich erst mal zum Essen ein und für eine Nacht konnte ich bei denen sogar wohnen.“

"Ich lasse mich mehr aufs Leben ein"

Am 23. Tag ihrer Tour erreicht sie den Bodensee und hat ein tolles Gefühl, es bis hier in geschafft zu haben. Was folgt sind eine Höllentour durchs Allgäu, Sightseeing in Rothenburg ob der Tauber, ein Abstecher nach Thüringen, schließlich das Erreichen des Ruhrtalradwegs im sauerländischen Olsberg. Reich beschenkt mit Begegnungen, Überraschungen und Anstrengungen kommt sie am 2. August wieder in Mülheim an. Knusperbraun, durchtrainiert und sechs Kilo leichter.

Hat die Reise sie auch innerlich verändert? „Ich lasse mich mehr aufs Leben ein. Ich nehme mir mehr Zeit für Dinge, die mir wichtig sind. Und ich gehe anders mit Lebensmitteln um, weil ich weiß, wie schwer es ist, sie zu ernten.“

EURE FAVORITEN