Eine Reise mit Sinn

Mit "Sinn" von Anja Hilling hatte das Junge Theater beim Publikum und der Kritik Erfolg.
Mit "Sinn" von Anja Hilling hatte das Junge Theater beim Publikum und der Kritik Erfolg.
Foto: NRZ
Das Junge Theater reist morgen in die französische Partnerstadt Tours, um dort das Stück von Anja Hilling zu spielen und einen Theater-Workshop anzubieten. Für viele ist es nach fünf Jahren auch eine Abschiedsreise.

Mülheim.. Das Theater an der Ruhr ist auf Reisen angelegt, auch das Junge Theater. Theaterpädagoge Bernhard Deutsch würde mit seinen Jugendlichen gerne Reisen in den Irak oder den Iran unternehmen, doch dazu reicht das Geld nicht. Aber auch die Aussicht, in Tours Theater zu machen, begeistert die Jugendlichen schon ganz enorm. Schon einmal waren sie in der Partnerstadt an der Loire.

Unvergessliche, intensive Tage

Organisatorisch ging bei dem Gastspiel vor zwei Jahren zwar einiges schief, aber der Aufenthalt schweißte das junge Ensemble zusammen. Ella Posny erinnert sich an unvergessliche, intensive Tage, an jede Menge Spaß, an die langen und fruchtbaren Diskussionen und eben auch einige Rückschläge, die dennoch eine wichtige Erfahrung bedeuteten.

Heute fahren die 16 Jugendlichen wieder nach Frankreich und wieder markiert die Fahrt einen Wendepunkt. Die Gruppe des Jungen Theaters, deren Kern seit fünf Jahren zusammen ist, löst sich in dieser Form auf, weil sich nach dem Abitur die Wege trennen. Aber es werden jüngere nachrücken. So wird die Frankreichreise zur Abschiedsfahrt. Damit alles reibungslos funktioniert, ist Bernhard Deutsch schon einmal hingefahren und hat in Tours in zwei Tagen 30 Termine absolviert an Schulen und Institutionen, die die Fahrt unterstützen, hat Flyer und Plakate verteilt.

Auftritt in einer gotischen Kirche

Das Ensemble spielt wieder "Sinn" von Anja Hilling, das sie nach einjähriger Pause wieder aufgenommen haben, nachdem sie eine Anfrage für ein Festival der Sinne in Süddeutschland hatten. Spielen werden sie in einer gotischen Kirche mit 250 Plätzen. Ob die bei der positiven Resonanz, die Deutsch gespürt hat, ausreichen werden, scheint zweifelhaft. Der Theaterpädagoge ist optimistisch, das diese Reise erst den Anfang für einen intensiveren Theateraustausch markiert.

Die spielerfahrene Gruppe bietet einen viertägigen Workshop für französische Schüler an. „Geplant hatten wir 15 Plätze, angemeldet haben sich 100“, erzählt Deutsch. Bei seiner Vorbereitungsreise beeindruckte es ihn, wie intensiv sich die Schulen mit Theater beschäftigten aber auch wie viele deutsche Autoren im Original gelesen werden.

Teilnehmerplätze verdoppelt

Inzwischen haben sie die Teilnehmerplätze verdoppelt und gehen an einem Tag noch in eine Schule. „Wir werden viel Körpertraining machen, Pantomime und studieren kleinere Szenen von Sartre, Camus, Proust sowie von Büchner, Handke und Daniil Charms ein“, kündigt Tobias Bergmann an, der einen Workshop leiten wird. Aufgeführt werden sollen die Szenen dann ohne großen Aufwand als Straßentheater.

Deutsch ist froh, dass alle Schulleiter in Mülheim trotz anstehender Klausuren von dem Projekt begeistert waren und den Schülern frei gaben. Der Stress wird für sie nach der Fahrt noch anhalten, denn im Juni stehen zwei Premieren an. Schon ohne Premierenstress treffen sich die Spielwütigen drei Mal die Woche abends zur Probe.

Um intensiver arbeiten zu können, hatte sich die Gruppe schon zu Beginn des Jahres geteilt. „In der großen Runde konnte man sich gut verstecken, war kompromissbereiter und einige kamen nicht so stark aus sich heraus“, sagt Ella Posny.

Von Michael Ende inspiriert

„Ein Labyrinth“ heißt das Stück, das sich die Gruppe unter Leitung von Tobias Bergmann vorgenommen hat. Grundlage dafür war das Buch „Der Spiegel im Spiegel“ von Michael Ende. „Wir haben uns von den Themen inspirieren lassen und oft eigene Texte improvisiert, wobei aber keine zusammenhängende Handlung entsteht“, erzählt Clara Kroneck.

Premiere ist am 19. Juni im Theater an der Ruhr. Die andere Gruppe beschäftigt sich mit Texten von Daniil Charms, einem verfemten russischen Autor, der 1942 während der Belagerung von Leningrad im Gefängnis verhungerte. In seinen Texten voller Absurditäten geht es um Einsamkeit, Zukunftsangst und Einengung. (Premiere: 27. Juni)

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