Ein Wahlkampf, der kaum auffiel

Damals blieben noch viele Leute stehen: Wahlplakat von 1957. Foto: Archiv
Damals blieben noch viele Leute stehen: Wahlplakat von 1957. Foto: Archiv
Foto: Thomas Emons

Mülheim.. Franziska Krumwiede von den Grünen macht an diesem Vormittag Wahlkampf in Heißen auf dem Markt. Es gibt was zu lesen, ein paar Infoblätter mit Argumenten, warum die grüne Welt eine bessere sein könnte. Vor allem junge Frauen griffen zu, zeigten sich interessiert. Viele huschten aber auch nur so vorbei und weg, zurück bleibt die Politik, die in den letzten Zügen des Landtagswahlkampfes 2012 liegt, den eigentlich keiner so recht haben wollte. Der Wahlkampf fällt auch kaum auf. Und es gibt Politiker, die das Gefühl nicht loswerden: „Die meisten Leute wollten nichts hören.“

Schloßstraße, 70 Stunden vor Öffnung der Wahllokale. Von Politik keine Spur. Morgen wird die SPD hier noch einmal eine Bühne aufbauen, wenn der Parteivorsitzende Gabriel kommt. Ob die Menge kommt? Schon der Auftakt mit dem Regierenden Bürgermeister aus Berlin blieb eine Veranstaltung weitgehend ohne Volk.

"Frau Kraft hätte sich in ihrem Wahlkreis stellen sollen"

Großveranstaltungen mit Politikern gab es in Mülheim keine. „Es passt nicht mehr in die Zeit“, meint Arno Klare, Parteigeschäftsführer der SPD, und sieht im Gespräch eins zu eins den eigentlichen Wahlkampf. „Das ist sehr mühsam, und das fällt auch kaum auf, weil es auch sehr kleinteilig von den Ortsvereinen durchgeführt wird.“ Klare ist zufrieden mit dem Wahlkampf, der als kurz und heftig angekündigt worden war, und es auch gewesen sei. Die Resonanz war aus SPD-Sicht sehr positiv. Klare: „Noch nie kamen so viele Menschen zu uns an die Stände, nur um zu sagen, dass sie Frau Kraft wählen.“

Christian Mangen (FDP-Kandidat) stellt zufrieden fest: Die FDP habe immerhin mit Spitzenkandidat Christian Lindner ein Haus gefüllt. Überhaupt habe er an Politik sehr interessierte Leute erlebt. Es habe Tage gegeben, schildert er, da sei er zur Parteigeschäftsstelle gelaufen und habe Nachschub holen müssen. Eines habe ihn jedoch „enttäuscht“: Zum ersten Mal habe es in Mülheim keine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten gegeben. Den echten Austausch von verschiedenen Argumenten hätten die Bürger in Mülheim folglich nicht erleben können. „Frau Kraft hätte sich in ihrem Wahlkreis stellen sollen“, meint Mangen.

Auftritte ohne große Öffentlichkeit

Lohnt sich Wahlkampf? Beim Aufhängen der Plakate komme man am schnellsten mit Bürgern ins Gespräch, berichtet Franziska Krumwiede und meint, jede Stimme zähle, also lohne sich jede Begegnung. „Wir sollten überlegen“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Schmidt, „ob so ein kurzer Wahlkampf nicht ohnehin viel besser ist als jener über Wochen“.

Die CDU hatte durchaus Spitzenleute vor Ort, aber ihre Auftritte liefen ohne große Öffentlichkeit ab: Der Generalsekretär spazierte mit dem örtlichen Landtagskandidaten Heiko Hendriks über den Markt, der Kanzleramtsminister Pofalla traf sich mit einigen CDUlern im Edeka-Markt Paschmann, und Oppositionsführer Laumann will heute im kleinen Kreis mit Krankenhausvertretern reden. Wahlkampf kleinklein.

"Reichen dem Wähler nur bunte Bilder?"

Einen Wert für die Bürger, sagt Schmidt, hätte eine echte Konfrontation der Kandidaten gehabt. Es sei bedauerlich, dass die SPD viel auf Sympathie, wenig auf Inhalte gesetzt habe. „Aber reichen dem Wähler nur bunte Bilder?“

Einer der Mülheimer Politikstrategen meint: „Ehrlich wäre es gewesen, den Leuten zu sagen: Stadt wie Land stecken im finanziellen Elend. Egal, ob das Elend rot, schwarz, gelb oder grün angestrichen ist – es kann nur darum gehen, das Elend gerechter zu verteilen.“ Das wird ab Montag wieder Thema sein.

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