Ein Jazz-Pionier baut Brücken

Die Gründungsbesetzung von „Woodhouse“ (v.l.): Friedrich Karl Feldmann, Helmut Schlitt, Hank Piezk, Günther Nolchen, Fätti Helmut Grüttner.
Die Gründungsbesetzung von „Woodhouse“ (v.l.): Friedrich Karl Feldmann, Helmut Schlitt, Hank Piezk, Günther Nolchen, Fätti Helmut Grüttner.
Foto: NRZ

Mülheim.. Ja, so etwas gibt es auch noch in Mülheim, dass Beschlüsse harmonisch und vielstimmig in den politischen Gremien über die Bühne gehen: Die Brücke zwischen Hauptpost und Hingberg über dem Tourainer Ring wird zur Jazz-Brücke und erhält den Namen „Helmut-Schlitt-Brücke“.

Eine Gedenktafel weist den Weg zum Mülheimer Jazzclub an der Kalkstraße. Alles zu Ehren des Mülheimer Jazzmusikers Helmut Schlitt, der Anfang der 1950er Jahre diesen damals noch unbekannten Rhythmus ins westliche Ruhrgebiet hinaus trompetete. „Ohne ihn würden wir heute noch den Wildecker Herzbuben nachlaufen“, sagt Manfred Mons. „Der hat uns alle zum Jazz gebracht“, betont der engagierte Mitstreiter vom Jazzclub.

Impuls von Mülheim ins Revier

Jazz – das war damals gleichzusetzen mit einem demokratischen Aufbruch im musikalischen Bereich. Denn unter der Nazi-Diktatur waren diese und andere Spielarten aus Amerika und fernen Kontinenten als „Negermusik“ verboten und verfolgt. Und auch noch in der Nachkriegszeit ließen sich Märsche, Heimatlieder und Heile-Welt-Melodien nur schwerlich aus den muffigen Konzertsälen und Wohnzimmern wegpusten.

In dieser Zeit waren es besonders die jazzinfizierten jungen Leute, die mit frischem Wind, Pauken und Trompeten den neuen Takt vorgaben: Von Mülheim aus ging ein starker Impuls ins Revier. Helmut Schlitt war einer, der für diese Sache trommelte. Er gab Unterricht und Kurse, half Schülerbands und unterstützte alle Bestrebungen, den Jazz populär zu machen.

"Woodhouse" - seit 60 Jahren Jazz auf hohem Niveau

In einem Holzhaus gründete Schlitt 1953 Mülheims erste Jazzband und die hieß „Woodhouse“. Nach fast 60 Jahren ist diese Band heute noch spielfreudig wie eh und je. „Wir haben gut zu tun und waren gerade in Stuttgart“, sagt Horst Janßen, Bandleader, Posaunist, Manager, der mittlerweile auch schon im 50. Jahr dabei ist. In diesem Jahr gab’s bereits bejubelte Auftritte wie bei „Jazz am Ring“ in Münster. Tausende Konzerte im In- und Ausland, TV-Auftritte und eine umfangreiche Platten- und CD-Sammlung kann die Band verzeichnen, die sich vornehmlich dem klassischen Jazz und Swing verpflichtet fühlt.

Zur Besetzung gehören auch Waldemar Kowalski (Klarinette und Saxophon), Hinderik Leeuwe (Trompete, Flügelhorn) sowie Andreas Scheel (Bass) und Rolf Drese (Schlagzeug). Der junge Pianist Martin Sasse, der schon mit Sting spielte, und Gastsängerinnen wie Marja Minjoli, die 2011 den Folkwang-Jazz-Preis gewann, sorgen für frisches Blut und neue Impulse. Das Ensemble spielt auf hohem Niveau. Und das nun schon seit bald 60 Jahren. Zur Jubiläumsveranstaltung lädt „Woodhouse“ am 16. März 2013 in die Mülheimer Stadthalle ein. „Dazu haben wir auch Barrelhouse aus Frankfurt eingeladen, die ebenfalls 60 Jahre existieren“, so Janßen.

Andenken an einen Menschen mit Herz

Helmut Schlitt würde wahrscheinlich freudig mitswingen, wäre er nicht viel zu früh im Alter von 70 Jahren 2005 in der Nähe von Mailand verstorben. Obwohl er Anfang der 1960er Jahre aus beruflichen Gründen mit seiner Familie nach Italien zog, kam er immer wieder nach Mülheim zurück, spielte mit seinen musikalischen Weggefährten und beteiligte sich aus sozialer Überzeugung an Benefizkonzerten.

Weil Helmut Schlitt nicht nur ein toller Jazzmusiker, sondern auch ein Mensch mit Herz war, war er über Mülheim hinaus beliebt und beachtet. Deshalb war es seinen Freunden vom Mülheimer Jazzclub ein großes Anliegen, dem Andenken an einen großen Menschen und Musiker „eine Brücke“ zu bauen.

 
 

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