Ein Fluss, drei Brücken

Bettina Kutzner

Mülheim. Die Schloßbrücke hat eine bewegte Geschichte und kann in diesem Jahr sogar einen Geburtstag feiern. 100 Jahre ist es her, dass die Ruhr bei Mülheim erstmals von einem steinernen Bauwerk überspannt wurde.

Im Sommer sollte die Schloßbrücke ursprünglich saniert werden, ist sie in dieser Form doch auch schon über 50 Jahre alt. Jetzt werden die Abdichtung und ein neuer Fahrbahnbelag wohl erst in den Sommerferien 2012 erneuert. Weil die Bauarbeiten an der unteren Aktienstraße den Innenstadtverkehr noch bis Anfang 2012 genug beeinträchtigen werden, hat sich die Verwaltung entschlossen, die Sanierung der Schloßbrücke um ein Jahr zu verschieben, um dort nicht eine zweite Baustelle aufmachen zu müssen. Die 300.000 Euro. für die Sanierungsarbeiten sind schon für den Haushalt 2011 bewilligt.

Wichtige Verkehrsader

Für eine Stadt am Fluss sind Brücken unumgängliche Verkehrsadern, um die Stadtteile an verschiedenen Ufern miteinander zu verbinden. Umwege sind nicht einfach zu fahren. Die erste steinerne Schloßbrücke, die am 24. Februar 1911 eingeweiht wurde, war auch nicht die erste Brücke an dieser Stelle. Die Schloßbrücke, wie wir sie heute kennen, ist bereits das dritte Bauwerk, das die Stadtmitte mit Broich verbindet.

Am 13. November 1844 war der erste Brückenschlag nach zweijähriger Bauzeit voll­endet: Die Friedrich-Wilhelms-Brücke, eine imposante Kettenbrücke, verband die beiden Ufer und war ein Wahrzeichen der Stadt, wie Bilder und Berichte des Stadtarchivs belegen. Zuvor gab es nur die Schollsche Fähre, um Fuhrwerke und Personen über den Fluss zu bringen.

Zu eng für das gestiegene Verkehrsaufkommen

Mit einer der ersten Kettenbrücken Deutschlands entstand so eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen im 19. Jahrhundert, weiß das Stadtarchiv: Mülheim wurde mit der ersten Brücke der Region zum Knotenpunkt. Die man aber nicht unentgeltlich nutzen durfte: Brückenbeamte regelten den Verkehr, erhoben das Brückengeld und sorgten dafür, dass nicht mehr als 1000 Menschen gleichzeitig auf die Brücke gingen. In den 1870er Jahren wurde die Brücke versteift, aber es half alles nichts: 1909 musste die historische Kettenbrücke, deren schmale Fahrbahn den steigenden Verkehr nicht mehr bewältigen konnte, der ersten steinernen Schloßbrücke weichen.

Die neue, zwölf Meter breite, monumentale Massivbrücke in Klinkerkonstruktion und mit einer Verkleidung aus Ruhrsandstein wurde am 24. Februar 1911 eingeweiht. Auch sie wurde in den 49 Jahren ihres Bestehens zum Wahrzeichen der Stadt und überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt. Obwohl längst Kraftfahrzeuge und die Straßenbahn auf ihr fuhren, teilte die Brücke das Schicksal ihrer Vorgängerin: Sie wurde abgerissen, weil sie zu eng für das gestiegene Verkehrsaufkommen geworden war.

Friedrich-Krupp baute die neue Brücke

Die Friedrich-Krupp-Maschinen- und Stahlbau (Rheinhausen) hatte den Zuschlag für den Bau einer neuen Brücke aus Stahl-Kastenträgern mit Stahlbetonfahrbahn bekommen, weil das Unternehmen einen Vorschlag gemacht hatte, der die Verkehrssituation während der Bauzeit entlastete: Der Verkehr konnte auf der alten Brücke so lange weiterlaufen, bis daneben, auf Verschubbahnen, die neue, breitere Brücke fertig geworden war. Dann sollte der Verkehr auf die neue Brücke umgeleitet werden. Nach dem Abbruch der alten Brücke wurden die neuen Brückenpfeiler erstellt und die neue Brücke wurde auf diese Pfeiler an ihre endgültige Position gehoben, geht aus den Berichten im Stadtarchiv hervor.

Am 13. September 1960 wurde die Schloßbrücke an ihrem heutigen Standort für den Verkehr in beide Richtungen freigegeben.