Ein Buch bündelt Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Das zerstörte Mülheim nach der Bombennacht am 22./23. Juni 1943. Die Schäden hatte der Mülheimer Fritz Zorn mit seiner Kamera festgehalten.
Das zerstörte Mülheim nach der Bombennacht am 22./23. Juni 1943. Die Schäden hatte der Mülheimer Fritz Zorn mit seiner Kamera festgehalten.
Foto: WAZ FotoPool
Im Band „Feuersturm an der Ruhr“ berichten WAZ-Leser aus zwölf Revierstädten von den dramatischen Erlebnissen der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Das Buch ist ab sofort im Handel erhältlich.

Mülheim.. Als die Bomber über das Ruhrgebiet dröhnen und ihre tödlichen Ladungen auf die Städte nieder prasseln, suchen die Menschen verzweifelt Schutz – in Bunkern, Kellern oder Kirchen. In den Nächten des Schreckens sterben tausende Menschen im Ruhrgebiet bei schweren Bombenangriffen. Auch wenn diese furchtbaren Erlebnisse bereits über sieben Jahrzehnte zurück liegen, sind sie für viele Menschen noch sehr präsent. Daher haben wir Sie, liebe Leser, im vergangenen Jahr dazu aufgerufen, uns Ihre persönlichen Erinnerungen zu erzählen. Die Artikel dazu sind nun gesammelt in dem Band „Feuersturm an der Ruhr“ erschienen.

Das schlimmste Bombardement erlebt Mülheim in der Nacht des 22./23. Juni 1943. Als die Sirenen des Alarms aufheulen, suchen Hermann Venohr und seine Schulkameraden mit ihrem Notgepäck Schutz im Rathauskeller. Elisabeth Tittgen schläft nur noch im Trainingsanzug, „damit wir bereit sind, uns zu retten, wenn die nächsten Bomben fallen“. Und Ernst Hasselbach erinnert sich, wie er mit seiner Mutter in Panik vor den Tieffliegern flieht: „Neben, vor und hinter uns prasseln die Einschläge der Geschosse.“

„Bombennächte im Revier“

Die Geschichten dieser Mülheimer Zeitzeugen sind bereits im Laufe des Jahres in der WAZ-Serie „Bombennächte im Revier“ erschienen, die zeitgleich in allen WAZ-Lokalredaktionen lief. In dem Buch „Feuersturm an der Ruhr“ berichten also auch Menschen aus Bochum, Bottrop, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hattingen, Herne, Oberhausen, Velbert und Witten von ihren Kriegserlebnissen. Die Geschichten erzählen vom Verlust – aber auch vom Glück, überlebt zu haben. Eine Essenerin berichtet etwa, wie ihr Großvater beim Bombardement mit seiner Enkelin im Arm stirbt. Ein Gladbecker schreibt, wie sich Mutter und Sohn nach dem schweren Angriff zufällig in der Stadt wiedertreffen: „Welch’ Freude an einem solchen Tag.“

Eine Zeittafel im hinteren Teil des Bandes fasst die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges übersichtlich zusammen – vom Übergriff auf Polen 1939 bis zur Potsdamer Konferenz der Siegermächte im August 1945. Der Zeitstrahl erklärt, welche Auswirkungen die Nazi-Politik insbesondere auf die Menschen im Ruhrgebiet hatte. „Die Schilderungen liefern auch einen Beitrag gegen das Vergessen“, schreibt WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock in seinem Vorwort. „Zugleich sind sie Warnung und Dank. Warnung, weil uns das Grauen des Krieges vor Augen geführt wird mit der klaren Botschaft: Verhindert Kriege, findet andere Lösungen! Und Dank, weil mit den Nachkriegsjahren in Deutschland eine Ära des Friedens begann.“

 
 

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