Easy Software kündigt Vorstand wegen Untreue-Verdachts

Die Staatsanwaltschaft hat bereits eine Hausdurchsuchung bei „Easy Software“ gemacht, die Ermittlungen dauern laut einer Sprecherin der Behörde aber noch an. Foto: Lars Fröhlich
Die Staatsanwaltschaft hat bereits eine Hausdurchsuchung bei „Easy Software“ gemacht, die Ermittlungen dauern laut einer Sprecherin der Behörde aber noch an. Foto: Lars Fröhlich
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. Mit einem Paukenschlag hat die börsennotierte Easy Software AG am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden Gereon Neuhaus mit sofortiger Wirkung beendet. Der Aufsichtsrat hatte bereits Anfang vergangener Woche bei der Staatsanwaltschaft Essen Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf lautet Untreue. Neuhaus soll für einen Schaden in hoher sechsstelliger Euro-Summe gesorgt haben.

Dies bestätigte gestern auf WAZ-Anfrage Aufsichtsrat Manfred A. Wagner, der als einer der Hauptanteilseigner rund 27 % an der Aktiengesellschaft hält. Neuhaus wird vorgeworfen, sich auf Kosten des Unternehmens bereichert zu haben. Die genaue Summe sei zwar noch nicht ermittelt, man rechne aber mit einem Schaden „deutlich im hohen sechsstelligen Bereich“.

Ungereimtheiten sind aufgefallen

Laut Wagner sind dem Con­trolling im eigenen Haus Ungereimtheiten aufgefallen, die den Verdacht der Untreue derart erhärtet hätten, dass der Aufsichtsrat nicht lange gezögert habe, Neuhaus mit sofortiger Wirkung abzuberufen, zu kündigen und ihn anzuzeigen. Nichts, so der Aufsichtsrat erleichtert, deute darauf hin, dass noch weitere Mitarbeiter von „Easy“ in die Angelegenheit verstrickt seien. Derweil sei sich der Aufsichtsrat „sehr sicher, dass wir mit der Kündigung durchkommen“.

Angaben dazu, was genau Neuhaus, der seit Oktober 2008 als Vorstandsvorsitzender der AG fungierte, vorzuwerfen ist, wollte beziehungsweise konnte Wagner gestern gegenüber der WAZ nicht sagen. Er deutete allerdings an, dass das Easy-Geld nicht auf direktem Wege abgezweigt worden sei, sondern das System der Untreue „über Außenstehende gelaufen“ sei. „Wahrscheinlich ist auch nicht nur Easy geschädigt worden.“

Easy Software hat bereits einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer eingeschaltet, um die komplette Buchhaltung der Jahre 2009 und 2010 nach Hinweisen auf Untreue zu durchforsten. Schon Ende nächster Woche sollen die Ergebnisse vorliegen. Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft in Essen hat die Ermittlungen bereits aufgenommen, ein Ende war gestern aber noch nicht abzusehen. Im Rahmen der Ermittlungen sind aber bereits die Räume der Easy Software AG am Hauptbahnhof durchsucht worden.

Untreue-Verdacht trübt gutes Geschäftsjahr

Der Untreue-Verdacht, das machte Wagner gestern im WAZ-Gespräch deutlich, „ärgert natürlich“, zumal die Easy Software AG in diesem Geschäftsjahr ein besonders gutes Ergebnis erwirtschaften werde. Ein Nachfolger für Neuhaus wird nicht eilig gesucht. Zunächst wird Andreas C. Nowottka allein als Vorstandsvorsitzender agieren; die Aufsichtsräte wollen ihm dabei unter die Arme greifen.

Eine andere Baustelle der Easy Software AG ist der geplante Umzug zur Bismarckstraße. Nachdem Anwohner rund um die benachbarte Dimbeck eine Klage gegen das Vorhaben, dort ein lange leer stehendes Bürogebäude zu beziehen, angedroht haben, sagt Wagner, man habe dies zunächst einmal „gedanklich zurückgestellt“. Der Bauantrag sei gestellt, jetzt müsse man abwarten, ob geklagt werde.

Wagner, selbst Mülheimer, brachte zum Ausdruck, dass „Easy“ gerne in der Stadt bleiben wolle – bei einer Klage der Anwohner aber möglicherweise ein Abschied in Betracht zu ziehen sei. 135 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt.

 
 

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