Easy Software erstreitet 1,5 Millionen Euro

Seit Jahren ist die Easy Software AG nicht nur damit beschäftigt, an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft zu tüfteln. Es wird auch noch einige Zeit um die Aufarbeitung der Vergangenheit gehen.
Seit Jahren ist die Easy Software AG nicht nur damit beschäftigt, an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft zu tüfteln. Es wird auch noch einige Zeit um die Aufarbeitung der Vergangenheit gehen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Software AG hatte ihren ehemaligen Aufsichtsratschef Manfred A. Wagner auf Schadenersatz verklagt. Der Unternehmer hatte unter anderem den Erlös aus einem Beteiligungsverkauf privat eingestrichen.

Mülheim.. Im ersten von vier Verfahren hat das Landgericht Duisburg am Mittwoch ein Urteil verkündet, dass der Easy Software AG als Klägerin Schadenersatz in Höhe von gut 1,5 Millionen Euro zuspricht. Leisten muss ihn der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Manfred A. Wagner, der als beherrschender Aktionär im Unternehmen lange Zeit offenbar ohne echte Kontrolle schaltete und waltete.

Im Klageverfahren, das gestern seinen Abschluss am Landgericht erlebte, ging es um zwei Themenkomplexe. Im ersten, dem finanziell weitaus bedeutenderen, hatte sich Wagner dafür zu rechtfertigen, warum der 1,38 Millionen Euro schwere Erlös aus dem Verkauf einer Easy-Beteiligung an der Scan Optik GmbH im Jahr 2002 nicht auf dem Konto der Easy Software AG landete, sondern, wie ein Gerichtssprecher gestern sagte, in Tranchen auf einem Wagner’schen Konto.

Laut Gericht wies Wagner die Schadenersatzansprüche seitens der Easy mit der Begründung zurück, dass er den Millionenbetrag als Ablösung eines Darlehens, das er der AG in wirtschaftlich schwieriger Zeit gewährt habe, für sich selbst beansprucht habe. Die Easy Software AG habe dagegen eine unzulässige Einlagenrückgewähr durch Wagner geltend gemacht, quasi eine aktienrechtlich nicht gedeckte Entnahme aus dem Eigenkapital der Aktiengesellschaft.

Drei Verfahren laufen noch

Das Gericht ließ am Mittwoch unbeantwortet, was genau für sie die Einverleibung der 1,38 Millionen Euro durch Wagner ist. Darauf komme es im besagten Streitfall auch gar nicht an, hieß es. Der Schadenersatzanspruch sei selbst dann gegeben, wenn Wagners Version stichhaltig sei. Denn, so stellte das Gericht laut ihres Sprechers auf entsprechender Grundlage einer BGH-Rechtsprechung fest: Die Rückzahlung eines Darlehens hätte Wagner als Aufsichtsratsvorsitzender und als mit Vetorecht ausgestatteter Aktionär dem Unternehmensvorstand im Jahr 2002 gar nicht durchgehen lassen dürfen. 2002 habe sich die AG schließlich in einer schwerwiegenden Krise befunden.

Überdies ging es in dem Verfahren um weitere 133.000 Euro, die Wagner zu Unrecht selbst eingestrichen haben soll, obwohl sie der AG zugestanden hätten. So hatte eine der zwei damaligen Auslandsgesellschaften des Mülheimer Unternehmens, die Easy UK, ein Darlehen der AG in Höhe besagter Summe zurückgezahlt – wiederum aber nicht verbucht auf den Konten der Easy Software AG, sondern bei Wagner. In diesem Fall, so der Gerichtssprecher, sei die rechtliche Beurteilung klar gewesen: Wagner ist schadenersatzpflichtig.

Drei verfahren laufen noch

Drei Verfahren, in denen Easy Schadenersatz auch von weiteren ehemals Verantwortlichen fordert, laufen noch. Zum gestrigen Urteil nahm für Wagner dessen Syndikus Wolfgang Glücks Stellung: „Weder der Urteilsspruch noch das Urteil liegen uns vor. Wir werden das Urteil eingehend prüfen. Vorbehaltlich der Prüfung werden wir gegen das Urteil Berufung einlegen.“

In einem weiteren Verfahren gab es am Mittwoch einen Beweisbeschluss. Inhalt ist die kostspielige Anmietung einer Loge in der Arena Auf Schalke durch die AG. Zum Teil wurde die Loge weitervermietet, zum Teil laut Klägerin aber durch das nicht im Unternehmen ansässige Wagner-Büro vergeben. Nun soll Wagner offenlegen, wer die Loge zur Verfügung gestellt bekommen hat und warum.

 
 

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