Durchsuchungen bei Mülheimer Hilfsverein „Kinder brauchen uns“

Die Vorwürfe gegen Markus Dewender und den Verein "Kinder brauchen uns" lauten auf den Verdacht von Untreue und Betrug.
Die Vorwürfe gegen Markus Dewender und den Verein "Kinder brauchen uns" lauten auf den Verdacht von Untreue und Betrug.
Foto: WAZ

Mülheim.. 

Der Verein „Kinder brauchen uns“ steht im Zentrum staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, Detlef Nowotsch, auf Anfrage bestätigte, haben Beamte im Oktober die Räume des Vereins an der Oberen Saarlandstraße durchsucht. Die Vorwürfe lauten auf den Verdacht von Untreue und Betrug. „Es geht um Spenden und ihre Verwendung“, so der Oberstaatsanwalt.

Der Vorsitzende des Vereins ist Markus Dewender. Er erlangte mehrfach bundesweite Bekanntheit; das erste Mal, als er 2007 den Bambi erhielt, das zweite Mal, als ihm kurz darauf die missbräuchliche Verwendung von Doktortiteln nachgewiesen werden konnte. Dewenders Hilfe bestand darin, afghanische Kinder zu gespendeten medizinischen Behandlungen nach Deutschland zu bringen. 500 sollen es insgesamt gewesen sein.

Irritationen über Visa und Vormundschaftspapiere

Anfangs erhielt Dewender die Unterstützung Mülheimer Behörden. Der allein lebende Mann durfte sogar zwei afghanische Jungen adoptieren. Dann aber häuften sich Vorwürfe, wurde bekannt, dass Kinder seit vielen Jahren in Gastfamilien leben, die sich wiederum beklagten, allein gelassen zu werden.

Zudem häuften sich Irritationen über Visa und Vormundschaftspapiere, auf deren Grundlage Dewender das Bestimmungsrecht über die Kinder einforderte. Die Behörden drängten nun auf klare Vorgaben zum Wohl der Kinder und nachdem diese aus ihrer Sicht nicht eingehalten wurden, verweigerten sie Dewender weitere Hilfsflüge. Als Reaktion meldete der den Verein nach Schleswig-Holstein um.

Dennoch hat nach NRZ-Informationen das Auswärtige Amt in Berlin seine Botschaft in Kabul veranlasst, eine Visaerteilung an den Verein und damit eine Ausreise von Kindern kritisch zu hinterfragen. Die Aktivitäten des Vereins fahren seitdem auf Sparflamme. Auf der Homepage des Vereins wird nur noch sporadisch berichtet, meist über die Ausreise von Kindern.

Die Kripo ermittelt

Die Einwerbung von Spenden geht gleichwohl weiter, unter anderem für ein herzkrankes Kind, das aber noch nicht in Deutschland sein soll. Internationale Hilfsorganisationen sehen solche Transporte inzwischen kritisch. Auch mit europäischem Geld ist die medizinische Infrastruktur am Hindukusch selbst für kardiologische Eingriffe an Kindern längst vorhanden.

Auslöser der jetzigen Ermittlungen sind offenbar Anzeigen aus Niedersachsen. Dort leben nach Auskunft des zuständigen Ministeriums noch drei Gastkinder, zum Teil seit fünf Jahren. Sie hatten nicht nur einen unklaren Verbleib von Spenden beklagt.

Eine Gastmutter hatte angegeben, Dewender habe von ihr Geld gefordert und daran einen Verbleib des afghanischen Kindes in Deutschland gekoppelt. „Der Sachverhalt wird jetzt von der Kripo weiter ermittelt“, sagte Staatsanwalt Nowotsch. Von Interesse ist dabei auch die Fragen, ob weitere der über ganz Deutschland verteilten Gasteltern von dieser Praxis zeugen können.

Dewender selbst hält sich zurzeit in Kabul auf. Eine Vereinssprecherin erklärte auf Anfrage lediglich, von Durchsuchungen und Vorwürfen sei ihr „nichts bekannt“.

 
 

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