Düsseldorfer Radschläge

Steffen Tost und Rüdiger Hoff
Für Fahrradfahrer ist der Dickswall immer noch eine Herausforderung und nur einer von zahlreichen kritischen Punkten in der Stadt.
Für Fahrradfahrer ist der Dickswall immer noch eine Herausforderung und nur einer von zahlreichen kritischen Punkten in der Stadt.
Foto: NRZ
In der Landeshauptstadt weist eine Internetseite auf Mängel und Schwachpunkte für Radfahrer hin. Die Grünen finden das nachahmenswert und wollen es umsetzen, kündigt Sprecherin Franziska Krumwiede an.

Zugeparkte, zu enge, beschädigte oder fehlende Radwege, Ampelschaltungen, die Radfahrer wie an der Bergstraße oder am Tourainer Ring unnötigerweise benachteiligen oder ein schlechtes Baustellenmanagement. Es gibt viele Probleme, die sich Radfahrern in einer fahrradfreundlichen Stadt stellen. Wer Mängel feststellt, kann sich an die Bürgeragentur oder die Telefonzentrale wenden. Doch das hilft nur bei akuten Schäden. Was aber bei Dingen, die Geld kosten und politische Beschlüsse erfordern?

Wie es gehen kann, zeigt eine Kampagne, die in Düsseldorf unter dem Namen „Düsseldorf braucht Rad“ die Grünen im Internet initiiert haben. Der wichtigste Teil dieser Seite sind die Galerie und die Karte des Grauens. Das ist ein interaktiver Stadtplan, auf dem die Missstände, Gefahrenpunkte, aber auch positive Veränderungen mit virtuellen Stecknadeln markiert sind. Werden sie angeklickt, wird ein Foto samt Erklärung erkennbar und kann, wie im digitalen Zeitalter üblich, kommentiert werden.

Diese neue Beteiligungsform, die wohl auch nur dank finanzieller Unterstützung möglich ist (über 20 Unterstützer sind aufgelistet), stößt in der Landeshauptstadt bereits auf ein großes Echo: Nach kurzer Zeit wurden inzwischen schon über 125 Stellen auf dem Stadtplan markiert.

Politisch wollen die Grünen daraus Honig saugen und Anträge für die Bezirksvertretungen sammeln, um die Missstände und Mängel zu beheben. Mit Aufklebern soll in dieser Kampagne auch das Bewusstsein der anderen Verkehrsteilnehmer geschärft werden.

Dass diese Seite bei der Sprecherin der Mülheimer ADFC-Gruppe, der Interessenvertretung der Fahrradfahrer, auf Begeisterung stößt, verwundert nicht. Der ADFC ist im vergangenen Jahr selbst mit dem Rad zu einer Knackpunkte-Tour aufgebrochen und hat sich problematische Ecken angeschaut. An diese Stellen möchte er auch in diesem Jahr wieder fahren, wie Sprecherin Doro Kleine-Möllhoff ankündigt. „Es gibt Stellen, etwa Ampeln an unnötigen Orten, da werden Radfahrer immer wieder veranlasst, die Verkehrsregeln zu brechen“, erzählt sie. Eine solche Stelle sei etwa die Ampel an der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe der Sandstraße. In der Schweiz habe sie im Urlaub erlebt, dass der Radfahrer durch die Ampelschaltung auch bevorzugt werden könne. Dort sah sie auch eine Ampel, an der Radfahrer freie Fahrt erhielten, obwohl Fußgänger ihren Weg kreuzen konnten, was hier am Berliner Platz etwa undenkbar wäre.

Begeistert von dem Angebot ihrer Parteifreunde ist die Sprecherin der örtlichen Grünen, Franziska Krumwiede. Für sie ist Mülheim nur in der Theorie fahrradfreundlich, tatsächlich gebe es viele Probleme. Besonders krass falle der Vergleich mit ihrer alten Heimat Ingolstadt aus, wo es Radler weitaus besser hätten. Tatsächlich hätte sie im Vorstand schon einmal an etwas Ähnliches gedacht, was allerdings an den technischen Kenntnissen gescheitert sei. Jetzt wissen sie, wen sie fragen können, wie es funktioniert. Deshalb sagt Krumwiede auch entschlossen: „Jetzt machen wir das auch.“

Kooperationspartner, dies zeigt seit Jahren der Fahrrad-Frühling, dürfte es genug geben.