Dritter Schaufenster-Wettbewerb in Mülheims City gestartet

Laura Engels
Geführte Tour zum Start des Schaufensterwettbewerbs: Mehr als 80 Mülheimer wollten dabei sein.
Geführte Tour zum Start des Schaufensterwettbewerbs: Mehr als 80 Mülheimer wollten dabei sein.
Foto: Michael Dahlke

Mülheim. Die Augen verfolgen den Passanten – geht er nach links, gehen sie nach links, geht er nach rechts, gehen sie nach rechts, bleibt er stehen, verharren auch sie. Die Augen scheinen aus Kindergesichtern zu blicken, gehören aber zu Erwachsenen. Wie Miran Delija von der Künstlergruppe „hex/n/worx“ erklärt, sind es Porträts von dem Retoucher Christian Girotto. Er will mit diesen Bildern den infantilen Kern eines jeden Erwachsenen zeigen. Die Künstler hingegen wollen mit ihrer Installation mit den Passanten „spielen“.

Ihr interaktives Schaufenster bei Photo Mengede an der Wallstraße 20 ist eines von 56 künstlerisch gestalteten Fenstern des 3. Mülheimer Schaufensterwettbewerbs. Unter dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist…!“ haben 48 Künstler, Kreativgruppen und Schulen Schaufenster in 13 Straßen der Innenstadt mit Bildern, Objekten und Installationen verschönert. Am Samstagmorgen sind trotz des Regens etwa 80 bis 100 Interessierte zur Eröffnungstour gekommen. Alle anderen können noch bis zum 12. Oktober entlang der Schaufenster flanieren.

Modepuppe in halb geöffnetem Astronautenanzug

Zu sehen bekommen sie etwa „Appsurditäten“ von Thorsten Hess und David Wiskandt. Die Künstler widmen sich bei Pogge Home-Decor dem Smartphone-Phänomen und stellen einige selbst kreierte Apps aus. Ein paar Häuser weiter wartet bei Body & Beach Herta Oehler eine Modepuppe in einem halb geöffneten Astronautenanzug. „Frauen sind heutzutage großen Anforderungen ausgesetzt und müssen vielen Ansprüchen gerecht werden“, erklärt Geschäftsführerin Britta vom Felde. Viele seien auch in sogenannten Männer-Berufen erfolgreich. Vom Felde und Künstlerin Susanne Elsen wollen zeigen, wie Frauen selbst im Astronautenanzug ihre Weiblichkeit erhalten können: indem sie die passenden Dessous darunter tragen.

„Ich finde es schön, dass es einen Mix von professionellen Künstlern bis zu Schülergruppen gibt“, sagt Cerstin Janus. Mit Bea Wippich und Nicole Dams hat sie erstmals selbst ein Schaufenster gestaltet – bei Tepel am Markt. „Wir machen das aber nur hobbymäßig“, sagt Janus. Gisela Fritsch hingegen macht zum dritten Mal mit. „Ich würde gerne noch mal mit mehr Zeit hier alleine entlang gehen“, sagt sie. Besonders gefallen habe ihr das Fenster bei Bürobedarf Prüßmann an der Wallstraße. Dort sitzt die Highschool-Klasse der Ullipupps, die Ulrike Urbons vor vier Jahren an der Nähmaschine aus dem Nichts gestaltet hat. Mittlerweile gibt es über 100 Stück dieser Stoffpuppen. Fritsch selbst zeigt dieses Mal Fotografie und Design zum Thema Holz im Möbelhaus an der Ruhr (Leineweberstraße) und ist begeistert: „Der Schaufensterwettbewerb ist ein wunderbares Forum – ich bleibe dabei, so lange er läuft.“

Bürger können Gewinner des Herzens wählen

Die Kreativen werben auch bei der dritten Auflage des Schaufensterwettbewerbs wieder um die Gunst der Passanten. Denn neben dem durch eine Fachjury bestimmten Sieger wird es wieder einen Gewinner der Herzen geben, den die Bürger wählen können. Die Stimmabgabe ist in allen teilnehmenden Geschäften möglich.

Wie im Vorjahr wird der Wettbewerb als Projekt von Mülheim & Business, der Kreativwirtschaft, der Werbegemeinschaft Innenstadt sowie der MST ausgelobt. Die Organisation unterstützt die Grafikdesign-Agentur „2Werkruhr“.

Das Projekt verfolgt drei Ziele: die Branchen Kreativwirtschaft und Einzelhandel besser vernetzen, das Kundeninteresse wecken und die Innenstadt beleben. „Die Veranstaltung ist sicher kein Allheilmittel zur Lösung der strukturellen Probleme der City“, sagt Chef-Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier. Der wachsende Zuspruch der Mitwirkenden und interessierten Bürger sei für ihn aber Indiz genug für den „Fahrt- und Rückenwind“, den die Veranstaltung mit sich brächte. Cerstin Janus, die selbst ein Schaufenster gestaltet hat, hofft, dass der Wettbewerb dazu führt, „dass die Leute nicht mehr so schnell durch die Stadt huschen“. Es sei „ein positiver Impuls, der sich dem ständigen Meckern und Jammern entgegenstellt“.