Diskussion über Integration in einer Mülheimer Moschee

Mareike Kluck
An der Podiumsdiskussion nahmen teil: (v.re.) Staatssekretär Thorsten Kuhle, Enver Sen vom Mülheimer Integrationsrat, und Ulrich Ernst, Sozialdezernent der Stadt Mülheim.
An der Podiumsdiskussion nahmen teil: (v.re.) Staatssekretär Thorsten Kuhle, Enver Sen vom Mülheimer Integrationsrat, und Ulrich Ernst, Sozialdezernent der Stadt Mülheim.
Foto: WAZ FotoPool
Am Ende der Diskussionsrunde „Integration vor Ort“ waren sich die Beteiligten einig: Es geht schon lange nicht mehr um Integration, sondern um gerechte Teilhabe. Auffällig viele junge Mülheimer mit Migrationshintergrund hatten mit Fragen, Anregungen und Kritik das Gespräch mit den Politikern gesucht.

Mülheim. Am Ende der Diskussionsrunde „Integration vor Ort“ waren sich die Beteiligten einig: Es geht schon lange nicht mehr um Integration, sondern um gerechte Teilhabe. Auffällig viele junge Mülheimer mit Migrationshintergrund hatten mit Fragen, Anregungen und Kritik das Gespräch mit den Politikern gesucht.

An der Veranstaltung in der Fatih-Camii-Moschee in Eppinghofen nahm neben Sozialdezernent Ulrich Ernst und Enver Sen, Vorsitzender des Integrationsrats, auch der NRW-Staatssekretär für Integration, Thorsten Klute, teil. Dass die Diskussionsrunde nicht etwa in der Stadthalle oder im Ringlokschuppen stattfand, hatte einen einfachen Grund – man wollte dort hingehen, wo Integration spürbar gelebt wird. Schon lange zeigt sich die Moschee an der Sandstraße als offene Begegnungsstätte.

Begegnungsstätte Moschee

Vor allem eine Benachteiligung im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt brannte den jungen Diskussionteilnehmern auf den Nägeln. Dass Jugendliche mit einem türkischen Namen im Schnitt wesentlich mehr Bewerbungen schreiben müssen als die mit einem deutschen Namen, musste auch Thorsten Klute bestätigen und betonte, dies müsse alle nachdenklich stimmen.

Da die Jugendlichen meist schon in der vierten Generation in Deutschland leben und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, hält er jedoch den Begriff der Integration für falsch. Es sei die gerechte Teilhabe an der Gesellschaft, an der es vielerorts noch mangele. Als Beispiel dafür nannte er die Fußballmannschaft der Moschee, Mülheim Fatih Spor.

Ein Block hinter die Kulissen

Gut die Hälfte der Mannschaftskameraden war zu dieser Veranstaltung erschienen und beklagte sich darüber, dass es ihnen nicht möglich sei, unter ihrem richtigen Namen in der Kreisliga zu spielen. Obwohl sie seit 2001 ein eingetragener Fußballverein sind, spielen sie als zweite Mannschaft beim 1. FC Mülheim, da sich der Mülheimer Sportservice außerstande sehe, ihnen eine Sportanlage zuzuweisen.

Auch Alfred Berendes und seine Frau waren in die Moschee gekommen. Sie erhofften sich zum einen den Blick hinter die Kulissen, zum anderen findet der 76-Jährige, dass zur Integration immer zwei Seiten gehören. „Es wird immer viel darüber gesprochen und gelesen, aber dass man sich aufeinander zubewegen muss, das vergessen viele.“

Nachbarschaftsverhältnisse

Dass in Eppinghofen Integration gelebt wird, merkt man am Nachbarschaftsverhältnis. Anfängliche Berührungsängste gegenüber der Moschee sind Neugier, Akzeptanz und Toleranz gewichen. Trotzdem waren unter den Teilnehmern hauptsächlich Mitglieder der Moschee. Als mangelndes Interesse am Thema fasste es jedoch niemand auf. „Es war eine spannende Diskussion, bei der auch mal Alltagsdiskriminierungen auf den Tisch gebracht wurden, die man sich bewusst machen muss“, resümiert Thorsten Klute, der sich auf entsprechende Berichte der Jüngeren bezog.

Klute, der selbst mit einer gebürtigen Polin verheiratet ist: „Wir brauchen mehr von solchen Veranstaltungen, um die interkulturelle Kommunikation zu stärken. Aber ich denke, Mülheim ist da schon auf einem sehr guten Weg.“