Die neue Lust am Kleingarten

Hans-Joachim Rothe in seinem prachtvollen Kleingarten an  der Römerstraße, der eine reiche Ernte verspricht
Hans-Joachim Rothe in seinem prachtvollen Kleingarten an der Römerstraße, der eine reiche Ernte verspricht
Foto: WAZ FotoPool
Kleingärtnern liegt wieder im Trend! Das freut auch die Kleingartenvereine in Mülheim. Junge Familien, leidenschaftliche Gärtner oder junge Rentner beleben die teils überalterten Vereine, freie Gärten sind nur nach und nach zu bekommen.

Mülheim. Kleingärtnern liegt wieder im Trend! Das freut auch die Kleingartenvereine in Mülheim. Junge Familien, leidenschaftliche Gärtner oder junge Rentner beleben die teils überalterten Vereine.

Hat es vor 15 Jahren jede Menge freier Gärten gegeben, werden seit zwei Jahren die Parzellen knapp, bestätigt Hans-Joachim Rothe, Vorstand des Styrumer Kleingartenvereins (KGV) an der Römerstraße. In seinem Verein habe es kürzlich einige altersbedingte Wechsel gegeben. Die zurzeit noch zwei freien Gärten hätten ein Handicap. Sie seien nicht gepflegt und es habe sich noch kein Enthusiast gefunden. Da stecke einiges an Arbeit drin, so Rothe. Auch scheuten einige Interessenten die Investitionen in die solide ausgebauten Steinhäuser mit Bad, Dusche. „Manche Leute können und wollen 3000 oder 4000 € für ein Haus nicht ausgeben.“

Im KGV Styrum gibt es keine freien Parzellen mehr

In einigen Vereinen gibt es gar keine freien Parzellen mehr, wie im KGV Styrum. Im KGV Rennbahn mit 102 Parzellen wurde bereits eine Warteliste angelegt, erklärt dessen Vorsitzender Stefan Tonak.

Hans-Joachim Rothe freut sich über die neue Lust am Gärtnern. „Oft sind es junge Familien, die ihren Kindern ein Aufwachsen im Grünen ermöglichen wollen oder Menschen, die Obst und Gemüse frei von Schadstoffen selber ziehen möchten“, sagt der leidenschaftliche Kleingärtner. Viele Jungrentner entschlössen sich, ihre neu gewonnene Freizeit im Kleingartenverein zu verbringen. Rund ein Drittel der Fläche sollte mit Obst und Gemüse bebaut werden, ein Drittel sei Rasen- und Blumenbeetfläche und ein weiteres Drittel sei dem Wohnen vorbehalten, das schreibe das Kleingartengesetz entsprechend vor, so Rothe. Neben dem Vergnügen mit der eigenen Parzelle bestehe zudem ein vielseitiges Vereinsangebot mit Feiern und Festen, eine Bereicherung für die Mitglieder.

„Das Kleingärtnern muss sozial verträglich bleiben“, bekräftigt Hildegard Wagner, seit einem Jahr Vorsitzende des Kreisverbands. Deswegen können Lauben auch nicht zu Höchstpreisen veräußert werden, sondern der Preis werde von einem externen Wertermittler festgelegt, der alte Pächter werde entschädigt. Eine Laube dürfe niemals Spekulationsobjekt sein, so Wagner. Auch lebe man Integration mit ausländischen Mitbürgern, auch was das Feiern angehe. „Das erleben wir als große Bereicherung“, so Wagner. Dies alles und das Gärtnern mit der Natur seien sicherlich Gründe für die neue Attraktivität und den stattfindenden Generationenwechsel.