Die Innenstadt stirbt weiter

Mirco Stodollick
Auch Voswinkel kehrt Mülheim den Rücken. Immerhin gibt es hierfür einen Nachfolger: Rossmann.
Auch Voswinkel kehrt Mülheim den Rücken. Immerhin gibt es hierfür einen Nachfolger: Rossmann.
Foto: STEPHAN GLAGLA / WAZ FotoPool

Mülheim. „Trading-Down-Effekt“ nennt sich im Fachjargon, was derzeit noch mal eine rasantere Entwicklung in der Innenstadt nimmt als ohnehin in den vergangenen Jahren schon: Der Einzelhandelsstandort (mit Ausnahme des Forums) schwächelt gehörig, Kundschaft bleibt aus, Leerstände nehmen dramatisch zu.

In wenigen Monaten werden nun auch das Schuhhaus Voswinkel, Jack & Jones und Vero Moda sowie Wohnaccessoires-Händler Nivo Mülheims City den Rücken kehren. Großflächige Leerstände plagen die Innenstadt seit Jahren. Jetzt wird die Situation noch mal schlechter. Nach nur eineinhalb Jahren wird Nivo das ehemalige Woolworth-Geschäft am unteren Ende der Schloßstraße verlassen. Es läuft der Ausverkauf, das Geschäft hat sich nicht rentiert. Der als Heuschrecke in Verruf stehende Vermieter Cerberus war angeblich nicht bereit, Nivo entgegen zu kommen bei der Miete, damit sie im gesunden Verhältnis zum Umsatz gestanden hätte.

Zu hohe Mietpreise?

Auf eine Belebung durch Reaktivierung des riesigen Kaufhof-Leerstands mochte Nivo nicht mehr setzen. Dort hatte sich Projektentwickler Kölbl Kruse erfolglos an Plänen für ein Ruhrbanium abgearbeitet. Nun hat sich Rosco vom Eigentümer Jochen Hoffmeister eine Fristverlängerung bis Ende März gewähren lassen, um mehr Zeit zu haben, potenzielle Ankermieter für das Gebäude zu finden. Bis Ende Dezember war dies nicht gelungen. Es bleibt wohl eine Hängepartie. Hoffmeister kalkuliert alternativ schon damit, den Koloss dem Erdboden gleichzumachen.

Zurück zur Schloßstraße: Auch für die Läden von Vero Moda und Jack & Jones verspricht Mülheim keine Zukunft. Die Läden schließen Mitte bis Ende März, Klage auch hier: Es fehlt an Kundenfrequenz. Immobilienmakler Engel & Völkers bietet die Ladenfläche (265 m² im Erdgeschoss sowie zusammen 86 m² im Keller und 1. OG) bereits zur Nachvermietung an: für eine Nettomonatskaltmiete von 8056,50 Euro. So viel Geld, sagen Kenner, muss erst mal ein Händler erwirtschaften können. Die Nachvermietung so manchen Leerstands krankt wohl an den Mietvorstellungen der Eigentümer, die fernab der Marktrealitäten liegen.

Wie eine Unternehmenssprecherin bestätigte, wird auch Voswinkel Mitte bis Ende Juni sein Ladenlokal an der Ecke zum Synagogenplatz räumen. Immerhin: Mit der Drogeriemarktkette Rossmann steht bereits ein Nachmieter (mit Vertrag für zunächst zehn Jahre) parat. Doch der Tausch ist sicher ein Verlustgeschäft: Direkt gegenüber existiert mit „dm“ bereits ein Drogist. Im innerstädtischen Schuhhandel ist eine empfindliche Lücke gerissen.