Die Christuskirche in Mülheim-Saarn muss im Dorf bleiben

Sie steht bald unter Denkmalschutz: Die Christuskirche in Saarn, eingeweiht am 20. September 1959.
Sie steht bald unter Denkmalschutz: Die Christuskirche in Saarn, eingeweiht am 20. September 1959.
Foto: Hans Blossey
Die Landeskonservatorin hat das Gotteshaus unter Denkmalschutz gestellt und den Abriss verhindert. Nun wird eine dauerhafte Nachnutzung gesucht.

Mülheim. Die Christuskirche bleibt im Dorf. Andrea Pufke, die Landeskonservatorin, will es so, hat die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt angeordnet. Diese Überraschung präsentierten Jürgen Liebich, Leiter des Stadtplanungsamtes, und Thomas Jantzen, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Broich-Saarn, auf einer Bürgerversammlung am Lindenhof.

Zwei Stunden zuvor hatten Liebich und Jantzen bei einem Treffen im Rheinischen Amt für Denkmalpflege in Pullheim von der Entscheidung der Landeskonservatorin erfahren. Für die Gemeinde, die kurz vor dem Verkauf des Areals an der Waldbleeke in Saarn stand, bedeutet das: zurück auf Los. Sie muss vorerst einen Kirchenbau erhalten, den sie nicht mehr braucht.

„Was wie in Zukunft geschieht, müssen wir erst in unseren Gremien besprechen und entscheiden“, sagte Pfarrer Jantzen am Mittwochabend im Gemeindehaus neben der Christuskirche. Hoffnungen einiger Gemeindemitglieder, in der neuen Lage den Kirchenbetrieb fortzuführen, erteilte er eine klare Absage. „Am 31. Mai wird die Christuskirche entweiht. Das Presbyterium hat es so beschlossen. Wir können uns den Unterhalt dieser Kirche nicht mehr leisten. Wir investieren unser Geld lieber in Menschen anstatt in Steine“, sagte der Pfarrer.

Kreative Lösungen sind jetzt gefragt

Etwas Ohnmacht, aber mehr Aufbruchswille war bei den Besuchern zu erkennen: „Wir haben uns auf den Abschied eingestellt. Warum soll die Kirche nun bleiben?“, fragte eine Nachbarin. Anlieger wollten wissen, wie viele Neubauten erlaubt seien und wie die Gemeinde den entstehenden Verlust – geminderter Verkaufserlös – auffangen könne.

Von den Denkmalpflegern wird kein Zuschuss kommen. „Wir lassen die Gemeinde jetzt nicht im Regen stehen. Kreative Lösungen sind gefragt, wie der Kirchenbau zukünftig sinnvoll und nachhaltig zu nutzen ist. Das ist auch eine Chance“, erklärte Jürgen Liebich. Die Stadtplaner wollen einen Wettbewerb ausschreiben, für den sich anwesende Architekten bereits interessierten.

Betreute Seniorenpflege wäre möglich

Im quadratischen Kirchenbau – 22 Meter Wandlänge, die Spitze des Zeltdachs acht bis 16 Meter hoch – kann nach den Ausführungen Liebichs betreute Seniorenpflege mit kleinem Café möglich sein. „Aber die langen Fenster sind dafür nicht optimal“, fügte er an. Es sei nicht einfach, die 1000 Lichtöffnungen in der Südwand mit Wohnräumen zu verbinden. Im Turm werden sicher keine Feuerwehrschläuche trocknen. Er ist eine weit hin sichtbare Landmarke, die nun stehen bleibt. In sechs Monaten ist das Gutachten der Landeskonservatorin fertig, ein Einspruch ist möglich.

 
 

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