Der Traum vom Café Vienna ruht erst einmal

Steffen Tost
  • Nach fünf Jahren sind für Maria Moser die gastronomischen Ambitionen zunächst beendet.
  • Die Qualität war gut und wurde vom Feinschmecker bestätigt, aber es kamen zu wenig Gäste
  • Den Standort in der VHS schätzte die Gastronomin falsch ein. Trotz Umbau bot er keinen passenden Rahmen

Ein Wiener Café war für die gebürtige Österreicherin Maria Moser schon immer ein Traum, aber um das Café Vienna war es von Beginn an schlecht bestellt. Die optimistischen Pläne der damals 44-Jährigen hatten früh einen Dämpfer erhalten, weil ihr Wunschstandort am Synagogenplatz auf der Zielgraden trotz Vermittlung der Wirtschaftsförderung platzte. Der Ausweichstandort am Rosenhof, das spürte sie bald, war auch nur zweite Wahl. Versteckt, durch die große Verkehrsschneise eher abseits gelegen und auch nicht so gut erreichbar. Nach zwei Jahren wechselte das Café in die Volkshochschule, die hochgesteckten Erwartungen wichen aber bald einer Ernüchterung. Jetzt wirft sie endgültig das Handtuch und hat zum Ende des Jahres bei der Stadt den Mietvertrag gekündigt. Ihren Traum hat sie aber damit nicht begraben.

„Zum Glück sind mein Mann und ich von dem Café nicht wirtschaftlich abhängig“, sagt sie. Ein Großteil des Inventars, die Lampen, die Möbel von der Oma, das Klavier und die Espressomaschine werden erst einmal eingelagert. Die Erfahrung, der Sachverstand und die Rezepte sind ja alle noch da. „Wir lassen uns aber jetzt Zeit“, sagt sie und verweist auf die wichtigste gewonnene Erkenntnis. Der Ort muss optimal sein. „Wir halten unsere Fühler aus, aber es muss auch nicht mehr unbedingt in Mülheim sein“, sagt Moser.

Mit der Qualität hat alles gestimmt, Sachertorte, Kaiserschmarrn, die Kaffee-Spezialitäten von Julius Meinl sowie die deftige Brotzeit oder die Leberknödelsuppe kamen bei den Gästen gut an – und bei einem anonymen Test durch die Zeitschrift Feinschmecker rückte das Café zu den 400 ausgewählten Adressen der besten Cafés, Konditoreien und Röstereien in der Republik.

Folgenreiche Fehleinschätzung

Von der VHS versprach sie sich mehr Laufkundschaft und dachte an Besucher der Stadthalle, von Schloß Broich, dem Ringlokschuppen oder der Müga und natürlich an die vielen Kursteilnehmer. Eine Fehleinschätzung, wie sich alsbald herausstellen sollte. Viele Besucher der VHS haben es eilig oder können sich ein hochpreisiges Angebot nicht leisten, wie etwa die Teilnehmer der Integrationskurse. Und ihre alten Stammkunden hat sie verloren. Obwohl sie den Bereich umgebaut haben, wurde er nie so heimelig wie an der Kaiserstraße. Das Frühstücksbuffet gab sie bald auf, reduzierte den normalen Kaffeepreis. „Das Café mit Qualität und Atmosphäre entwickelte sich zu einer einfachen Cafeteria.“ Auch das Tortenbacken gab sie auf, bot Fertigprodukte oder Schokoriegel an.

Mit ihrem Traum hatte das immer weniger zu tun.