Der Tod ist sicher, das Grab nicht

Björn Bowinkelmann
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60 Vorsorgeverträge für Urnengemeinschaftsgräber könnten nicht eingehalten werden, weil die Stadt die Gebühren um 75 Prozent erhöht hat.

Styrum. Es war ein Testlauf für ein neues und günstiges Bestattungsprodukt: das Urnengemeinschaftsgrab als Alles-Inklusive-Paket für 1799,81 Euro. Im Preis inbegriffen: sämtliche Friedhofsgebühren, Nutzungsrechte und die Grabpflege für 25 Jahre.

Doch die Tage für dieses Schnäppchen sind gezählt. Zukünftig wird die gleiche Leistung knapp 2400 Euro kosten. Grund: Die Stadt hat zum 16. Juni 2011 die Gebühren für die Urnengemeinschaftsgräber „drastisch“, wie sie es selbst formuliert, um 75 Prozent erhöht.

Günstige Restplätze

An das günstige Schnäppchen kommt nur, wer jetzt noch schnell stirbt. Denn es gibt noch freie Restplätze auf den „Testfeldern“. Seit 2007 befindet sich auf dem Hauptfriedhof und dem Friedhof Styrum jeweils ein Feld mit Urnengemeinschaftsgräbern. In den zwölf Quadratmeter großen Gräbern liegen 16 Urnen, in der Mitte des Grabfeldes steht ein Grabstein mit allen Namen der Beigesetzten und um den Stein sind Blumen gepflanzt. „Das sind würdevolle und nicht anonyme Gräber“, fasst Friedhofsgärtner Hermann Freitag die Attraktivität des Angebotes zusammen.

Für die beiden Felder hat die Rheinische Treuhandstelle für Dauergrabpflege, als Interessenvertretung der Mülheimer Friedhofsgärtner, das Nutzungsrecht von der Stadt erworben und stellt das Alles-Inklusive-Paket seinen Kunden komplett in Rechnung. Für alle Bestattungen auf diesen Feldern gilt der alte Preis, bis alle Plätze belegt sind. Stadt und Friedhofsgärtner rechnen damit, dass die insgesamt noch möglichen 67 Urnen auf dem Hauptfriedhof und in Styrum bis Ende des Jahres aufgrund der hohen Nachfrage liegen werden. „Seit drei Jahren sind mehr als die Hälfte aller Beisetzungen auf dem Styrumer Friedhof in Urnengemeinschaftsgräbern erfolgt,“ sagt Hermann Freitag.

Gebühren müssen nachgezahlt werden

Pech könnten diejenigen haben, die vorgesorgt haben und schon vor der Gebührenerhöhung einen Platz auf dem Urnengemeinschaftsgrab gekauft haben. Sollten die beiden Testfelder voll sein, werden die derzeit existierenden 60 Vorsorgeverträge hinfällig. „Die Kunden müssen die erhöhten Gebühren an die Stadt nachzahlen“, sagt Friedhofsgärtner Bernd Buchholz. Ein Novum in der Geschichte der Treuhandstelle, die die Vorsorgeverträge verwaltet: „Wir haben noch nie einen Vertrag nicht erfüllen können“, sagt Martin Walser, Geschäftsführer der Treuhandstelle, die 1966 gegründet wurde.

Die Friedhofsgärtner hätten sich damit abgefunden, dass sie das Vertrauen der Kunden mit Vorsorgeverträgen wohlmöglich enttäuschen müssen, auch die Gebührensteigerung hätten sie nach dem finalem Ratsbeschluss akzeptiert, sagen sie. Doch lege die Stadt ihnen bei dem Erfolgsprodukt Urnengemeinschaftsgrab weiterhin Steine in den Weg. So will die Stadt sich das Recht einräumen, Felder mit Urnengemeinschaftsgrabfeldern zu kündigen, sollte die letzte Bestattung mehr als sechs Monate zurückliegen. „So können wir nicht planen, wir bräuchten wenigstens zwölf Monate“, sagt Freitag. Es seien solche und andere Kleinigkeiten, mit denen man sich mit der Stadt nur einig werden müsse. Doch: „Wir versuchen seit Mai mit der Stadt zu reden, aber wir kriegen kein Gehör“, sagt Friedhofsgärtner Buchholz.