„Der subversive Geist“ weht durch die Alte Post

Fünfzig Positionen, zehn Museen, eine Ausstellung. „Der subversive Geist“ im Kunstmuseum Mülheim.
Fünfzig Positionen, zehn Museen, eine Ausstellung. „Der subversive Geist“ im Kunstmuseum Mülheim.
Foto: WAZ FotoPool
Eine ungewöhnliche Geräuschkulisse ist in der Alten Post zu vernehmen: Zwischen blökenden Schafen, leisem Stimmengewirr, über Monitore flirrenden Bildern, Schattenspielen an der Wand und beweglichen Installationen findet sich der Betrachter in einer originellen und witzigen Ausstellung wieder, in der es viel zu entdecken gibt.

Mülheim.. Eine ungewöhnliche Geräuschkulisse ist in der Alten Post zu vernehmen: Zwischen blökenden Schafen, leisem Stimmengewirr, über Monitore flirrenden Bildern, Schattenspielen an der Wand und beweglichen Installationen findet sich der Betrachter in einer originellen und witzigen Ausstellung wieder, in der es viel zu entdecken gibt. Eine spielerische Schau, die angetreten ist, alte Standpunkte zu verrücken und mit Klischees aufzuräumen: welch schöner Schein und ein bisschen „verrückt“ dazu.

Mit Humor und Zeit an die Sache gehen

Jedenfalls sollte der Besucher mit Humor und Zeit an die Sache gehen wie die Kreativen selbst. Insgesamt neun Künstler aus dem Ruhrgebiet zelebrieren lustvoll die mediale Grenzüberschreitung, hinterfragen Alltagskultur, Kunstbetrieb und Klischees in Filmen, Fotos, Bildern, Installationen und Aktionen – mit reichlich Sprachwitz, Selbstironie und Augenzwinkern. Was sie alle verbindet, ist die Offenheit für künstlerische Experimente.

„Der subversive Geist“ ist die Ausstellung überschrieben, die sich unter dem Thema „Ruhr-Kunst-Szene“ den wegweisenden Tendenzen und Strömungen widmet, die für die gegenwärtige Kunst des Ruhrgebietes charakteristisch sind.

Für das Gemeinschaftsprojekt sind die Ruhr-Kunst-Museen näher zusammengerückt: Zehn Häuser zeigen die Vielfalt der Region in 50 Positionen in einer Ausstellung. Mit dem Ziel, „das Ruhrgebiet als Kulturort und Kunstlandschaft zu positionieren und die Potenziale zu verdeutlichen“, betont Museumsleiterin Dr. Beate Reese. Die geballte Kraft zählt und so übernahm Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Schirmherrschaft über die Veranstaltung von Bochum bis Witten.

Jedes Museum wählte ein eigenes Thema

Jedes Museum hat sich ein eigenes Thema gewählt, angelehnt an die Ausrichtung des Hauses. Für Mülheim „sind Zeiten der 70er und 80er Jahre charakteristisch“, so Reese. Am künstlerischen Aufbruch war die Mülheimer Filmemacherin Dore O. maßgeblich beteiligt, die sich vor allem im Bereich des Experimentellen Films von traditionellen Techniken absetzte. Aber auch Klaus Urbons war ein Vorreiter in der Copy Art und schon früh mit Aktionskunst unterwegs. So wird u.a. sein „Kunstschutzkeller“, den er 1984 an der Friedrichstraße einrichtete, erstmals dokumentiert.

Als experimentelle Film- und Medienstadt hatte Mülheim in den 70er und 80er Jahren einen Ruf. Und da darf Tausendsassa Christoph Schlingensief natürlich nicht fehlen. Mit Lockenperücke und auf Stöckelschuhen stolpert er in einem der Filme, die immer chaotisch enden, durchs Bild. Die teils in Mülheim gedrehten ZAK-Beiträge für den WDR sind zu sehen wie Drehbücher und Filmplakate, u.a. fürs legendäre Kettensägen-Massaker samt Hackebeil und Schweinskopf.

 
 

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