Der Schock der Tengelmänner - Was geschieht mit den Märkten?

Stürmische Zeiten in der Tengelmann-Zentrale in Mülheim-Speldorf: Die Rettungsgespäche sind gescheitert.
Stürmische Zeiten in der Tengelmann-Zentrale in Mülheim-Speldorf: Die Rettungsgespäche sind gescheitert.
Foto: Lars Heidrich
Nach dem Scheitern der Rettungsgespräche ist auch die Zukunft der Mülheimer Tengelmann-Märkte höchst ungewiss. Den Mitarbeitern droht der Jobverlust.

Mülheim. Die Nachricht schlug am Donnerstagabend wie eine Bombe ein: Die erhoffte Lösung im Konflikt um die Zukunft der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann ist auf der Zielgeraden doch gescheitert. Schnell brachten Kunden diese schlechte Nachricht in die Geschäfte.

Nun ist eine Zerschlagung angekündigt. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass für zahlreiche Filialen kein Supermarktbetreiber gefunden werden kann“, so Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Eine große Zahl an Arbeitsplätzen gehe wohl verloren. Sozialplanverhandlungen sollen starten.

Kaiser's Tengelmann betreibt in Mülheim vier Märkte

In Mülheim betreibt Kaiser’s Tengelmann noch vier Märkte, mit denen Haub nun in die Einzelverwertung gehen will. Es sind die in Speldorf (Klimamarkt an der Wissollstraße), im Saarncenter, im Rhein-Ruhr-Zentrum und in Holthausen (Zeppelinstraße). Alle gelten als nicht makellos. Laut „Bild am Sonntag“ existierten bei Tengelmann schon Schließungspläne für den Markt im Rhein-Ruhr-Zentrum. Die Märkte in Saarn und Holthausen gelten von ihrer Größe her als zu klein für die Ansprüche eines modernen Betriebs. Der Klimamarkt kämpft Insidern zufolge seit Jahren mit kräftigen Umsatzeinbußen, zuletzt habe die neue Rewe-Konkurrenz im Depot Kunden abgezogen. In Holthausen gibt es zudem Parkplatzprobleme.

Dort beendet eine Verkäuferin Donnerstagabend ihre Schicht: „Das wird ein frustriertes Weihnachtsfest. Die gierigen Bosse der anderen Supermarktketten werden versuchen, uns ganz schnell loszuwerden, damit noch mehr Geld in ihre Taschen fließt. Ich bin total enttäuscht.“ Das Aus für Kaiser’s-Tengelmann macht vor und im Holthausener Laden schnell die Runde. „Sind sie morgen noch für mich da?“, fragt eine Rentnerin. „Sie dürfen das Geschäft hier nicht zumachen. Wo soll ich in der Nähe noch einkaufen?“, fragt sie bitter.

„Viele Kunden haben längst mit den Autoreifen abgestimmt“, sagt ein Mann. „Mir gefällt der familiäre Markt. Nun kaufen Konzerne die Konkurrenz auf, nehmen sie vom Markt und überlassen die arbeitslosen Verkäuferinnen dem Steuerzahler“, wettert er. Eine andere Seniorin sucht draußen in der Auslage die günstigen Bohnen: „Die Dämmerung verbreitet Novemberstimmung. In dieser Jahreszeit sterben die meisten“, sagt sie altersweise. „Das Personal hier war immer sehr freundlich.“

In einem unternehmensinternen Umsatzranking der nur noch 104 NRW-Filialen für einen der vergangenen Monate schneidet die Holthausener Filiale aus Mülheimer Sicht am besten ab – Rang 13. Die Filiale in Saarn, die bald noch Rewe-Konkurrenz vor Ort bekommt, landet da auf Platz 30 (Vorjahr: Platz 22), der Klimamarkt auf Platz 43 (2015: Platz 25) und der im Rhein-Ruhr-Zentrum auf Platz 72 (Vorjahr: Platz 79).

Edeka-Händler interessieren sich für Mülheimer Märkte

Was wird aus den Märkten? Was wird aus der Nahversorgung vor Ort? Eine Verkäuferin berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung zuletzt, dass in den vergangenen Monaten immer wieder Händler der Konkurrenz in den eigenen Märkten gesichtet wurden, wohl um sich ein genaues Bild vom Zustand der Märkte zu machen.

Für einen Markt interessiert sich Edeka-Händler Heinz Wilhelm Paschmann, zuletzt wollte er aber nicht preisgeben, für welchen. Auch die Geschäftsführung von Edeka Kels (Marktbetreiber auf der Heimaterde und in Ratingen) soll gesichtet worden sein.

 
 

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