Der Mann für alles

Foto: NRZ
Sinan Günay kocht jeden Montag mit Kindern in Eppinghofen. Er selbst ist erst 17 Jahre alt - und ein Vorbild für die anderen.

Mülheim.. 

Der Mann für alles verspätet sich um wenige Minuten. Dann öffnet sich die Eingangstür des Gemeindehauses am Goetheplatz und Sinan tritt ein. 17 Jahre alt, das schwarze Haar modisch auf Länge gebracht und mit einer Baseballkappe modifiziert, in den Händen hält er ein Plastikpaket mit Wasserflaschen, das leise quietscht, während er es in die Küche trägt.

Danach betritt er den großen Saal, den er vorbereiten möchte. So, wie er ihn jede Woche vorbereitet. Die Tische holt er dann aus dem Lagerraum und stellt sie in einem großen Kreis auf, damit auch jedes Kind genügend Platz bekommt, wenn die Speisen zubereitet werden. Denn Sinan Günay kocht gemeinsam mit kleinen Kindern. Jeden Montag, einmal in der Woche.

Initiiert hat das „KochKulturProjekt“ der Multikulturelle Familienverein unter Federführung der Gesundheitsmediatorin Najat Bahbahi. Gesunde Ernährung erlernen, Kontakte knüpfen - die Gründe, warum Mütter mit ihren Kindern an dem Angebot teilnehmen, sind vielschichtig.

Und auch die Zahl der Teilnehmer variiert häufig. Mal sind es vier Kinder, mal 14, die sich montags um 16 Uhr am Goetheplatz treffen. Sinan aber ist immer da. Zu verdanken hat er die Aufgabe seiner Mutter. Die hatte ihn im Sommer zum ersten Mal mitgeschleppt und konnte die Freude nur langsam in ihrem Sohn wecken. Mittlerweile macht es ihm Spaß. Besonders, weil er feststellte, wie leicht man die Begeisterung bei den Kindern entfachen kann. „Es ist nicht schwierig, ein Vorbild zu sein“, sagt Sinan jetzt wie selbstverständlich.

„Es wird mir schon fehlen“

Seitdem ist er der Mann für alles. Baut die Tische auf, verteilt die Arbeiten und zeigt den Kindern unter anderem, wie man Gemüse schält und schneidet.

Auch, wenn sein Berufswunsch nicht Koch, sondern ein ganz anderer ist: Schreiner. Derzeit sucht er noch einen Praktikumsplatz. Und wenn es damit klappen sollte, „baue ich mit den Kindern eben Holzhäuser“, sagt Sinan und lächelt. Teils aus Überzeugung, teils aus dem Wissen heraus, dass es nicht einfacher wird, den Kindern auch in Zukunft ein Vorbild zu sein. Genauso wie der Tag des Abschieds kommen wird. „Es wird mir schon fehlen“, sagt Sinan Günay. mehr sagt er nicht.

Doch bis es soweit ist, wird er am Montagnachmittag vor allem eines sein: Der Mann für alles..

 
 

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