Der Klima-Teufel steckt im Detail

Steffen Tost

Wer sich einen Fingerzeig von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) in der Auseinandersetzung um die Bebauung der Tilsiter Straße erhofft hatte, musste enttäuscht werden. Bei der Veranstaltung zum Thema Stadtentwicklung, Natur und Klimaschutz, zu der die Grünen in den Hörsaal des Max-Planck-Institutes eingeladen hatten, wiederholte der Mann aus Düsseldorf, dass er sich bei lokalen Angelegenheiten – was gleichermaßen für das Fallwerk an der Weseler Straße und den Flughafen gelte – zurückhalten werde. Dass der Minister vehement dafür eintrat, den Flächenverbrauch auch im Interesse eines besseren Stadtklimas zu drosseln, hilft wenig.

Im Ungefähren blieb da auch Planungsdezernent Peter Vermeulen (CDU), der mit dem neben ihm sitzenden Minister auffallend wenig Blickkontakte wechselte. Für die Aussage „Kaltluftschneisen gehören nicht zugebaut, sie sind extrem wichtig“, erhielt er Applaus und Britta Stalleicken, Sprecherin der Initiative Frische Luft für Mülheim, die inzwischen 3900 Unterschriften gegen die Bebauung gesammelt hat, meinte in ihrem Schlusswort. „Wir werden Sie beim Wort nehmen.“ Zu bekommen ist da allerdings nichts, denn es handelt sich nur um eine allgemeine Aussage. Wäre Vermeulen der Auffassung, dass die Straßenrandbebauung den Kaltluftstrom in die City massiv behindert, hätte er daraus längst die Konsequenz gezogen und der Politik vorgeschlagen, den Plan einzustampfen. Das hat er nicht, weil die Verwaltung bislang nur von einer zu vernachlässigenden Einschränkung ausgeht, worüber in der Vergangenheit schon ausgiebig gestritten worden ist. Vermeulen wirkte durchaus sympathisch und lachte auch amüsiert, als Tim Giesbert, Fraktionschef der Grünen, feststellte, das wohl keine der Entscheidungen zum Klimaschutz im Rat mit den Stimmen der CDU getroffen worden sei.

Der Schlüssel zur Kaltluft- Aussage ist eine andere Bemerkung Vermeulens. So merkte er früh an, dass sich unter den sieben Mitgliedern des Podiums und den rund 100 Zuschauern über die großen Themen wohl rasch Einverständnis hergestellt ließe. „Bei den Allgemeinplätzen werden wird uns treffen.“ Die Unterschiede würden sich erst zeigen, wenn tiefer ins Detail gegangen werde.

Und genau darin bestand auch das Problem dieser Veranstaltung. Zu viele Facetten des Klimaschutzes wurden aufgefächert, zu dem auf dem Podium zu viele Personen zu Wort kamen, so dass die Themen nur oberflächlich behandelt werden konnten. Da sprach Vermeulen über den nötigen Rückbau von Häusern, weil es zu viele Schrottimmobilien in der Stadt gäbe, bei denen sich eine energetische Sanierung nicht lohne, versprach „Grüne Korridore“ für einen Biotopverbund, so wie es sich Peter Keil von der Biologischen Station wünschte. Da wurde über zu viel Autoverkehr in der Stadt und zu schlechte Bedingungen für Fahrradfahrer geklagt, die Begrünung von Brachen und Sanierung von Altlasten gefordert und Susanne Dickel von der Klimaschutzinitiative nannte auch einige ihrer Projekte, bei denen Bürger aufgerufen sind, mitzumachen.

Zum Auftakt des Abends, passend zum Hörsaal, ging es mit einem 25-minütigen Impuls-Referat des Ministers ins Grundsätzliche. In den nächsten Jahren müssten sich alle Lebensbereiche grundlegend ändern, damit der Kohlendioxid-Ausstoß drastisch reduziert werden könnte. Nicht alle Einschränkungen müssten mit Komfortverzicht verbunden sein. Von Forschungseinrichtungen wie dem MPI erhofft er sich Impulse. Mit seinem Handy winkend stellte er fest, dass vor 20 Jahren auch niemand die Revolution in der Kommunikationstechnologie für möglich gehalten hätte.

Vor dem Eingang des Hörsaalgebäude gibt es aber noch nicht einmal einen Fahrradständer, an dem man sein Rad abschließen könnte. Manchmal beginnt der Fortschritt mit einem kleinen Schritt.