Der Entwurf einer Netzstadt

Mirco Stodollick
Ein Entwurf für die neue Nutzung der Bahnbögen.
Ein Entwurf für die neue Nutzung der Bahnbögen.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim. Planungsexperten und Studenten schlagen der Stadt zum Ende der Charrette-Woche vor, sich strategisch neu aufzustellen: Es ist das Bild von einer „Netzstadt“ entworfen worden, die nicht nur die Schloßstraße als wesentliche Handelsachse im Blick hat, sondern sämtliche bedeutende Zuwegungen zu den Orten, die für Mülheim ein Alleinstellungsmerkmal sind. In Augen der Charrette-Projektleitung sind dies die Ruhr und die Altstadt.

Die Idee von der „Netzstadt“ sei bei Rundgängen und den Diskussionen im „Wertstadt“-Büro entstanden, so Projektleiter Prof. Harald Kegler gestern bei der Präsentation der Ergebnisse der Charrette-Woche. Wer ein Netz über die Stadt spanne, binde damit die Vielzahl städtebaulicher Orte in der Innenstadt mit ein, die Potenzial hätten, die Stadt erlebbarer zu machen.

begrünte "Highline"

Neu zu denken seien die Achsen zwischen entstehendem Radweg auf der alten Güterbahntrasse der Rheinischen Bahn, den Bahnbögen, dem Rathausmarkt und der Altstadt, so Kegler. Schon im Kleinen sei viel zu erreichen. Boule am Fischbrunnenplatz etwa – sofort machbar, bereichernd wie belebend.

Das Ensemble rund um den Rathausmarkt ist als ein Schwerpunkt zur Entwicklung ausgemacht. Wie anregend die Gedankenspiele: der Radweg gestaltet nach New Yorker Vorbild, als begrünte „Highline“ mit Aufenthaltsmöglichkeiten. Darunter die Bahnbögen: eine transparent Nutzung mit Glasfassade, dahinter Cafés, ein Teil vielleicht als Ateliers oder Studentenwohnungen. Und der Rathausmarkt, wieder „gute Stube“ der Innenstadt – mit attraktivem (Weihnachts-)Markt, überhaupt: als Veranstaltungsort, Treffpunkt, der bei Bedarf überdacht werden kann?

Ein wunderbarer Boulevard

Auch die Ost-West-Verbindungen sind in der „Netzstadt“ mehr herauszustellen. Vom Hauptbahnhof über die Wallstraße zur Ruhr – da steckt laut Charrette-Akteuren reichlich Potenzial drin. Noch mehr in der Leineweberstraße, den „wunderbaren Boulevard“ (Kegler), der, erst mal aufgewertet, den Stellenwert der Altstadt herauszustellen vermöge. Von der Netzstadt zum Kaufhof: Ideen für Zwischennutzungen für das alte Waren- samt Parkhaus gibt es reichlich. „Wichtig ist“, so Kegler, „dass es sofort losgeht.“ Wie berichtet, wollen Mülheimer Kreative schon in der nächsten Woche Pläne zur Umsetzung schmieden.

Weitere Bürgerbeteiligungen möglich

Für neue Nutzungskonzepte, Erhalt oder Teilabriss der Kaufhof-Immobilie gibt es – wie berichtet – auch viele Ideen. Die in der Charrette-Woche entworfene „Zukunftscollage“ lasse da alle Optionen offen, so Kegler. Hohe Erwartungen habe man an den Gastauftritt des Kaufhof-Eigentümers Jochen Hoffmeister am Mittwoch geknüpft. Die Zauberkarte habe dieser leider nicht aus dem Ärmel gezogen.

Stadtplaner Kegler und sein Team reisen heute wieder nach Weimar, dort wird weiter an der Auswertung der Bürgerbeteiligung gearbeitet. Das vom Bund geförderte Forschungsprojekt „Innovationen für Innenstädte“ ist auf drei Jahre ausgelegt. Man bleibe im Gespräch mit den Akteuren. Möglich seien, so Kegler, auch weitere Bürgerbeteiligungen, wenn es darum gehe, Planungen zu konkretisieren.