Der Arbeitsmarkt verändert sich

Über ein Drittel der Mülheimer Arbeitnehmer ist in Teilzeit beschäftigt, hat einen Mini-Job oder ist in einem Leiharbeiterverhältnis. Das zeigt eine aktuelle Studie der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert, dass unsichere Jobs, die sogenannte „atypische Beschäftigung“, immer mehr zum Normalfall werden – 36,4 Prozent der Beschäftigten in der Stadt fielen 2014 in diese Kategorie. „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Yvonne Sachtje, die Geschäftsführerin der NGG im Ruhrgebiet. Wolfgang Schmitz, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes, hält dagegen. „Eine Teilzeitbeschäftigung muss nicht automatisch etwas Schlechtes sein.“

Die Gewerkschafterin Sachtje spricht mit Blick auf die Ergebnisse der Studie von einer „alarmierenden Tendenz“. 25 090 Mülheimer Arbeitnehmer waren 2014 danach atypisch beschäftigt, das entspricht bei insgesamt 68 839 Beschäftigten einem Anteil von 36,4 Prozent. Freilich ist dieser Wert seit drei Jahren nahezu gleich. Die Teilzeitarbeitverhältnisse machen seit drei Jahren rund 17 Prozent der atypischen Beschäftigungsverhältnisse aus. Die Minijobs schwanken seit 2011 zwischen zwei-- und aktuell - 1,5 Prozent. Für die Jahre zuvor liegen zwar auch Werte vor. Doch damals war die Erhebungsmethode anders. Deswegen können sie nicht zum Vergleich herangezogen werden. Mülheim liegt etwas unter dem deutschlandweiten Schnitt. Dort liegt der Anteil der atypisch Beschäftigten bei rund 39 Prozent. In Oberhausen ist die Quote deutlich höher. Dort gehört fast jeder zweite Arbeitnehmer in diese Kategorie.

„Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger“, lautet die Bilanz von Sachtje. Unternehmer-Vertreter Wolfgang Schmitz hinterfragt dagegen die Studie. So werde bereits dann von Teilzeit gesprochen, wenn die Wochenarbeitszeit unter 35 Stunden liegt. Die Bundesagentur für Arbeit lege jedoch eine Wochenarbeitszeit von weniger als 21 Stunden zugrunde, um von Teilzeit zu sprechen“. Schmitz vertritt eher den Ansatz, auf das Einkommen zu schauen. „Wenn das Gehalt ausreicht, um eine Familie zu ernähren, dann ist das vollkommen in Ordnung.“

Zumal Teilzeitarbeit auch ausdrücklich von manchen Arbeitnehmern eingefordert werde, etwa bei der Familienplanung oder im Alter. So könnten junge Eltern die Arbeitszeit senken Oder auch als Vorstufe zur Rente gebe es immer häufiger Ansätze zu flexiblen Arbeitszeiten. „Das ist auch ein Weg, um Fachkräfte zu sichern“, so Schmitz.

Einig sind sich die Gewerkschafterin und der Unternehmervertreter in einem Punkt: In der Gastronomie-Branche sei die atypische Beschäftigung tatsächlich zu einem Problem geworden.

EURE FAVORITEN