Denkmalschutz gefährdet

Dennis Vollmer
Ohne Förderung und Bürgerengagement wären Projekte wie das der „Alten Dreherei“ nicht möglich geworden.
Ohne Förderung und Bürgerengagement wären Projekte wie das der „Alten Dreherei“ nicht möglich geworden.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Das Schloß Broich: eine Ruine. Die Alte Dreherei: abgerissen. Die Willy-Brandt-Schule: hätte keine ehrwürdige, restaurierte Fassade. Ohne eine Direktförderung des Landes gäbe es diese und andere stadtprägenden Denkmäler heute wohl nicht. Doch gerade diese wichtige Förderung will das Land künftig ganz einsparen. Für Erich Bocklenberg von der Unteren Denkmalbehörde ist das alarmierend: Denkmalgeschützte Gebäude der Stadt sind künftig bedroht.

Darunter auch das Schloß Broich, dessen Erhalt eine ständige Aufgabe ist. Bis zu 200 000 Euro jährlich flossen durch die Landesförderung in stadtbildprägende Gebäude oder auch in Einzelmaßnahmen: Hier war es das Fachwerk, dort ein Fenster oder eine Tür. „Die Direktförderung ist für unsere Stadt ein wichtiges Steuerelement zur Bewahrung von Geschichte“, meint Bocklenberg.

Ein Euro zieht zehn nach sich

Damit schufen Land und Stadt Anreize für kommunale wie private Eigentümer, kulturhistorisch wichtige Gebäude zu erhalten, deren Wirtschaftlichkeit aufgrund der Restaurierung infrage stand. Und das lohnte sich für beide Seiten, denn „ein Euro zieht in der Regel zehn Euro Investition nach sich“, rechnet Bocklenberg. Mit 200 000 Euro konnte die Ruhrstadt letztlich zwei Mio. Euro bewegen.

Dennoch hat die drastische Kürzung der Landesregierung im Denkmalschutz bereits begonnen: Im aktuellen Haushalt senkte sie die Fördermittel für die Denkmalpflege von rund zwölf auf nun zehn Millionen Euro. Ab 2014 soll dieser Fördertopf des Bauministeriums für Bau- und Bodendenkmalpflege auf ein Drittel, also um weitere fast sieben Millionen Euro zusammengestrichen werden. Am Ende – im Jahr 2015 – sollen die Fördergelder sogar ganz wegfallen; stattdessen will das Land Darlehen anbieten. Man zieht sich aus dem Denkmalschutz zurück, kritisiert Erich ­Bocklenberg, „dabei ist dies Ländersache“. Das Signal an Investoren sei ein denkbar schlechtes: Denkmalpflege, vor allem kleine erhaltende Maßnahmen seien künftig viel schwerer zu vermitteln, befürchtet Bocklenberg. Wer Mittel streiche, überlasse sie allein denjenigen, die es sich leisten können.

Fünf Anträge werden derzeit durch das Land gefördert. Für das nächste Jahr bereitet die Untere Denkmalbehörde als Vermittler derzeit Anträge vor, ohne zu wissen, ob dafür Geld zur Verfügung stehen wird. Darunter auch einer für das Schloß Broich. „Wie es hier weitergeht, kann ich nicht sagen“, sorgt sich Bocklenberg.