Demo für Mindestlohn im Einzelhandel in Mülheim

Verdi-Vertreterinnen protestierten in Mülheim gegen Billiglöhne im Einzelhandel.
Verdi-Vertreterinnen protestierten in Mülheim gegen Billiglöhne im Einzelhandel.
Foto: WAZ FotoPool
Im Einzelhandel arbeiten zu 80 Prozent Frauen. Am Wochenende demonstrierten Verdi-Vertreterinnen in der Mülheimer Innenstadt für einen Mindestlohn in der Branche. Laut der Gewerkschaft sind es vor allem die großen Einzelhändler mit vielen Filialen, die ihr Personal extrem niedrig entlohnen.

Mülheim. Lediglich acht Frauen sind am Samstagvormittag auf den Kurt-Schumacher-Platz gekommen, um einen Mindestlohn im Einzelhandel zu fordern. Die Verdi-Frauen ziehen lachend ihre roten Nikolaus-Kostüme an und entrollen Plakate. Die Passanten werden neugierig, bleiben stehen und kommen mit den aktiven Damen ins Gespräch.

„Mit dem Slogan ‘Das ist das Mindeste: Für einen Mindestlohn im Einzelhandel!’ machen wir auf die oft miserable Bezahlung vieler Frauen aufmerksam“, erläutert Verdi- Geschäftsführerin Henrike Greven. Im Einzelhandel arbeiten zu 80 Prozent Frauen – viele von ihnen als Minijoberinnen. Aus diesem Grunde haben die Aktivistinnen die Verbindung zum Weltfrauentag hergestellt. Auf einem großen Plakat wird die Frage gestellt: „Raten Sie mal, was zum Beispiel Minijoberinnen bekommen?“

Erste Gespräche vor der Sommerpause

Bei den genannten Beispielen fällt auf: Es sind die großen Einzelhändler mit vielen Filialen, die ihr Personal extrem niedrig entlohnen. Ein stellvertretender Filialleiter bei Tedi hat zum Beispiel sieben Euro in der Stunde verdient, ein Oberhausener Rewe zahlt seinen Mitarbeitern nur 5,50 Euro pro Stunde. Auch das Mülheimer Unternehmen Trink & Spare tummelt sich mit zum Teil sechs Euro Stundenlohn an der unteren Grenze. Firmen wie Esprit oder Kik zahlen nicht über acht Euro.

„Wir fordern einen deutschlandweiten gesetzlichen Mindestlohn in allen Bereichen. Die Politik verspricht das seit Jahren“, betont Verdi-Sekretär Günter Wolf und klagt: Deutschland mache in der EU die Lohnpreise kaputt. Verdi fordert für den Einzelhandel ein separates Tarifwerk, unabhängig vom Flächentarif oder vom gesetzlichen Mindestlohn. „Viele Arbeitgeber sind da gar nicht abgeneigt, weil sie merken, dass sie bei der ‘Unterbietungskonkurrenz’ untergehen“, erläutert Wolf. Die „Billigheimer“ seien vielen Unternehmern ein Dorn im Auge. Erste Gespräche würden voraussichtlich vor der Sommerpause aufgenommen, die Entscheidung dann in Berlin gefällt.

Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden

„Unsere Aufgabe ist es, auf die schwarzen Schafe aufmerksam zu machen, und davon gibt es leider auch hier einige“, sagt Wolf und erläutert, dass in Mülheim Kapitalgesellschaften die meisten Geschäfte gehören. Da seien die Mitarbeiter nur eine Nummer. „Es kann nicht angehen, dass Löhne so niedrig sind, dass die Menschen Arge-Mittel brauchen, um ihren Lebensunterhalt aufzustocken und ihnen zusätzlich noch die Altersarmut droht. Außerdem ist es nicht einzusehen, dass die Allgemeinheit die Profite der Unternehmen zahlt“, sagt Günter Wolf und bietet Beratung und juristische Unterstützung allen Mitgliedern an, die glauben, ungerecht entlohnt zu werden. „Leider haben wir in Deutschland kein Verbandsklagerecht, so muss jeder individuelle Fall einzeln betrachtet werden.“

Verdi kann in Mülheim auf mehrere erfolgreich ausgefochtene Fälle zurückblicken. Die Verhandlungen gegen Trink & Spare sind eingestellt, da „Geld geflossen ist und die Mitarbeiter damit wohl zufrieden waren“, so Wolf. Öffentlichkeit böte in vielen Fällen einen Schutz, so dass einige Arbeitsverhältnisse auch nach einer juristischen Auseinandersetzung bestehen blieben. Ein einziger Kammertermin beim Arbeitsgericht gegen Edeka Kels stehe im April noch aus. Da wird dann entschieden, ob geleistete Überstunden nachbezahlt werden.

 
 

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