Debatte über Nachnutzung des Flughafens startet

140 Hektar umfasst das Flughafengelände
140 Hektar umfasst das Flughafengelände
Foto: www.blossey.eu
Mülheims Chef-Wirtschaftsförderer Schnitzmeier kündigt zeitnahe Gespräche mit der Stadt Essenzur künftigen Nutzung des Flughafen-Areals an.

Mülheim.  Mülheims Chef-Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier hat auf Nachfrage dieser Zeitung Gespräche mit der Stadt Essen zur möglichen Nachnutzung des Flughafen-Areals angekündigt. Ein Mix aus Gewerbe, Wohnbebauung und Freiflächen ist in der Diskussion.

Das „Netzwerk Mülheimer Bürger gegen Fluglärm“ hatte in dieser Woche der Stadtspitze erneut vorgeworfen, sie verspiele „ihre Chance für eine zukünftige wirtschaftliche Positionierung“, indem sie sich der Planung von Nutzungsalternativen im Falle der Einstellung des Flugbetriebes verweigere. Initiativen-Sprecher Waldemar Nowak verwies auf einen entsprechenden politischen Auftrag, der der Fachverwaltung längst erteilt sei.

Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung „Mülheim & Business“, reagiert genervt: „Wir brauchen keine Aufforderung der Bürgerinitiative, um uns mit dem Thema zu beschäftigen.“ Es gebe jenen Ratsbeschluss – den würden M&B und Planungsdezernat auch umsetzen. „In den nächsten Wochen werden wir uns mit den Fachkollegen in Essen zusammensetzen“, so Schnitzmeier.

Essens neuer OB will Wohnen, Gewerbe und Freifläche

„Das, was jetzt bebaute Fläche ist, soll bebaute Fläche bleiben“, sagte der frisch gewählte Essener OB Thomas Kufen (CDU) auf Anfrage. Auf eine starre Quote – etwa je ein Drittel für Wohnen, Gewerbe und Freifläche – will er sich nicht festlegen. Das sei noch auszuloten. Kufen will in die Debatte über die Nachfolgenutzung Bürger einbinden – insbesondere diejenigen, die sich seit Jahren gegen Fluglärm oder Helikopter-Flüge wehren.

„Es gibt im Moment nichts zu sagen“, will Mülheims Planungsdezernent Peter Vermeulen „im schwebenden Verfahren“ keine Wasserstandsmeldung machen, die über das hinausgeht, was M&B-Chef Schnitzmeier sagt. Der hält das Flughafen-Areal „mehr als geeignet“ dafür, etwas gegen die „desolate Gewerbeflächensituation“ zu tun – „auch wenn wir wissen, dass das erst mittelfristig der Fall sein kann“. Auch Wohnbebauung sei vorstellbar. Zu beachten seien Natur- und Klimaschutz.

Initiative sieht Eile geboten, BHM-Chef nicht

Initiativen-Sprecher Nowak sieht derweil Eile geboten, weil die Klage des Landes zur Auflösung der Flughafen-Gesellschaft erfolgversprechend und der Flugbetrieb dann kurzfristig einzustellen sei. Die Stadt sollte nicht verschlafen, „attraktive Gewerbe- und Wohnflächen zu erschließen“. Nowak fordert einen Ideenwettbewerb.

Hendrik Dönnebrink als Chef der Beteiligungsholding sieht keinen Zeitdruck – und das unabhängig vom offenen Streit, wann ein Ausstieg für Mülheim überhaupt ohne großen finanziellen Aufwand möglich wäre. Zum einen sei ein Urteil frühestens in ein, eineinhalb Jahren zu erwarten, auch sei nach einem Ende des Flugbetriebes in einem langwierigen Verfahren auch die Fläche zu entwidmen.

Das sagt Mülheims Politik 

Stattliche 140 Hektar misst das Flughafengelände in Raadt, Eigentümer sind die Städte Mülheim und Essen. Was sagen die Fraktionschefs im Stadtrat zur Debatte über eine Nachnutzung des Areals? Wir haben nachgefragt.

SPD

„Ich sehe keinen Zeitdruck, es sind noch 19 Jahre bis zum Jahr 2034“, sagt Dieter Wiechering. Die Pachtverträge mit WDL und Aero-Club seien für die Stadt bindend. Eine Diskussion über Nachnutzungen müsse die Rechte und Interessen der Flughafen-Firmen, der Arbeitnehmer am Flughafen und der Bürger berücksichtigen.

CDU

„Die Richtung geht zu einem Drittel Erholung, einem Drittel Gewerbe und einem Drittel Wohnen“, sagt Wolfgang Michels. Weder Aero-Club noch WDL müssten seiner Meinung nach weichen. Dafür sei „ein Sonderlande­plätzchen“ auf grüner Wiese ausreichend, die große Landebahn könne aufgegeben werden. Schadenersatzansprüche von WDL und Aero-Club sieht Michels in diesem Fall nicht.

MBI

Auch wenn aus der Klimaexpo auf dem Areal nichts geworden sei, so Lothar Reinhard, sei die Idee, in Raadt Firmen anzusiedeln, die im Sinne des Klimawandels aktiv sind, weiter interessant. Wohnen oder Handel (etwa großflächig mit Möbeln) lehnt er ab. Zu beachten sei, dass das Areal eine wichtige Funktion für die Durchlüftung Mülheims habe.

Grüne

Die Fraktion will laut Tim Giesbert wie das Netzwerk und die Jusos einen Ideenwettbewerb unter Einbindung der Bürger in Gang gesetzt sehen. Im Einklang mit der CDU denken die Grünen an eine dreiteilige Nutzung des Areals für Wohnen, Gewerbe und Grünfläche – „im Einvernehmen mit klimatischen Belangen“. Man sei aber diskussionsbereit.

FDP

Fraktionschef Peter Beitz hat gar keine Lust auf eine Nachnutzungsdebatte. Die FDP bleibe bei ihrer Position, den Flughafen mit den Arbeitsplätzen dort zu erhalten und ihn „idealerweise noch für die kleine Düse auszubauen“. Der Flughafen sei ein Alleinstellungsmerkmal für Mülheim, „ein x-beliebiger Logistikstandort wäre das nicht“. Die diskutierte Nutzung mit Gewerbe und Wohnen ist nach Ansicht von Beitz mit hohen Kosten (Rückbau, Schadenersatzansprüche) verbunden.

 
 

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