Das zweite Licht-Kunst-Festival - ein Sommernachtstraum

Lichtkunstfestival  auf der Freilichtbühne.
Lichtkunstfestival auf der Freilichtbühne.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA

Mülheim. „Wir wollen unseren Besuchern eine Alternative zum Mainstream des Privatfernsehens bieten“, sagte Gert Rudolph, Mit-Organisator des zweiten Licht-Kunst-Festivals. Gemessen an diesem Anspruch, war das Lichtevent rund um die Freiluftbühne an der Dimbeck ein voller Erfolg.

Tausende Mülheimer und Gäste aus der Region wanderten am Wochenende fasziniert durch den farbig illuminierten Park, bestaunten dutzende fantasievolle Lichtinstallationen. Damit hatten fast 20 Mülheimer Lichtkünstler die weitläufige Grünanlage auf rund 50.000 qm in einen Sommernachtstraum verwandelt. Umsonst und draußen.

Bäume zeigen ihr Nachtgesicht

Ein bunter Regenbogen – nach Einbruch der Dunkelheit tauchten hunderte Scheinwerfer den gesamten Park flächendeckend in ein Farbenmeer. Vom Boden aus angestrahlt zeigten Bäume, Büsche und Sträucher ihr Nachtgesicht, zeichneten sich Äste und Zweige mit scharfen Konturen gegen den Nachthimmel ab, warfen dunkle, bizarre Schatten. Und die Felsen im „Steinbruch“ des Parks formten sich zu erhabenen, majestätischen Gebilden.

Die nächtlichen Wanderungen durch die verwandelte Natur untermalte die Mülheimer Rockband „Orange Swan“ mit ihren träumerisch-traumatischen Klängen, verwandelten die Streifzüge durch die Parklandschaft in einen psychedelischen Trip, in ein optisch-akustisches Gesamtkunstwerk. Der Magie dieses Ortes entzogen sich nur wenige Besucher.

Der Trip in eine andere Welt beginnt gleich hinter dem Eingang; Das Toilettenhaus zieren mannshohe Helden-Figuren, ironisch gemeinte Supermänner aus Pappmache, aus der Hand der Künstler „bld“ und „nuna“. Ein paar Schritte weiter die Bühne, auf der Mülheimer Bands und Solokünstler lautstark, aber gekonnt musizieren. Davor der stets bevölkerte Platz mit den Essständen: Dicht gedrängt stehen die Menschen, lauschen den Improvisationen der Musiker. Es ist ein Kommen und Gehen. Dahinter zerstreut sich der Strom der Besucher in alle Richtungen. „Strangers in the Night“: Über gewundene Wege geht es hinauf auf die Hügel.

Kunstvolle Gebilde werden in das richtige Licht gerückt

Dort erwarten die Besucher kunstvolle Lichtinstallationen: Peter Helmke und Helmut Kottkamp präsentieren „Das Wort von oben“. Kunstvolle Gebilde aus Pappmache, Draht und Lack, die von innen heraus in die Nacht leuchten. Davor Liegestühle, von denen sich die strahlenden Tannen gut beobachten lassen. Dann führt der Weg über einen von Lichterketten gesäumten, leuchtenden Pfad hinunter auf einen tiefer gelegenen Hügel.

Unterhalb des Hügels projiziert ein Overheadprojektor ein anmutiges Frauengesicht auf eine riesige Konifere, eine Installation der Lichtkünstlerin Kirsten Uecker. Einen Steinwurf entfernt treffen die „Freund der Nacht“ auf ein künstlerisches Objekt, eine mit grünem Kunstrasen überzogene Sitzecke, mit Stühlen, Tisch und Stehlampe. Davor kleine, wilde Gestalten. Alles in Schräglage. Heute Nacht kommt einem hier Manches schräg vor…

Bedeutungslosigkeit im Lichte der Ewigkeit

Zum Beispiel der Rosengarten, die „hängenden Gärten der Dimbeck“, denen Künstler JottKaa das Thema „Zeit“ gewidmet hat. Die Besucher können hier durch ein dreieckiges Zeitfenster schauen. Ihr Blick fällt auf die drei stufenartig angelegten Teiche, in denen JottKaa drei Wanduhren und dutzende tickende Wecker aufgestellt hat. Diese Rauminstallation ziert der Sinnspruch: „Betrachte die Dinge im Lichte der Ewigkeit – und du erkennst ihre Bedeutungslosigkeit.“ Die Treppen am Rosengarten hinauf erwarten die Nachtwanderer riesige Projektionen, die weitere Overhead-Projektoren von Kirsten Uecker auf hohe Bäume werfen: eine Frauengestalt, ein Vogel, beide mit farbigem Federschmuck, ein unheimlicher, blauer Wolf.

Auf dem Hügel darüber erwarten die Besucher eine Lichttreppe, ein Lichtmobile von Janet Kempken, ein bläulich angestrahltes Fahrrad mit Flügeln von Kirsten Uecker, auf dem Plateau mit dem Kinderspielplatz eine rhythmische Klanginstallation des Schlagzeugers und Komponisten Peter Eisold. Familien lassen sich in einem übermannsgroßen Portraitrahmen ablichten. Zwei weiß gekleidete junge Frauen posieren vor einem Felsklotz, der mit Teelichtern bedeckt ist. Bunte Leuchtstäbe, glitzernde Discokugeln reflektieren das Licht der Scheinwerfer. Und, und, und…

Lassen sich nicht vom Regen stören

Das alles genießen die Mülheimer sichtlich in vollen Zügen. Dieses Mal lassen sie sich auch nicht von dem Regen stören, der gegen zehn Uhr einsetzt. Besucher kommentieren das Lichtspektakel so: „Wunderbar!“, „Inspirierend!“, „Wirklich gelungen!“ Gert Rudolph zeigt sich zufrieden: „Spannende Orte entdecken, auf Entdeckungsreise gehen – diese Idee ist wieder aufgegangen.“

Wenn es nach ihm und Mitstreiter Michael Dawid geht, steht dem dritten Mülheimer Licht-Kunst-Festival nichts im Wege. Auch nicht das Wetter. Darauf kann man sich sowieso nicht verlassen…

 
 

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