Das Soziale ist für ihn der springende Punkt

Jan Niklas Vogelsang.
Jan Niklas Vogelsang.
Foto: NRZ
Jan Niklas Vogelsang ist erst 17 Jahre alt, will aber 2014 für den Rat der Stadt kandidieren.

Mülheim. Der 17-jährige Wirtschaftsgymnasiast Jan Niklas Vogelsang ist eines der knapp 2000 SPD-Mitglieder, die in etwa zwei Wochen über den Berliner Koalitionsvertrag abstimmen werden. „Zunächst war ich gegen eine Große Koalition, weil die letzte Große Koalition der SPD nicht gut getan hat, aber jetzt werde ich wohl doch mit Ja stimmen, um die gute Arbeit unserer Verhandlungskommission zu würdigen und weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass mit der Großen Koalition doch etwas gehen könnte“, sagt der Jungsozialist, der noch vor seinem Wirtschaftsabitur 2014 für den Rat der Stadt kandidieren will.

„Das Soziale ist für mich der springende Punkt in der Politik und die Städte sind ihr Fundament und das Rückgrat unserer Gesellschaft“, formuliert der jüngste Ratskandidat sein politisches Credo.

Ein Banker als Sozialdemokrat

Es überrascht, wenn man weiß, dass Vogelsang in seiner Freizeit Computerprogramme für Aktienanalysen schreibt und nach seinem Wirtschaftsabitur und einem Betriebswirtschaftsstudium (vielleicht als Banker) im Finanzwesen arbeiten möchte. Für ihn ist das kein Widerspruch. „Finanzmärkte und Banken sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie sind sogar volkswirtschaftlich notwendig. Doch die ausufernde Spekulation an den Finanzmärkten kann und darf keine Zukunft haben. Und deshalb bin ich unbedingt für eine Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung einer Börsentransaktionssteuer“, betont er.

Da wird der angehende Finanzfachmann ganz Sozialdemokrat. Weil der finanzpolitische Berater des Juso-Vorstandes glaubt, „dass unsere Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn auch sozial benachteiligte und geringverdienende Menschen stärker gefördert werden“, ist er seit drei Jahren Sozialdemokrat und will 2014 für seine Partei den Kommunalwahlkreis Holthausen-Süd gewinnen, der seit vielen Jahren eine CDU-Hochburg ist.

Für die doppelte Staatsbürgerschaft

Dass der junge Sozialdemokrat, der trotz des kommenden Abi-Stresses keine Angst vor einem Ratsmandat hat, sich mit der Großen Koalition anfreundet, hat auch damit zutun, dass seine Partei bei den Verhandlungen eine finanzielle Entlastungen und Infrastrukturinvestitionen für die Kommunen durchgesetzt habe.

„Die Kommunen sind vom Bund finanziell vernachlässigt worden. Aber wenn in den Städten das Geld für notwendige Investitionen in die Infrastruktur fehlt, fördert das soziale und kulturelle Gegensätze und schadet damit langfristig dem Zusammenhalt und der Integration unserer Gesellschaft“, ist der kommunale Nachwuchspolitiker aus dem Ortsverein Holthausen überzeugt. Auch der von der SPD im Koalitionsvertrag verankerte Mindestlohn und die Durchsetzung einer doppelten Staatsbürgerschaft wird sich aus seiner Sicht positiv auf die Stadtgesellschaft auswirken. „Meine beste Freundin ist eine Türkin. Wenn Menschen aus einer Zuwandererfamilie in Deutschland geboren und integriert sind, kann man sie doch nicht mit Anfang 20 dazu zwingen, ihre Herkunft aufzugeben und sich als Deutscher oder Ausländer einzustufen“, ist Vogelsang überzeugt. Bei einem Schuljahr im texanischen Austin hat Vogelsang erstaunt zur Kenntnis genommen, „dass dort im Unterricht und in den Familien viel mehr über Politik diskutiert wird und fast jeder Jugendliche zumindest eine politische Grundvorstellung hat.“

Viele Pläne für Mülheims Zukunft

Politik- oder Parteienverdrossenheit, berichtet er, habe er in den USA nicht erlebt. Seine Kandidatur für den Stadtrat versteht der 17-Jährige denn auch als den Versuch, „die jugendliche Perspektive in die Politik einzubringen“ und damit der jugendlichen Politik- und Parteienverdrossenheit entgegenzuwirken.

„Daran sind auch die Älteren interessiert,“ weiß er aus zahlreichen Gesprächen, die er im Rahmen seiner seit 2010 geleisteten Partei- und Wahlkampfarbeit mit Bürgern geführt hat.

Der Erhalt der Straßenbahnlinie zum Flughafen, der nach seinem Auslaufen zu einem Park mit Arbeitsplätzen werden könnte, mehr Probenräume und technische Unterstützung für Nachwuchsbands oder soziale Projekte, die mit Hilfe von Bürgersponsoring in Form von Bürgersteinen auf einem „Walk of Fame“ finanziert werden können, gehören zu seinen Ideen für die Zukunft Mülheims.

 
 

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