Das Schicksal der Kriegskinder

Foto: FUNKE Foto Services

Krieg und Flucht – das Thema ist aktuell und zugleich uralt. Die Bilder und Berichte von den gegenwärtigen Flüchtlingsströmen in Europa waren für die Berliner Künstlerin Franek ein Impuls, sich mit der eigenen Vergangenheit als Kriegskind und Flüchtling ausein-anderzusetzen.

Geboren wurde sie am Ausbruchstag des Zweiten Weltkrieges in Potsdam. Während der Vater an der Front war, floh sie mit Mutter und Geschwistern in den 40er Jahren nach Mülheim. Ihre Erinnerungen an die vaterlose Familie, die Kindheit in Trümmern, die Wiederkehr des Vaters sind in ein Lesebuch, in Bilder, Collagen und Bricolagen eingeflossen, die nun in einer Ausstellung im Kunstmuseum zu sehen sind. „Wir waren damals fast alle Flüchtlingskinder – aus Ostpreußen, aus Ostdeutschland, ...“, sagt Franek.

Für ihr Buch „als die Soldaten Schäfer waren“ hat die Künstlerin , die bei Fred Thieler und Mac Zimmermann studierte, den Einfluss ihrer Kindheitserlebnisse auf ihr Werk untersucht – und in den Jahren 2012 bis 2014 zudem Arbeiten realisiert, die assoziativ Motive aus Vergangenheit und Gegenwart, aber auch Traumbilder und Angstvorstellungen miteinander verweben. „Dabei geht es nicht nur um Kriegs- und Nachkriegszeit in Mülheim, das Erinnerte wird meist auch in Bezug zu heute gesetzt“, erklärt Museumsleiterin Dr. Beate Reese. So zeigt ein Exponat Franeks Schwester im Kindergarten und daneben die Auseinandersetzungen auf dem Maidan in Kiew. Auf einem anderes Gemälde sind Kinder im Nachkriegsdeutschland und im syrischen Aleppo zu sehen.

Eine fragmentarische Bildsprache mit starken Symbolen, die dem Betrachter Raum lässt, selber weiterzudenken, hat Franek gewählt. Erstmals stellte sie ihren Werken aber auch Texttafeln zur Seite. „Darauf gebe ich Informationen, die helfen, das Gezeigte einzuordnen. Man kann sie lesen, muss es aber nicht.“ Stellvertretend sei die Arbeit „Crayfish“ (Flusskrebs) genannt: Spielende Kinder, dahinter eine zerstörte Häuserfront, im Vordergrund ein Flusskrebs – so hieß das Codewort der Engländer für die Bombadierung Potsdams am 14. April 1945“, so Franek.

Mit ihren „Wunderkammern“ hat sie so etwas wie Gedächtnisspeicher kreiert. Textfragmente, Figuren aus früheren Radierungen, alte Zeichnungen ihrer Kinder, gravierte Spiegel und diverse Fundstücke fügen sich zu Bricolagen zusammen. In einer Vitrine sind auch persönliche Dokumente aus der Kriegs- und Nachkriegszeit ausgestellt – darunter das Kleidchen, das Franek als Kind auf der Flucht trug. Die Künstlerin bildet mit der Ausstellung aber nicht nur ein (ihr eigenes) Einzelschicksal ab, sondern ein kollektives. „Es geht um eine ganze Generation von Kriegskindern“, so Beate Reese.

 
 

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