Das ökologisches Holzhaus liegt in Mülheim im Trend

Hier entsteht das künftige Flüchtlingsdorf auf dem Saarner Kirmesplatz. Jedes Holzhaus, konzipiert von Zimmermannsmeister Uwe Siepmann, bietet auf jeweils 350 Quadratmeter Grundfläche 60 Personen Platz.
Hier entsteht das künftige Flüchtlingsdorf auf dem Saarner Kirmesplatz. Jedes Holzhaus, konzipiert von Zimmermannsmeister Uwe Siepmann, bietet auf jeweils 350 Quadratmeter Grundfläche 60 Personen Platz.
Foto: Funke Foto Services
Uwe Siepmann hat sich mit seiner Zimmerei darauf spezialisiert und auch die Flüchtlingsunterkünfte konstruiert, die in Saarn gebaut werden.

Mülheim..  An einem Sonntag hat Uwe Siepmann eine Mail an die Stadtverwaltung geschrieben, schon am nächsten Tag hatte er die Antwort vom Immobilienservice: Ja, sie wollten. Das ist jetzt vier Wochen her. Seither produziert Siepmanns Zimmerei Holzhäuser, in denen Flüchtlinge untergebracht werden können.

Jede Woche entstehen zwei, neben dem normalen Arbeitsbetrieb der Zimmerei in Dümpten. Am Ende sollen es elf Holzhäuser sein, jeweils mit einer Grundfläche von 350 Quadratmetern. 60 Personen sollen in jeder Hütte untergebracht werden können. Einzelne Zimmer, jeweils 16 Quadratmeter groß, werden durch eingezogene Rigipswände abgetrennt.

Schwerpunkt auf größerem Format

Ein neues Geschäftsfeld? Schließlich stehen im Moment viele Städte vor der gleichen Herausforderung. Doch Siepmann schüttelt mit dem Kopf. Sein Schwerpunkt soll weiterhin auf Holzhäusern in größerem Format liegen. Warum also diese Selbstbewerbung? Das zentrale Wort für Siepmann heißt: Nachhaltigkeit. „Das sind eben keine Baracken, die in ein paar Jahren auf den Müll landen.“ Die Flüchtlingshäuser, für die er auch nicht gerne das Wort „Hütte“ verwendet sieht, sind so konstruiert, dass die einzelnen Elemente – Boden, Wände und Decke – auseinandermontiert und neu wieder aufgebaut werden können, auch in unterschiedlichen Kombinationen. Das ist ein Vorteil für die Stadt, schließlich kann sie so flexibeler auf die stets schwankende Zahl von Flüchtlingen reagieren.

Siepmann wollte also ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur setzen. Nachhaltigkeit hat aber für den 48-jährigen Zimmermannsmeister auch eine politische und soziale Bedeutung und zwar in globaler Dimension. Es ist ihm wichtig, dass die Flüchtlinge nicht irgendwie untergebracht sind, sondern zumindest ansatzweise so etwas wie ein „Zuhause“ finden können. „Wir sind ihnen diese Unterstützung schuldig“, findet er.

Interesse für globale Zusammenhänge

Dieses Interesse für globale Zusammenhänge ist auch der Grund dafür, warum Siepmann sich im Umweltschutz engagiert und sich auf ökologische Holzhäuser spezialisiert hat. Holz wächst nach, ist also per se nachhaltig. Aber auch sonst sieht die Ökobilanz bei diesem Haus-Typ positiv aus. Etwa was das Raumklima angeht. „Mit dem ökologische Holzhaus steigt der Bauherr gleich in die Energiesparklasse ein. Die Heizkosten sind gering, das Klima im Gebäude reguliert sich selbstständig.“ Bei dem Wandaufbau wird ganz auf Folien oder künstliche Dämmstoffe verzichtet, stattdessen sorgt eine Zellulose-Naturfaserdämmung dafür, dass Feuchtigkeit absorbiert und bei Bedarf wieder abgegeben wird. Dadurch entstehe ein gesundes Wohnklima, so der Fachmann.

Nachhaltigkeit und Wohngesundheit sind für immer mehr Häuslebauer wichtige Aspekte. Schon jetzt ist jeder sechste Neubau in Deutschland ein Holzhaus, Tendenz steigend. „Es gibt einen neuen Trend“, sagt denn auch Uwe Siepmann. Nachhaltig soll aber nicht nur das Haus, sondern auch die Beziehung zwischen Bauherr und Handwerker sein. Regelmäßig lässt Siepmann seinen Betrieb zertifizieren. Alle zwei Jahren werden sowohl die Baustoffe, die er verwendet, als auch die Montage überprüft. Technische Errungenschaften machen die Arbeit von Siepmann und seinem Team leichter. Er zeigt auf eine große Sägemaschine und sagt: „Ich kann im Büro am Computer konstruieren. Die Daten werden dann digital an die Maschine übermittelt, die dann weiß, an welchen Stellen gesägt werden soll.“ Sind die Elemente für das Holzhaus fertig, gehen sie auf die Reise – und bleiben manchmal fast vor der Haustür, wie beim Auftrag für das Flüchtlingsdorf in Saarn.

 
 

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