Das Mülheimer Warenhaus für Flüchtlinge wächst heran

Deike Frey
Die Gruppe um den „Willkommen in Mülheim“-Gründer Reinhard Jehles gestaltet zurzeit das einstige Haus Klever zu einem Warenhaus für Flüchtlinge um.
Die Gruppe um den „Willkommen in Mülheim“-Gründer Reinhard Jehles gestaltet zurzeit das einstige Haus Klever zu einem Warenhaus für Flüchtlinge um.
Foto: privat
In nur drei Wochen wurde in Mülheim eine Idee geboren, von der hoffentlich bald viele Menschen in Not profitieren können. Reinhard Jehles und andere Mitglieder der Gruppe „Willkommen in Mülheim“ möchten Flüchtlinge unterstützen und richten derzeit ein kostenfreies Warenhaus für sie ein.

Mülheim. Das Warenhaus für Flüchtlinge nimmt Gestalt an: Am Samstag haben Reinhard Jehles, der bei Facebook die Unterstützergruppe „Willkommen in Mülheim“ gegründet und so in kürzester Zeit ein umfassendes Hilfsprojekt auf die Beine gestellt hat (die WAZ berichtete), und 15 Mitstreiter die ehemalige Gaststätte Haus Klever an der Boverstraße in Beschlag genommen. Das Team hat Tische aufgebaut und Trennwände eingezogen, hat Schilder zur besseren Orientierung aufgehängt und etliche Kartons mit Sachspenden ausgepackt und ansprechend drapiert.

Zettel in deutscher und arabischer Schrift sowie Piktogramme, von denen etwa Menschen profitieren können, die nie schreiben oder lesen gelernt haben, weisen den Weg zu besonders dringend benötigten Alltagsgegenständen. „In zwei bis drei Wochen“, so Jehles, können sich die Flüchtlinge gezielt nach Baby-, Kinder- oder Erwachsenenkleidung umschauen, fein säuberlich sortiert nach Alter, Größe und Geschlecht. Bedienen können sich die Familien, von denen etliche aus Syrien stammen und die in der umkämpften Heimat vieles zurücklassen mussten, aber auch an Spielzeug, Haushaltswaren und Haushaltswäsche sowie Hygieneartikeln. Des Weiteren werden Handzettel mit Nahverkehrsangeboten etc. vor Ort ausliegen.

Zum Personal gehört eine Familie, die das Leid genau kennt

Geöffnet haben wird das kostenfreie Warenhaus dienstags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags von 14 bis 17 Uhr. Zum Personal wird eine Familie gehören, die genau weiß, was die Besucher mitgemacht haben. „Sie sind selbst Flüchtlinge und kommen aus dem Irak“, berichtet Jehles. Die Familie lebe zwar bereits seit einigen Monaten hier, die fremde Sprache aber falle ihr selbstverständlich noch schwer. Mit der Kommunikation klappe es trotzdem bestens, berichtet der 61-Jährige. „Und teilweise ist das sogar richtig lustig.“

Für ihn waren die vergangenen drei Wochen, in denen das Projekt gewachsen ist, eine aufregende und mitunter anstrengende Zeit – „aber vor allem eine wunderschöne“. Zur besseren Verständigung mit den Besuchern sollen übrigens Wörterbücher für Arabisch-Deutsch ausgegeben werden. Jehles hat bereits die Zusage einer solchen Spende.