Das Mülheimer Medienhaus ist eine Ruhe-Oase mit Literatur und Seelöwe

Margitta Ulbricht
Pauken in den Sommerferien: Der Schüler Hazret Berisha lernt mit seinem Ausbildungspaten Bernd Köhler.
Pauken in den Sommerferien: Der Schüler Hazret Berisha lernt mit seinem Ausbildungspaten Bernd Köhler.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Ganz versteckt liegt dieser Ort der Ruhe direkt am Synagogenplatz in der Innenstadt: Die beiden Sonnenterrassen des Medienhauses gehen nach hinten raus. Von ganz oben kann man über die Dächer der Stadt bis zum Rathausturm gucken. Auf der unteren Außenfläche wachen gut 100 Seelöwen von Künstler Ottmar Hörl als Leihgabe des Aquarius über ihr Publikum. Und auch das gibt sich still dieser kleinen Oase mit futuristischem Gartenmobiliar hin.

Bis auf ein Pärchen, das sich leise murmelnd verständigt: An einem Tisch sitzt der 15-jährige Schüler Hazret Berisha mit seinem Ausbildungspaten, dem Pensionär Bernd Köhler, und paukt Mathe. „Nach den Sommerferien steht eine Nachprüfung an, darauf will ich vorbereitet sein“, sagt Hazret. Bernd Köhler nickt, „es geht darum, das Zeugnis zu verbessern“. Büffeln in den Ferien? „Kein Problem“, sagt Hazret: „Es geht ja schließlich um meine Zukunft.“

Abi-Hilfen im Schüler-Center

Bei idealem Wetter lässt es sich draußen aushalten. „Ich bin oft in der Stadtbücherei“, sagt Bernd Köhler. „Hier kann man sich nicht nur Bücher ausleihen, sondern auch gut lernen, weil es ruhig ist und die Atmosphäre sehr angenehm ist.“ Mit dem Literatur-Angebot „bin ich sehr zufrieden“, betont Köhler.

In einem Liegestuhl hat es sich Eva Kowalewski gemütlich gemacht. Gut gelaunt und sonnenverwöhnt blättert sie in der „Herrschaft der Zaren“. Gern gelesen: Historisches und Geschichtliches, „heute bin ich bei den Russen gelandet“.

Auch drinnen im Medienhaus herrscht konzentrierte Ruhe. In der Info- und Wissens-Etage arbeiten junge Leute am Computer. Andere sitzen in den Sesseln vor der Glasfront und lesen Tageszeitungen oder Magazine. Im Schüler-Center, wo es Abi-Hilfen und Unterrichtsmaterial nach Fächern sortiert gibt, brütet Maximilian Striebeck über einem Medizin-Wälzer. „Ein Fachbuch für Anatomie“, klärt der junge Mann auf. „Ich möchte Physiotherapeut werden und bin fast fertig.“ Auch er ist mit dem Angebot an Fachliteratur zufrieden: „Man muss natürlich Glück haben, dass die Sachen auch da sind.“

Neuer Leseclub für Grundschüler

Für Nachhilfe und Hausaufgaben werde die Stadtbibliothek gern genutzt, weiß Medienhaus-Leiterin Claudia vom Felde. „Besonders von Schülern, die sich in Gruppen hier treffen. Es sind ja auch alle Materialien, Bücher und PCs vor Ort.“

Das Medienhaus ist am 22. August vier Jahre alt geworden. Und das Interesse der Mülheimer daran ist ungebrochen groß: „Es kommen immer noch täglich um die 1000 Menschen“, sagt Claudia vom Felde. Viele Geschäftsleute würden ihre Mittagspause im Medienhaus oder auf den Terrassen verbringen, „andere kommen einfach nur, um sich zu sonnen“. Und trotz Sommerferien „ist der Besuch gut“.

Neben den Sommer-Leseclub für ältere Kinder ist der Junior-Leseclub für Grundschüler ein neues Angebot. „Beides wird gut angenommen und findet auch in den Zweigstellen statt.“ Gut 550 Kinder machen mit.

Preissteigerungen auffangen

Die Bücher-Hits bei den Erwachsenen „sind Bestseller und Krimi-Lektüre für den Urlaub. Fantasy-Romane liegen bei den Jugendlichen vorn.“ Gut angelaufen sei die Onleihe trotz anfänglicher Probleme mit den Lizenzen. „Aber das wird jetzt auch immer mehr.“

Bei den Neuanschaffungen „gucken wir, was gut läuft“: Schöne Literatur, Krimis, Elternratgeber, Reise, Wohnen, Wellness – alles, was gefragt ist. Der Etat für Neuanschaffungen sei derselbe geblieben: 210.000 Euro pro Jahr, erläutert die Bücherei-Leiterin. Es müsste jährlich etwas mehr sein, „um die Preissteigerungen aufzufangen“. So kann immer weniger angeschafft werden. „Aber wir können uns noch glücklich schätzen, in den Nachbarstädten sieht es anders aus.“